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Plötzlich reich

Mann hält Präsentation bei Start-up-Meeting [Quelle: Pexels.com, RODNAE Productions]

Quelle: Pexels.com, RODNAE Productions

Wer ein Unternehmen gründet, muss sich gerade in den Anfangsjahren oft sehr einschränken. Ist das Start-up erfolgreich, verspricht ein Verkauf auf einmal Millionen. Was machen die Gründer mit dem vielen Geld?

Das Shelter Café liegt mitten in Thimphu, der Hauptstadt von Bhutan. Gemütliche Sofas, gedimmtes Licht und Leseecken bringen Wohnzimmercharme. Burger, Lunch und Kaffee laden zum Verweilen ein. Mitfinanziert hat es ein deutscher Tourist, den es während seiner Weltreise nach Bhutan verschlägt. Als sein Guide ihm von seinem Traum vom eigenen Café erzählt, zögert Robin Haak nicht lange. Er sichert dem Touristenführer finanzielle Unterstützung zu. "Probiere, Gutes zu tun" ist in Sachen Geldanlage eines seiner wichtigsten Mottos.

Den Wunsch des Guides nach Selbstständigkeit kann Haak sehr gut nachfühlen. 2014 hat er Jobspotting mitgegründet, ein Onlineportal für die personalisierte Jobsuche. Mittels Datenanalyse und künstlicher Intelligenz präsentiert die Plattform Bewerbern passende Jobangebote. Haak kümmert sich vor allem um Finanzen, Marketing und Vertrieb. Das funktioniert. Schnell hat Jobspotting mehr als drei Millionen Nutzer und rund 20 Mitarbeiter. Nach weniger als drei Jahren fusioniert das Unternehmen mit dem US-Pendant SmartRecruiters, Ende 2019 zieht Haak sich operativ zurück und erfüllt sich seinen Lebenstraum: die Weltreise.

Einmal Gründer, immer Gründer

Gründer müssen sich oft lange einschränken. Gerade am Anfang fahren viele 80-Stunden-Wochen, wohnen aber im WG-Zimmer und zahlen sich ein Gehalt auf Mindestlohnniveau. Ersparnisse stecken sie in den Aufbau des eigenen Unternehmens. Mit dem Verkauf, auch Exit genannt, ändert sich das schlagartig. Plötzlich kommt viel Geld aufs Konto, ähnlich wie bei einem Lottogewinn – nur nicht ganz so überraschend.

Prominente Exit-Beispiele illustrieren, was möglich ist: So wurde etwa das Getränke-bring-Start-up Flaschenpost im vergangenen Jahr für eine Milliarde Euro an den Bielefelder Lebensmittelriesen Dr. Oetker verkauft. Die Gründer des Gewürzanbieters Ankerkraut, eines der Start-ups aus der Gründer-Sendung "Die Höhle der Löwen", verkauften 2020 ein Fünftel ihrer Anteile für eine zweistellige Millionensumme.

Plötzlich reich? Die wenigsten Gründer tun nach einem Exit nichts mehr, machen sich mit teuren Autos und Immobilien auf der ganzen Welt ein schönes Leben im Luxus – selbst wenn sie es könnten. "Die meisten gründen nicht des Geldes wegen", behauptet Thomas Reck. Mit seiner eigenen Firma Insight Consulting kümmert er sich um die Eigenvermarktung von Chefs und Gründern – und verfolgt deren Werdegang. Gründer würden nach dem Exit entweder oft erneut gründen oder anderen Start-ups als Mentor und Investor helfen.

Knapp 47 Prozent aller Gründer in Deutschland haben vor ihrem aktuellen Unternehmen schon mal ein anderes gegründet, zeigt der jüngste Deutsche Startup Monitor. Eine Untersuchung aus der Schweiz ergibt, dass 30 Prozent der Gründer nach dem Exit weiterhin operativ in einem anderen Unternehmen arbeiten, 14 Prozent sind als Investor und neun Prozent als Berater für Start-ups tätig.

Einige müssen auch weiter arbeiten. Nicht jeder Exit macht automatisch reich. Schließlich kommt es darauf an, wer an dem Deal mitverdient. Müssen Kredite zurückgezahlt werden, kriegen Investoren ihren Teil vom Verkaufserlös, bleibt für die Gründer manchmal nicht so viel übrig, wie es auf den ersten Blick scheint.

