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Beruf Patentanwalt: Eine Chance, an Herausforderungen zu wachsen

Ein Anwalt am Schreibtisch prüft Unterlagen [Quelle: Pexels.com, Autor: Andrea Piacquadio]

Quelle: Pexels.com, Andrea Piacquadio

Welche Optionen hat ein Patentanwalt beim Start ins Berufsleben und für wen eignet sich der Schritt in die Selbständigkeit? Dr. Lars Christian Andrees ist ihn nach der Ausbildung gegangen und berichtet hier.

Während des Studiums oder der Promotion haben einige junge Wissenschaftler sicherlich die Erfahrung gemacht: Man müht sich, experimentiert und optimiert, versucht etwas Neues und nichts will so recht klappen. Oder: Der Durchbruch ist endlich gelungen, doch die anfangs erhoffte Anerkennung bleibt aus. Das ist häufig der Zeitpunkt, an dem sich der eine oder andere die Frage stellt, ob es vielleicht nicht noch andere attraktive Alternativen zur akademischen Laufbahn gibt.

Während des Hauptstudiums habe ich das erste Mal von der Möglichkeit erfahren, mit einem naturwissenschaftlichen Studium Patentanwalt zu werden. Der Gedanke hat mir gefallen und Vorlesungen und Veranstaltungen, die ich daraufhin zu dem Thema besucht habe, haben mein Interesse für diesen Beruf noch gestärkt. Auch wenn die Wissenschaft – zugegebenermaßen – dem talentierten Forscher viele interessante Möglichkeiten bietet, steht ihrer Vielfalt nach meinem Empfinden die des gewerblichen Rechtschutzes in keiner Weise nach. Nicht nur das Erfordernis in technischen Gebieten über den Tellerrand einer vertrauten Fachrichtung hinausblicken zu müssen, sondern auch die Notwendigkeit, sich mit komplexen juristischen Fragestellungen auseinanderzusetzen, habe ich als neue spannende Herausforderungen empfunden, die mir die wissenschaftliche Karriere so nicht ermöglicht hätte.

"Per aspera ad astra"? – Der lange Weg zur Zulassung

Wer sich für die Ausbildung zum Patentanwalt entscheidet, sollte sich im Vorfeld gut darüber informieren, was ihn erwartet. In jedem Falle sollte man sich bewusst sein, dass der Weg arbeitsreich und zeitaufwändig ist, so dass man auch mal das eine oder andere Wochenende für die Vorbereitung opfern muss. Insbesondere dann, wenn es auf die Prüfungen zugeht, steigt der Lernaufwand merklich. Erfahrungsgemäß ist die deutsche Ausbildung aber sowohl im Hinblick auf den Zeitaufwand als auch auf den Schwierigkeitsgrad durch die intensive Vorbereitung in der Amtszeit und einer Vielzahl von Probeklausuren für die meisten Bewerber problemlos zu schaffen.

Zulassung in der Tasche – und was kommt jetzt?

Irgendwann kommt dann auch der Tag, an dem die Ausbildung ein Ende hat und es heißt: "Herzlichen Glückwunsch zur Zulassung".

Im Regelfall sollte zu diesem Zeitpunkt bereits die Entscheidung getroffen sein, in welcher Form man sich den Eintritt in das Berufsleben vorstellt. Die Optionen, die sich den meisten frisch vereidigten Patentanwälten bieten werden, sind neben der Tätigkeit in einem Unternehmen, die freie Mitarbeit in einer Patentanwaltskanzlei, die Gründung einer eigenen Kanzlei (gegebenenfalls zusammen mit Kollegen), die Festanstellung oder die Bürogemeinschaft. Hier gilt es wichtige (und richtige) Entscheidungen zu treffen. Der Einzelkämpfer, der seine eigene kleine Kanzlei aufbauen möchte, wird sich mit anderen Herausforderungen konfrontiert sehen als derjenige, der mittel- bis langfristig in eine Sozietät (z.B. als Partner) aufgenommen werden möchte. Letzterer wird gegebenenfalls zu klären haben, ob ihm seine Ausbildungskanzlei die entsprechenden Aufstiegsmöglichkeiten eröffnet. Sofern das der Fall ist, bietet sich eine engere Bindung als freier Mitarbeiter oder – wenn möglich – gar eine Festanstellung an. Andernfalls ist das vermutlich der beste Zeitpunkt, die Kanzlei zu wechseln.

Ich habe mich nach meiner Zulassung zunächst in Bürogemeinschaft mit meiner Ausbildungskanzlei organisiert mit der Option dort jederzeit als freier Mitarbeiter tätig werden zu können. So konnte ich bei überschaubarem Risiko, erste Erfahrungen mit selbständiger Arbeit als weitgehend ungebundener Patentanwalt sammeln, was mir sehr gut gefallen hat.

Die alltägliche Arbeit eines Patentanwalts

Ein "Alltag" mag einen Patentanwalt allenfalls in der IP-Abteilung eines Unternehmens erwarten. Insbesondere in kleineren Kanzleien, in denen die Anwälte das gesamte Gebiet des gewerblichen Rechtschutzes abdecken, gibt es ihn vielfach gar nicht. Nicht selten wird man mit Anfragen von Mandanten oder ausländischen Kollegen überrascht, die umgehend beantwortet werden müssen, was nicht immer trivial sein muss und daher mitunter ausführliche Literaturrecherchen in Kommentaren und Rechtsprechung nötig macht. Dabei kann der ursprünglich geplante Tagesablauf schon mal gehörig durcheinander kommen.

Natürlich fallen aber auch Routinearbeiten an. Dazu gehören üblicherweise die Kommentierung und Erledigung von Amtsbescheiden in Erteilungs- bzw. Eintragungsverfahren in Patent-, Marken-, und Gebrauchsmusterangelegenheiten, die Ausarbeitung von Anmeldungen und Schriftsätzen in Ein- und Widerspruchsverfahren, die Korrespondenz mit ausländischen Kollegen und mit den Vertretern Dritter. Tätigkeiten in Nichtigkeits- und Verletzungsverfahren sind dagegen insbesondere in kleineren Kanzleien eher die Ausnahme.

Fazit

Für alle diejenigen, die eine Alternative zur akademischen Karriere suchen, die die zusätzliche Ausbildung nicht scheuen und die sich gerne Herausforderungen stellen, ist der Beruf des Patentanwalts aus meiner Sicht eine attraktive Alternative. Die Arbeit ist alles andere als "staubtrocken" und erfordert Spaß am strategischen und analytischen Denken und eine sportliche Einstellung zum Argumentieren.

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