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Examensvorbereitung im Master-Studium

Katja Stiefenhöfer von KPMG hat zur Vorbereitung auf das Wirtschaftsprüferexamen keinen Lehrgang besucht, sondern ein komplettes Studium absolviert. Warum sie das weiterempfehlen kann, verrät sie hier.

Schon vor dem Examen arbeiteten Sie bei KPMG im Audit - wieso der ganze Lernstress?

Einerseits ist das Wirtschaftsprüferexamen eine Art Gütesiegel und genießt in der Gesellschaft ein hohes Ansehen, denn nur ein von der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) bestellter Wirtschaftsprüfer ist dazu berechtigt, Jahres- beziehungsweise Konzernabschlussprüfungen durchzuführen. Nicht zuletzt ist der Titel Voraussetzung, um im Bereich Audit, also in der Wirtschaftsprüfung bei KPMG, weiter aufsteigen zu können. Nach bestandenem Examen kann man in der Regel innerhalb eines Jahres mit einem Aufstieg zum Manager rechnen.

Wie viel Zeit und Geld hat Sie das Examen gekostet?

Ich habe mich entschieden, einen akkreditierten Master-Studiengang an der Mannheim Business School zu absolvieren, der gezielt auf das Examen vorbereitet. Weiterer Vorteil ist, dass bei erfolgreich bestandenem Master die Prüfungsgebiete Betriebswirtschaftslehre sowie Rechtswissenschaften anerkannt werden, d.h. im eigentlichen Wirtschaftsprüferexamen vor der WPK nicht mehr abgelegt werden müssen. Die Studiengebühren in Höhe von damals 35.000 Euro hat KPMG zum Großteil übernommen. Während des berufsbegleitenden Master-Studiums von 2011 bis 2014 habe ich in den Wintermonaten, unserer sogenannten "busy season" gearbeitet und war in den Sommermonaten freigestellt. Hierfür habe ich ein anteiliges Gehalt sowie einen Gehaltsaufschlag als zusätzliche Förderung erhalten. Insgesamt hat KPMG damit erheblich in meine Fortbildung investiert. 

Sie haben sich für einen speziellen Master-Studiengang entschieden, warum das? Ist der Aufwand dadurch nicht noch größer?

Zweifelsohne bringt das Studium eine höhere Arbeitsbelastung mit sich, da auch die Sommermonate, in denen es bei uns im Bereich Audit tendenziell ruhiger wird, durch Vorlesungen und Klausuren geprägt sind. Die Vorteile überwiegen diesen Nachteil aber bei Weitem, weswegen ich den Master zusätzlich zu meinem Diplom gemacht habe. Zum einen bestehen die Mannheimer Absolventen das Wirtschaftsprüfer-Examen weitaus häufiger als der Bundesdurchschnitt. So haben in meinem Jahrgang alle teilnehmenden KPMG-Kollegen das Examen im ersten Versuch bestanden. Das allein spricht schon für den Master. Als ich angefangen habe, wurden nur neun Mitarbeiter von KPMG für dieses Studium gezielt ausgewählt. Das empfinde ich als Zeichen der Wertschätzung und Vertrauen in meine Weiterentwicklung. Die Studienmonate haben zudem dazu beigetragen, dass ich bereits zu Beginn der Freistellung rund 5 Monate vor dem eigentlichen Examen ein sehr gutes Wissen hatte, auf dem ich noch weiter aufbauen konnte. Zum anderen habe ich in Mannheim interessante Kontakte zu Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft geknüpft. So haben CEOs und CFOs bekannter Unternehmen wie der HeidelbergCement AG und Saint Gobain Vorlesungen gehalten und uns in anschließenden Gesprächen Frage und Antwort gestanden.

Warum gilt dieses Examen als so anspruchsvoll?

In erster Linie ist es vor allem viel Stoff, den man verstehen und über den mehrmonatigen Vorbereitungszeitraum auch behalten muss. Zudem sind die Themen teilweise sehr komplex und der Zeitdruck enorm. Für das Bestehen ist daher ein enormes Maß an Disziplin und Organisation erforderlich. Zudem muss man mit Fleiß und Ausdauer bei der Sache bleiben und auch - gerade kurz vor der Prüfung - auf freie Wochenenden verzichten. Nicht zuletzt gilt es, die Nerven zu bewahren, die am Ende der Freistellung ehrlicherweise ganz schön blank liegen.

Was vom Gelernten kann man hinterher überhaupt im Job anwenden?

Eine ganze Menge. Viele Tätigkeiten, die ich schon vorher im Rahmen der Jahresabschlussprüfung durchgeführt hatte, wurden durch das Examen noch einmal in das Gesamtbild, sozusagen das "big picture", eingebettet. Zudem ist es hilfreich, viele Regelungen nach dem Examen aus dem Stegreif zu wissen. Das erleichtert die alltägliche Arbeit schon sehr. Nicht zuletzt entwickelt man sich auch persönlich weiter, da man lernt, mit Stress-Situationen besser umzugehen. 

Haben Sie einen Tipp für diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, das Examen zu absolvieren?

Bei der Vorbereitung auf das Wirtschaftsprüferexamen gilt "no pain, no gain". Wirtschaftsprüfer wird nur, wer es wirklich will und alles andere für diese Zeit auch mal hinten anstellt. Wenn man das Examen "einfach mal so versucht", ist ein Scheitern fast schon vorprogrammiert. Dies wird besonders deutlich, wenn man nach dem schriftlichen Examen zur mündlichen Prüfung eingeladen wird. Hier besteht, unabhängig davon wie gut oder schlecht die Vornote ist, wer die Prüfungskommission davon überzeugt, dass er wirklich Wirtschaftsprüfer werden will.

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