Die, die erfolgreich waren, sprechen oft nicht gern übers Geld – schon, um keinen Neid aufkommen zu lassen. Trotzdem haben einige Einblicke in ihr neues Leben nach dem Unternehmensverkauf gewährt.

Auch Robin Haak musste sich zwischenzeitlich einschränken: "In den ersten drei Jahren nach der Gründung habe ich mir gerade mal den Mindestlohn gezahlt." Dabei hatte der Hannoveraner damals schon eine steile Karriere hinter sich. Für Axel Springer baut er den Accelerator Plug and Play auf und investiert in insgesamt 45 Start-ups, darunter die Berliner Fintechbank N26. Obwohl er als Jugendlicher noch vom Reichwerden als Investmentbanker träumt, wird er selber Gründer und startet Jobspotting.

Aus Geld macht er sich auch heute nicht viel, wohnt in einer kleinen Wohnung, fährt Moped und trifft sich mit seinen Freunden am liebsten in der Kneipe um die Ecke. Das meiste Geld steckt in Unternehmensbeteiligungen, vor allem in Smart Recruiters. "Wo könnte ich mein Geld besser anlegen als in der Firma, die ich selber mit aufgebaut habe?", fragt Haak. Gleichzeitig ist Haak beim Fonds GAIA Capital Partners eingestiegen, ist persönlich mit eigenem Geld investiert. Der Fonds investiert in junge, Erfolg versprechende Techunternehmen in der Wachstumsphase.

Alles für das Unternehmen

Haak sagt, er wolle etwas zurückgeben, gründet das Netzwerk Wo/men Inc, das Frauen in Führungspositionen verhelfen will. Investiere in das, was du verstehst, lautet sein Motto. Ein Teil seines Geldes steckt er in Unternehmen von Gründern, mit denen er teils schon zusammengearbeitet hat. "Nur wenn ich den Leuten vertraue, investiere ich." Auf einem Techfestival trifft Haak den Gründer der Kryptowährung Ethereum, hat selber diverse Kryptowährungen im Depot. Immobilien hat er, findet sie aber langweilig, "das macht im Zweifel keinen Spaß".

Lieber zockt er mit Freunden Aktien, "YOLO-Stocks", nennt Haak die Papiere (für "You only live once"). Aktien, die vor allem bei jungen Erwachsenen beliebt sind, Geschäftsmodelle, die ihnen das Du-lebst-nur-einmal-Gefühl vermitteln. Auch bei der Rally um den US-Computerspieleanbieter Gamestop war Haak dabei, mit Gewinn.

Mehr als Spielgeld setzt er für so etwas aber nicht ein. Er legt Wert auf eine gute Mischung im Portfolio, 15 Asset-Klassen sollten es schon sein.

Grafik WiWo-Artikel Ambitionierte Münchner [Quelle: WirtschaftsWoche, Autor: Deutscher Startup Monitor 2020]

Aus der Sicht von Martina Patzek macht Haak damit viel richtig. Wie andere Anleger auch sollten Gründer ihr Portfolio breit streuen, sagt die Betriebswirtin. Patzek leitet die Kölner Niederlassung der Quirin Privatbank, begleitet dort Unternehmer von der Gründung bis zum erfolgreichen Exit. Obwohl viele Gründer noch recht jung sind und noch Zeit haben, achtet die Bankerin darauf, dass sie rechtzeitig auch fürs Alter vorsorgen. Vor allem junge Unternehmer, sagt Patzek, seien zu Recht sehr stolz auf den stets steigenden Wert ihres Unternehmens. "Einige vergessen dann, auch mal einen Teil des Vermögens für die eigenen Reserven aus dem Unternehmen herauszunehmen." Stattdessen würde immer alles reinvestiert.

Gerade am Anfang, wenn Gründer sich mit wenig begnügen, wenn sie wie Haak vom Mindestlohn leben, sei ein vernünftiger Businessplan wichtig, sagt Patzek. Jeder müsse durchrechnen, wie viel Geld zum Lebensunterhalt nötig sei. "Wer konservativ rechnet, kommt in der Regel gut durch die erste Durststrecke."

Viel Wert legt sie bei Gründern auch auf eine Vorsorgevollmacht. "Es muss einfach geklärt sein, wer einspringt, wenn man selber ausfällt." Auch die Frage, wer das Unternehmen übernimmt, sollte rechtzeitig überlegt werden. "Etwa zwei Jahre vor dem Verkauf sollten Unternehmer mit den Planungen anfangen", sagt Patzek. Es gelte nicht nur, einen guten Preis zu verhandeln. "Finanzierungen müssen abgelöst und steuerliche Aspekte geklärt werden."

Oft denken Gründer erst beim Exit an die Altersvorsorge. "Das Thema hat bei vielen Entrepreneuren erst Priorität, wenn es mal größere Einnahmen gibt", sagt Oliver Flaskämper, Gründer von Deutschlands erster Kryptohandelsplattform bitcoin.de. Der Rest gehe dann in neue Ideen und Projekte und nur wenig in den Konsum.

Geld sei für ihn immer nur Folgeerscheinung der Arbeit gewesen, sagt der Kryptounternehmer: "Mein Antrieb war immer die Liebe zur Freiheit, meine eigenen Ideen umsetzen zu können." Wer, wie wohl die meisten Unternehmer, so ticke, den könne Geld auch nicht negativ verändern. Diese Bescheidenheit mag man Flaskämper abnehmen. Angefangen hat er als Lkw-Fahrer, aber noch während der Ausbildung 1998 gründet er das Preisvergleichsportal Geizkragen, zahlreiche weitere Internet-Startups folgen. Sein wohl erfolgreichster Exit gelang Flaskämper beim Affiliate-Netzwerk Adbutler, 2008 verkauft er die Plattform für Onlinewerbung für mehrere Millionen Euro.

Grafik WiWo-Artikel Mit eigener Kohle [Quelle: WirtschaftsWoche, Autor: Deutscher Startup Monitor 2020]

Danach kann sich Flaskämper die rund 29 000 Euro, mit denen er sich 2011 die Rechte an den Domains Bitcoin.de und Bitcoins.de sichert, locker leisten. Das Investment hat sich gelohnt, mittlerweile ist die Kryptobörse, hinter der die börsennotierte Bitcoin Group steht, mit über 950 000 Kunden der größte Bitcoin-Marktplatz Europas. Flaskämper will weiter nach spannenden Ideen Ausschau halten und "dem Zauber des Anfangs frönen". Für Müßiggang fühle er sich – mit 48 Jahren – schlicht zu jung.

Kryptowährungen sind bei auffällig vielen Gründern beliebt. "90 Prozent meiner privaten Barmittel halte ich in dezentralen Währungen", sagt etwa Lars Müller, der mittlerweile auch beruflich auf Bitcoin setzt. Müller ist CEO beim börsengehandelten Cannabisunternehmen SynBiotic. Gerade erst hat die Münchner Firma bekannt gegeben, künftig einen Teil ihrer Barmittel in Bitcoin anlegen zu wollen, als Inflationsschutz.

Müllers Beispiel zeigt, wie es auch Gründer relativ schnell an die Börse schaffen. Denn hervorgegangen ist SynBiotic aus dem 2015 von Müller gegründeten Start-up Solidmind, zu dem mit Hempamed eine der wichtigsten Cannabismarken gehört. Im vergangenen Sommer wird Solidmind dann Teil der börsennotierten SynBiotic, die damals zwar noch eine leere Hülle ist, mit Christian Angermayer aber einen prominenten, wenn auch wegen früherer Aktienaktivitäten umstrittenen Investor und Förderer hat.

Die Kryptoliebe der Gründer In der Anfangszeit von Solidmind ist auch bei Müller das Budget knapp, aber mit dem Kapital aus vorherigen Exits, zum Beispiel dem Verkauf des Softwareunternehmens Zoom7, kann er die Zeit überbrücken. Er habe "das Geld genommen und in das nächste Unternehmen gesteckt", erzählt der Seriengründer, dunkelblonde Haare, grauer Hoodie, beim Videoanruf aus dem Homeoffice. Neben seinen Unternehmensanteilen investiert Müller zum Beispiel in ausgewählte Blockchainprojekte. Die Technologie der Blockchain – eine dezentrale, von vielen gemeinsam genutzte Datenbank – steht auch hinter Kryptowährungen, kann aber auch für andere Anwendungen eingesetzt werden.

Auf teure Autos oder sonstigen Schnickschnack lege er wenig Wert. "Es geht ja beim Gründen nicht ausschließlich ums Geld, sondern um die Projekte und den Prozess", sagt Müller. Wenige Gründer lebten nach ihrem Exit nur noch als Privatiers. "Die würden sterben, wenn sie nur noch auf der Veranda in der Sonne liegen."

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