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Geld für das Auslandsstudium

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Ein Aufenthalt im Ausland ist teuer. Doch für Studierende gibt es viel Unterstützung. Neben dem Auslands-Bafög werden häufig auch Stiftungen unterschätzt.

Die Karrierechancen verbessern, eine neue Sprache lernen oder einfach die Gelegenheit für ein Abenteuer nutzen – für einen Auslandsaufenthalt während des Studiums gibt es viele Gründe. Franziska Mecklenbrauck war gerade 21 Jahre alt, als sie für ein halbes Jahr von der Fachhochschule Dortmund an die ESIC Marketing and Business School in Madrid wechselte. Studienfach: International Business Management. Sie erinnert sich gern an die Zeit in der spanischen Hauptstadt. "Das Auslandssemester war eine der besten Möglichkeiten, eine Sprache zu lernen und meinen Umgang mit fremden Kulturen zu schulen", sagt sie. Finanziert hat sie den Aufenthalt über ein Erasmus-Stipendium und Bafög. Ähnlich machte es Simone Danisch, die mit 22 ein Semester lang in Warschau studierte. Ihre Erfahrungen zeigen: Wer im Ausland studieren will, muss sich gut vorbereiten.

Ginge es nach der Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Margret Wintermantel, sollte jeder zweite Studierende aus Deutschland Erfahrungen im Ausland sammeln. Dieses Ziel gab sie schon vor sieben Jahren an. Laut jüngster Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) waren von allen Studierenden des Sommersemesters 2016 aber gerade mal 16 Prozent bereits mindestens einmal studienbezogen im Ausland. Bei Studierenden in höheren Semestern liegt der Anteil immerhin bei 28 Prozent. Doch verglichen mit 2012 ist dieser Wert sogar um drei Prozentpunkte gesunken. Wichtigster Hinderungsgrund ist für 70 Prozent der angehenden Akademiker die finanzielle Mehrbelastung.

Wenn sie den Schritt ins Ausland doch wagen, gehen die deutschen Studierenden laut DAAD am liebsten nach Großbritannien oder in die USA (je 12 Prozent), auch Frankreich und Spanien stehen hoch im Kurs (je 9 Prozent). Bei der Finanzierung eines Auslandsstudiums werden die meisten jungen Leute (72 Prozent) laut DSW von ihren Eltern oder Partnern unterstützt. Etwas mehr als die Hälfte greift auf Ersparnisse zurück, knapp jeder Zweite hat ein EU-Stipendium und 30 Prozent erhalten Auslands-Bafög.

Auslands-Bafög als erste Wahl

Mecklenbrauck, die heute in einem Start-up arbeitet, erinnert sich, dass der Antrag auf Auslands-Bafög sehr aufwendig war. Noch dazu sei der erste Zuschuss viel zu spät auf ihrem Konto eingegangen, obwohl sie die Hilfe ein halbes Jahr zuvor beantragt hatte. Am Ende lohnte sich das Warten aber: Jeden Monat überwies ihr das Amt rund 650 Euro. Aus Sicht von Birte Aye, Leiterin des Beratungszentrums Studienfinanzierung (BeSt) beim Studierendenwerk Hamburg, ist das Auslands-Bafög die erste Finanzierungsquelle, die Studierende vor ihrem Auslandsaufenthalt prüfen sollten. "Auch Studierende, die für ihr Studium in Deutschland kein Bafög bekommen, können gute Chancen für einen Zuschuss fürs Ausland haben", so Aye. Der Grund: Die sogenannten Bedarfssätze liegen bei einem Studium im Ausland zum Teil viel höher, da es zusätzliche Pauschalen für die Reisekosten, die Krankenversicherung im Ausland, Studiengebühren und einen Auslandszuschlag geben kann.

Für Hochschulen innerhalb der EU gibt es für das Auslands-Bafög keine zeitliche Begrenzung. Wer weiter weg möchte, etwa in die USA, bekommt pro Bachelor- oder Masterstudium nur maximal ein Jahr finanziert. Der Antrag ist recht umfangreich: Neben ihrem eigenen Einkommen müssen Studierende auch die Einkommensverhältnisse ihrer Eltern offenlegen. Tipp der Expertin: Wer den Antrag online ausfüllt, findet dort auch gleich Erklärungen für unbekannte Fachbegriffe. Der wichtigste Vorteil für das Auslands-Bafög ist derselbe wie beim Zuschuss für die Heimatuni: "Studierende müssen nur die Hälfte der Förderung zurückzahlen, maximal jedoch 10.000 Euro", erklärt Aye. Hinzu kommt: Zuschläge für Studiengebühren im Ausland müssen gar nicht zurückgezahlt werden. Mindestens ein halbes Jahr vor dem Semesterbeginn sollte der Antrag abgeschickt werden.

Erasmus unterstützt in der EU

Danisch bekam während ihres Aufenthalts an der Universität in Warschau kein Bafög. Die Studentin der "American Studies" finanzierte ihr Auslandssemester mit einem Erasmus-Stipendium. Das Erasmus-Programm gibt es bereits seit mehr als 30 Jahren. Es fördert die Zusammenarbeit von Hochschulen innerhalb der EU und den grenzüberschreitenden Austausch zwischen Studenten und Dozenten. Ermöglicht werden Auslandsaufenthalte von maximal einem Jahr. Die Höhe der Stipendien ist je nach Land unterschiedlich hoch. Danisch erhielt monatlich 360 Euro. "Die sind allerdings komplett für die Miete meines Zimmers im Studentenwohnheim draufgegangen", erinnert sich die heute 29-jährige Radiomoderatorin. Ihre Eltern überwiesen ihr das Kindergeld, den Rest bezahlte sie von ihrem Erspartem. "Zum Glück ist das Essen in Polen günstig", scherzt sie. Auch Mecklenbrauck erhielt einen Erasmus-Zuschuss: Im Gegenzug musste sie einen Sprachtest absolvieren und einen Bericht über ihren Auslandsaufenthalt schreiben. "Das habe ich gern in Kauf genommen", sagt sie.

