Partner von:

Examensvorbereitung im Präsenzlehrgang

Jannis Pulm, Manager bei KPMG, hat das Wirtschaftsprüferexamen im Herbst 2016 erfolgreich bestanden. Für die Vorbereitung hat er sich über eineinhalb Jahre Zeit genommen. Im Interview verrät er, warum das die richtige Entscheidung war und welche Tipps er noch in petto hat.

Sie arbeiten in der prüfungsnahen Beratung und nicht im klassischen Audit – das Wirtschaftsprüferexamen war für Sie also kein Muss. Noch dazu sind die Durchfallquoten berüchtigt. Warum haben Sie sich trotzdem dafür entschieden?

In der prüfungsnahen Beratung ist das Examen tatsächlich keine Voraussetzung für die Karriere; das sieht man auch daran, dass mein zuständiger Partner kein Wirtschaftsprüfer ist. Es war für mich also eher Kür als Pflicht. Andererseits wusste ich schon seit meinem Einstieg bei KPMG, dass ich noch eine Weiterbildung machen möchte. Da hat sich das Examen angeboten, weil es mit seinen vier Prüfungsgebieten ein breites Spektrum abdeckt. Die hohen Durchfallquoten waren natürlich nicht motivierend – zumal ich den Weg des Voll-WPs gewählt hatte und damit sieben statt fünf Klausuren schreiben musste. Ich habe es schließlich ganz pragmatisch gesehen: Selbst wenn ich das Examen nicht bestehen sollte, kann ich einiges an Wissen mitnehmen. Es ist noch niemand dümmer aus dem Examen rausgegangen, als er reingegangen ist.

Welche Art der Vorbereitung haben Sie gewählt?

Mein Eindruck war, dass die Masse des Stoffes zu groß ist, als dass man alleine zwischen Wichtigem und Unwichtigem trennen könnte. Mir war deshalb schnell klar, dass der Hauptteil meiner Vorbereitung durch einen Präsenzlehrgang abgedeckt werden sollte.

Ich habe einen recht langen Lehrgang gewählt, der sich über ein Jahr gestreckt hat. So blieb mir ausreichend Zeit, um parallel den Stoff nachzubereiten. Ich finde es nicht sehr zielführend, sich unterjährig in einem Lehrgang mit Inhalten berieseln zu lassen, aber dann den Stoff erst selbst aufzuarbeiten, wenn man in die Freistellung geht. Denn dann fängt man de facto wieder bei null an. Ich würde sogar behaupten, dass ich im Examen nicht erfolgreich gewesen wäre, wenn ich die ganze Vorbereitung nur in die Freistellungsphase gequetscht hätte. Außerdem würde ich empfehlen, alle Module bei einem Anbieter zu machen. Dann sind die einzelnen Fächer und die Präsenztermine gut aufeinander abgestimmt.

Bis auf die Phase der Freistellung waren Sie neben der Examensvorbereitung weiter berufstätig. Wie haben Sie das organisiert?

Meine Vorgesetzten haben es mir ermöglicht, den Lehrgang im Blockmodell zu absolvieren. Ich war also abwechselnd eine Woche auf Kurs und dann wieder vier oder fünf Wochen in der Arbeit. Dadurch hatte ich die Wochenenden weitestgehend frei und konnte sie auch für die Nachbereitung nutzen. Auch wenn dieses Modell vor allem in der Busy Season nicht überall umsetzbar ist und stark von den Arbeitsweisen des jeweiligen Geschäftsmodells abhängt, bin ich KPMG und speziell meinen Chefs für diese Flexibilität sehr dankbar. Trotzdem bleibt es einem natürlich nicht erspart, sich auch mal unter der Woche nach der Arbeit hinzusetzen und noch ein, zwei Stunden Dinge nachzubereiten.

Ich kann mir vorstellen, dass man in der Vorbereitungsphase auch den einen oder anderen Durchhänger hat. Wie haben Sie sich zum Durchhalten motiviert?

Im Wesentlichen, indem ich auch mal Pausen eingelegt habe. Niemand schafft es, über einen so langen Zeitraum hinweg sieben Tage die Woche konzentriert zu arbeiten und zu lernen. Am besten bekommt man den Kopf frei, wenn man einer Beschäftigung nachgeht, die nichts mit dem Examen zu tun hat. Bei mir war das der Sport, bei anderen ist es der Besuch kultureller Veranstaltungen oder ähnliche Hobbies. Es ist wichtig, noch ein Leben neben dem WP-Examen zu führen, denn sonst ist die Gefahr groß, dass man mittendrin auf der Strecke bleibt.

Tauscht man sich KPMG-intern auch mit (angehenden) Wirtschaftsprüfer-Kollegen aus? Oder ist jeder auf sich gestellt?

