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Die Jagd nach den Nachwuchsbankern

Kollegen unterhalten sich im Büro [Quelle: pexels.com, Autor: iPrice Group]

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Fast alle Geldhäuser stocken die Einstiegsgehälter für junge Talente auf. Doch die Diskussion an der Wall Street um bessere Arbeitsbedingungen zeigt: Geld ist auch für Banker nicht mehr alles.

Es war noch nie so lukrativ, ein junger Banker in den USA zu sein. Gerade erst hat die Deutsche Bank die Gehälter für Einsteiger im Investmentbanking auf 100.000 Dollar Grundgehalt im ersten und 105.000 Dollar im zweiten Berufsjahr aufgestockt, wie es in Finanzkreisen heißt. Das entspricht einem Plus von jeweils 15.000 Dollar. Die Frankfurter wollen damit wieder konkurrenzfähig werden.

Denn eine ganze Reihe von US-Banken hat in den vergangenen Monaten die Gehälter für die jungen Investmentbanker, die an der Wall Street Analysten genannt werden, angehoben. Die Boutique-Investmentbank Houlihan Lokey legte sogar noch Einmalzahlungen von 10.000 Dollar obendrauf, und einige Mitarbeiter durften sogar auf Firmenkosten fünf Nächte in einem Luxushotel in der Karibik verbringen.

Der Konkurrent Jeffries dagegen spendiert seinen jungen Angestellten Peloton-Bikes und andere Fitnessgeräte. Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock kündigte Mitte Juli eine pauschale Gehaltserhöhung von acht Prozent für die Mitarbeiter unterhalb des Topmanagements an. Auch, um die jüngsten Preissteigerungen in den USA auszugleichen. Das jüngste Beispiel für den immer härteren Kampf um talentierte Nachwuchskräfte an der Wall Street liefert die Schweizer UBS.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg stockt das Geldhaus die Grundgehälter für Jungbanker ebenfalls auf 100.000 Dollar auf – und zieht damit gleich mit Wettbewerbern wie Deutsche Bank, Citi, Barclays oder JP Morgan. "Der Konkurrenzkampf ist so hart wie nie", räumte Jeremy Barnum, Finanzchef von JP Morgan vergangene Woche bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen ein. Die Institute kämpfen dabei nicht nur ums Geschäft, sondern auch um die besten Köpfe.

Doch den jungen Bankern geht es nicht allein um mehr Geld. Eine Präsentation von Goldman-Sachs-Analysten hatte die Diskussion um bessere Arbeitsbedingungen im März ins Rollen gebracht. Sie wiesen auf die "unmenschlichen und missbräuchlichen" Arbeitsbedingungen hin, denen sie sich mit 100 bis 120 gearbeiteten Stunden pro Woche ausgesetzt fühlen.

Exodus der Talente

Seitdem wird leidenschaftlich darüber diskutiert, ob die Wall Street ihre Arbeitsweisen grundlegend ändern muss, um einen Exodus an jungen Talenten zu verhindern. "Banken haben so reagiert, wie sie es gewohnt sind: Sie werfen einfach mehr Geld auf das Problem", lästert Wade Mason, ein ehemaliger Manager, der selbst die Wall Street verlassen hat. "Doch mehr Geld allein ist nicht die Lösung", ist er überzeugt. Banken sind überraschend gut durch die Pandemie gekommen, auch weil das Geschäft mit Börsengängen und dem Wertpapierhandel boomte.

Das führte jedoch zu besonders langen Arbeitszeiten. Seit Monaten wird überraschend offen über das Thema Burnout bei Bankern, aber auch bei Anwälten und Unternehmensberatern diskutiert. Die Pandemie hat ohnehin bei vielen Arbeitnehmern dazu geführt, dass sie genauer überlegen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen und wie viel Freiheiten sie brauchen.

Das starke Wirtschaftswachstum in den USA führt nun dazu, dass viele Mitarbeiter andere Angebote bekommen und diese auch annehmen. Zwischen März und Mai verließen so viele Arbeitnehmer freiwillig ihre Jobs in den USA wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das bekommt auch die Wall Street zu spüren. Bei der Deutschen Bank gilt die Erhöhung der Einstiegsgehälter im Investmentbanking erst einmal nur für das US-Geschäft.

In Deutschland wird die Entlohnung für Bankmitarbeiter derzeit auf eine sehr viel traditionellere Gehaltsplus für die Jungbanker der Deutschen Bank in den USA in etwa 18 Prozent entspricht, fordert die Gewerkschaft Verdi bei den aktuellen Tarifverhandlungen für die heimischen Banker unter anderem eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent, während sich der Deutsche Bankangestellten-Verband für ein Plus von 4,8 Prozent stark macht. Die Arbeitgeber haben die Forderungen der Gewerkschaften bereits vor Verhandlungsbeginn als unrealistisch zurückgewiesen.

Angesichts der angespannten Lage in der Branche sei "strikte Kostendisziplin" erforderlich. An der Wall Street haben junge Banker auch deshalb mehr Verhandlungsmacht, weil ihnen heute viel mehr Karrieremöglichkeiten als früheren Generationen offen stehen. Private-Equity-Firmen, Risikokapitalfonds, Technologie- und Fintech-Unternehmen stellen gern Finanzexperten ein und sind ebenfalls dringend auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Das macht es einfacher für Uni-Absolventen, ihre Jobs bei Banken früher zu verlassen.

Lange Zeit war es üblich, die ersten zwei Berufsjahre bei Banken zu absolvieren, um danach zu anderen Arbeitgebern zu wechseln. Das sei heute nicht mehr nötig, wie ein Headhunter bestätigt. Das Thema Arbeitszeiten werde für junge Talente immer wichtiger. Zwar werde auch in der Tech-Branche hart gearbeitet. Insgesamt jedoch sei das Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit besser als an der Wall Street. Hinzu kommen ein lockererer Dresscode und die Bereitschaft der Arbeitgeber, mehr Heimarbeit zuzulassen. Und dank hoher Bewertungen von Start-ups und steigender Aktienkurse kann die Arbeit bei den jungen aufstrebenden Firmen mindestens so lukrativ sein wie in der klassischen Finanzwelt

Ausgebrannte Jungbanker

Doch nicht viele Bankmanager sind offenbar bereit, das alte, eingespielte System aufzubrechen, das sie selbst durchlaufen haben. Schon in den 80er-Jahren war die Wall Street für ihre brutalen Arbeitszeiten berüchtigt. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Bemühungen, die Lage gerade für junge Banker zu verbessern. 2013 starb ein 21-jähriger Praktikant der Bank of America in London an einem epileptischen Anfall. Er hatte 72 Stunden durchgearbeitet. Daraufhin empfahl die Bank, dass sich junge Mitarbeiter mindestens vier freie Wochenendtage im Monat genehmigen.

Goldman Sachs führte für Praktikanten eine Obergrenze von 17 Arbeitsstunden pro Tag ein. Zwei Jahre später führten die Selbstmorde von zwei jungen Bankern in den USA zu einer neuen Welle solcher Ankündigungen. Doch nachhaltig verändert hat sich bislang nichts. Der Chef der Investmentbank Cantor Fitzgerald, Howard Lutnick, bekräftigte Anfang Juli noch seine traditionelle Haltung: "Junge Banker, die glauben, dass sie zu hart arbeiten, sollten einen anderen Beruf wählen." Auch die Chefin der Vermögensverwaltung von JP Morgan Chase, Mary Callahan Erdoes, sieht keinen Bedarf, von der alten Schule abzuweichen.

"Wenn man glaubt, dass man 10.000 Stunden braucht, bis man ein Feld wirklich beherrscht, dann dauert es ungefähr fünf Jahre, wenn man täglich acht Stunden, fünf Tage die Woche arbeitet", sagte sie Anfang der Woche in einem Podcast. "An der Wall Street sind es jedoch eher zwölf Stunden pro Tag, sechs Tage die Woche. Dann meistert man sein Gebiet schon nach ungefähr zweieinhalb Jahren." Dabei könnte sich durchaus etwas ändern, sagen Kritiker wie Mason.

Zu häufig komme es vor, dass junge Banker unnötig lange arbeiten und ungenaue Arbeitsanweisungen erhalten. "Oft sind Vorgesetzte nicht bereit, ihren eigenen Tag besser zu planen, um die Freizeit und das Wochenende ihrer jungen Teammitglieder zu respektieren." Das könnte nach und nach den Ruf der Wall Street als attraktive Arbeitgeber ruinieren.

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