Nicht nur bei Top-Noten: Stipendien

Nicht nur bei Top-Noten: Stipendien

Stipendien werden als Finanzierungsquelle häufig unterschätzt. Neben dem Erasmus-Programm bieten viele Stiftungen und Unternehmen solche Förderungen an. "Viele Studierende glauben, dass sie nur mit Topnoten ein Stipendium bekommen", weiß Birte Aye. Gerade für einen Auslandsaufenthalt stünden die Chancen auf eine solche Förderung aber sehr gut. "Neben der Leistung an der Uni spielt ehrenamtliches Engagement oft eine große Rolle", so die Beraterin. Der Begriff "Ehrenamt" wird dabei mitunter sehr weit gefasst. Auch bezahlte Tätigkeiten wie etwa Nachhilfe können dazu zählen, ebenso wie das Engagement in der Schule, dem Studium oder in Vereinen.

Zwar decken Stipendien häufig nicht die vollständigen Kosten für den Aufenthalt im Ausland, können aber ein hilfreiches Zubrot sein. Und: Das Geld muss in der Regel nicht zurückgezahlt werden. Um die Antragsfrist nicht zu verpassen, sollten sich Interessierte am besten ein Jahr vor Abreise über passende Angebote informieren. Zu den bekanntesten Stiftungen für Auslandsstudiengänge zählt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD).

Das Hamburger Beratungszentrum Studienfinanzierung hat auf seiner Website eine Liste mit Organisationen, Stiftungen und Datenbanken zusammengestellt, die Stipendien vergeben. Viele davon sind nicht nur in Hamburg, sondern bundesweit tätig. Hilfreich können insbesondere die Übersichten von Scholarshipportal.eu, Stifterverband.de und Stiftungen.org sein. Auch viele Hochschulen fördern ihre Studenten, wenn diese eine Zeit lang im Ausland studieren möchten. Für Studierende von MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) bieten auch Unternehmen Förderprogramme an.

Letzter Ausweg: Studienkredit

Vorsicht ist bei Studienkrediten geboten. Sie können nach Einschätzung von Expertin Aye für eine begrenzte Zeit eine sinnvolle Alternative sein, so zum Beispiel auch für einen Auslandsaufenthalt. Allerdings empfiehlt sie einen Studienkredit erst dann, wenn alle günstigeren Alternativen überprüft wurden, da ein Kredit vollständig zurückgezahlt werden muss – inklusive Zinsen. Wichtig dabei: die unterschiedlichen Angebote gut vergleichen und unabhängige Beratung suchen.

Neues Konto mit Kreditkarte

Wenn die Finanzierung steht, kann je nach Zielland auch ein neues Girokonto sinnvoll sein. Mecklenbrauck hat vor ihrer Abreise eines bei einer deutschen Direktbank eröffnet. Zwingend notwendig sei das nicht gewesen, es habe ihr aber einiges erleichtert: "Gerade in Madrid sind Kreditkarten Standard. Deswegen habe ich mir ein Onlinekonto mit Kreditkarte zugelegt", sagt sie. Auch Danisch hat ein neues Konto eröffnet. Zum einen, weil es in Polen keinen Euro gibt. Zum anderen, weil sie über ihre alte Bank nicht kostenlos hätte Geld abheben können. Dieser Tipp gilt vor allem für Studierende, die sich außerhalb der europäischen Währungsunion aufhalten.

Versicherung prüfen

Auch um ihren Versicherungsschutz müssen sich Studierende vor der Abreise kümmern. Als Ergänzung zur Krankenversicherung empfiehlt der Bund der Versicherten grundsätzlich allen Reisenden eine Auslandsreisekrankenversicherung. Diese übernimmt die Kosten für Heilbehandlungen im Ausland, die von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) nicht gedeckt werden. Die Auslandsreisekrankenversicherung sei für gesetzlich Krankenversicherte selbst dann empfehlenswert, wenn zwischen Deutschland und dem Reiseland ein sogenanntes Sozialversicherungsabkommen besteht. Denn die GKV übernimmt in diesen Fällen nur die Leistungen, die in den Reiseländern üblich sind. Allerdings: Häufig gilt der Versicherungsschutz nur für Reisen, die nicht länger als bis zu 56 Tage dauern. Für ein Auslandssemester oder -jahr braucht es also eine besondere Police. Mecklenbrauck etwa zahlte zusätzlich zu ihrer normalen Krankenversicherung pro Tag einen bestimmten Betrag, um den Schutz auf das europäische Ausland auszuweiten. Eine unabhängige Beratung dazu bekommen Studierende beispielsweise bei Verbraucherzentralen.

Danisch rät: "Wer im Ausland studieren will, sollte sich schon vor Reiseantritt alle Kosten genau vor Augen führen, damit es am Ende keine bösen Überraschungen gibt."

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