Die Klausuren muss man natürlich alleine bestehen, aber auf dem Weg dorthin wird man nicht alleine gelassen – außer man möchte ein Einzelkämpfer sein. Meine ersten Ansprechpartner waren die Kollegen in meinem Team, die das Wirtschaftsprüferexamen schon abgelegt haben. Mit ihnen habe ich zum Beispiel über meine Planung, die Kursanbieter und die Examensinhalte an sich gesprochen. Natürlich bekommt man auch schnell mit, wer sich gerade ebenfalls auf das Examen vorbereitet, und kann sich dann in Lerngruppen zusammenschließen.

Wie viel Zeit und Geld hat Sie das Examen letztendlich gekostet?

Im November 2014 habe ich mit der Vorbereitung begonnen und mich erst einmal im Selbststudium mit der Thematik auseinandergesetzt. Im August 2015 startete der Lehrgang und im März 2016 ging ich in die Freistellung. Das Examen fand dann im August 2016 statt. Bei KPMG – wie auch bei anderen großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften – ist es üblich, sich für die Freistellung ein Zeitkontingent anzusparen aus Überstunden und Urlaub. Dann ist die Freistellung kein Dienstausfall und man bekommt weiterhin sein reguläres Gehalt gezahlt.

KPMG hat außerdem nahezu alle Kosten übernommen, die mir durch das Examen entstanden sind: Jeder Audit-Mitarbeiter hat ein sogenanntes Examensbudget, von dem ich zum Beispiel die Kursgebühren und die Anmeldung zum Examen finanzieren konnte.

War das Examen denn so, wie Sie es sich ausgemalt hatten?

Ich hatte im Vorfeld einige Horrorszenarien gehört – aber so schlimm wie darin beschrieben war das Examen dann tatsächlich nicht. Natürlich war ich extrem angespannt; ich glaube, das ist normal, wenn man eineinhalb Jahre auf etwas hingearbeitet hat. Ab dem ersten Klausurentag hatte ich dann aber gar keine Zeit mehr, mir darüber Gedanken zu machen; da geht alles Schlag auf Schlag. Was mich vorher beschäftigt hat, war die Frage, wie es wohl ist, sechs Stunden am Stück eine Klausur zu schreiben – denn das Abitur war bei mir ja schon ein paar Jährchen her. Das kann man natürlich mit Probeklausuren üben, aber in echt ist es doch ein anderes Gefühl.

Welche Klausur fanden Sie am schwersten, welche am leichtesten?

Ich glaube, man geht aus keiner Prüfung raus und sagt: Och, das war jetzt einfach. In BWL hatte ich allerdings durch meinen akademischen Hintergrund ein ganz gutes Vorwissen. Ich möchte nicht sagen, dass mir die Klausuren deshalb leichtgefallen wären, aber ich bin deutlich sicherer in die Prüfung gegangen. Mit Steuern hatte ich hingegen vor dem Wirtschaftsprüferexamen noch nie zu tun – weder akademisch noch beruflich. Daher hatte ich vor diesem Fach den größten Respekt.

Schlussendlich haben Sie das Examen erfolgreich gemeistert. Haben sich der Aufwand und der Stress rückblickend gelohnt – sowohl inhaltlich als auch karrieretechnisch?

Durch das Examen baut man einen großen Wissensschatz in vielen berufsrelevanten Themengebieten auf und kann dadurch Dinge gut überblicken und zusammenführen. Daher lohnt sich das WP-Examen auch nicht nur für klassische Abschlussprüfer, sondern auch für jemanden wie mich, der in der prüfungsnahen Beratung tätig ist. Für meine Karriere hat sich das Examen auch schon ausgezahlt: Ich habe im November mein Examen mit der mündlichen Prüfung bestanden, wurde im Januar von der Wirtschaftsprüferkammer bestellt und zum 1. April zum Manager und Prokuristen befördert. Das bedeutet, dass ich nun gegenüber den Mandanten eine andere Rolle einnehme, stärker in die Projektverantwortung und -leitung einsteige und noch mehr Gestaltungsfreiraum bekomme.

Welche Tipps würden Sie jemandem mit auf den Weg geben, der sich überlegt, das WP-Examen zu schreiben?

  1. Mach dir bewusst, dass die Examensvorbereitung sehr zeitintensiv ist und Einschnitte erfordert. Aber die Mühe lohnt sich: Man kann aus dem Examen ein unglaublich großes Wissen ziehen, das einem niemand mehr nehmen kann.
  2. Leg dir schnell eine gute Lernstrategie zurecht, die zu deinem eigenen Lerntyp passt und halte dich nicht lange damit auf, verschiedene Wege abzuwägen.
  3. Fang frühzeitig mit dem Lernen an. Mir hat es sehr geholfen, kontinuierlich am Ball zu bleiben und mir Themen nicht bis zur Freistellung aufzusparen.
  4. Das Examen ist schon aufregend genug – da braucht man nicht noch einen Lernpartner, der einen zusätzlich verrückt macht. Daher Augen auf bei der Lernpartner-Wahl
nach oben
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren