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Wie rettest du die Welt?

Vorräte Lebensmittel Container Nachhaltig [Quelle: Unsplash.com, Autor: Laura Mitulla]

Quelle: Unsplash.com, Laura Mitulla

Zero Waste hat sich in den letzten Jahren zu einem großen Trend entwickelt. Das Ziel: Müll komplett zu vermeiden oder drastisch zu reduzieren. Doch was bedeutet Zero Waste genau? Und wie gelingt es dir, im Alltag weniger Abfall zu produzieren?

Ungefähr 228 Kilogramm pro Kopf – so viel Verpackungsmüll produziert jede:r Deutsche durchschnittlich im Jahr. Obendrauf kommen 55 Kilogramm Lebensmittel, die teilweise noch genieß- beziehungsweise verwertbar gewesen wären. Klingt schlimm? Ist es auch! Denn selbst bei ordnungsgemäßer Mülltrennung müssen viele Abfälle in Müllhalden gelagert und unter hohem Energieaufwand verbrannt werden.

Außerdem landen zahlreiche Verpackungen in unseren Meeren, bilden sogenannte Müllinseln und kosten jährlich tausende Tiere das Leben. Höchste Zeit also, um etwas an unserem Wegwerfverhalten zu ändern. Der Lebensstil Zero Waste schont nicht nur die Umwelt, sondern auch deinen Geldbeutel.

Was ist Zero Waste?

Zero Waste ist ein Lifestyle, das heißt, eine Art und Weise, wie du dein Leben führen möchtest. Zero-Waste-Anhänger:innen geht es darum, wenig oder gar keinen Müll zu produzieren. Dazu gehört vor allem, Verpackungen, Plastikmüll und Elektroschrott zu umgehen und wenn überhaupt nur recyclebaren Müll zu produzieren. Das Ziel: Materialverschwendung vermeiden und die Umwelt schonen.

Die Bewegung geht auf die Französin Bea Johnson zurück, die seit 2008 mit ihrer Familie nahezu müllfrei lebt. Johnson definiert fünf Grundsätze, die du beachten solltest, wenn du Zero Waste praktizieren möchtest:

  • Refuse: Kauf ausschließlich Dinge, die du wirklich benötigst und widerstehe dem Massenkonsum. Achte außerdem darauf, dass die gekauften Klamotten, Lebensmittel, Hygieneartikel und viele weitere Produkte nachhaltig hergestellt wurden und (im besten Fall) unverpackt verkauft werden.
  • Reduce: Reduziere die Gegenstände in deinem Haushalt und behalte ausschließlich das, was du wirklich brauchst. Gut erhaltene Klamotten oder Elektrogeräte lassen sich zum Beispiel sehr gut verkaufen, verschenken oder spenden.
  • Reuse: Dein Laptop hat den Geist aufgegeben? Bevor du dir ein neues Gerät zulegst, solltest du versuchen, den alten Laptop reparieren zu lassen. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Ressourcen. Außerdem lassen sich viele Gegenstände zweckentfremdet weiterverwenden. Ein altes Marmeladen- oder Gurkenglas lässt sich zum Beispiel wunderbar als Vorratsbehälter für andere Lebensmittel nutzen.   
  • Recycle: Alle Dinge, die du nicht hergeben oder wiederverwenden kannst, kannst du recyceln, um sie dem Wertstoffkreislauf zuzuführen.
  • Rot: Küchenabfälle, die nicht zur Weiterverarbeitung geeignet sind, solltest du kompostieren.

Plastik, die ungeahnte Gefahr

Als Plastik für die Masse erschwinglich wurde, waren die Menschen begeistert. Es ist leicht und unzerbrechlich – also sehr praktisch. Das ist zugleich der Vorteil und Nachteil an der Sache: Kunststoff ist nahezu unkaputtbar und verrottet extrem langsam. Hier ein paar Fakten und Zahlen, die dich vielleicht überraschen:

  • Zwar sinkt die Zahl der verbrauchten Einkaufstüten seit der Einführung der Bezahlpflicht in Deutschland, trotzdem werden jedes Jahr 1,7 Milliarden Plastiktüten verbraucht (Stand 2020); dabei hat jede dieser Tüten nach bereits durchschnittlich zwanzig Minuten ihre Schuldigkeit getan und wird entsorgt. Seit 1. Januar 2022 dürfen Händler keine Einkaufsplastiktüten mehr an Kund:innen herausgeben. Kleinere Beutel für Obst und Gemüse bleiben jedoch erlaubt.
  • Die Plastiktüte, die du gerade entsorgst, wird sich in den nächsten Jahrzehnten in kleinste Mikroplastikpartikel zersetzen und durch den Boden einen Weg in deine Nahrung finden. Richtig gehört! Der Mensch nimmt jeden Tag pro Mahlzeit mehr als 100 Plastikpartikel zu sich. Mögliche Folgen: Immunschwächen, Impotenz, Krebs und Einflüsse auf das Gehirn.
  • Deutschland exportierte im Jahr 2020 ungefähr eine Million Tonnen Plastikmüll ins Ausland. Damit sind wir trauriger Spitzenreiter im europäischen Vergleich.
  • Lediglich 15,6 Prozent des Kunststoffabfalls werden in Deutschland recycelt, so die Heinrich Böll Stiftung. Den größten Anteil am Plastikmüll machen Einwegprodukte und Verpackungen aus.
  • Jedes Jahr sterben laut NABU rund eine Million Seevögel und 135.000 Meeressäuger an Plastik. Die Tiere unterscheiden das Plastik nicht von ihrer Nahrung, nehmen es zu sich und können mit dem dadurch verstopften Magen keine weitere Nahrung aufnehmen. So verhungern die Meeressäuger auf qualvolle Weise.
  • In manchen Gebieten unserer Meere gibt es sechsmal mehr Plastik als Plankton.
  • Eine Plastikflasche braucht 450 Jahre, um zu verrotten.

Tipps für den Alltag: So kannst du deinen Müll reduzieren

Du findest, es ist Zeit, etwas zu ändern? Der erste Schritt ist, das eigentliche Problem zu identifizieren. Geh also zu deinem Mülleimer und sieh nach, wo du wie viel Müll produzierst. Bei manchen Müllsorten ist die Lösung ganz einfach:

  • Organischer Abfall: Kompostiere! Wenn du keinen Garten hast, kannst du dir eine Wurmkiste für deine Küche oder deinen Balkon zulegen. Das Beste daran: Bei der Kompostierung in der Kiste entsteht nahrhafter Dünger, den du für deine Zimmerpflanzen verwenden kannst.
  • Plastikflaschen: Besorg dir eine wiederverwendbare Trinkflasche aus Glas oder Edelstahl. Trinkst du gerne Tee, kannst du dir einen Thermobecher zulegen. Diese nachhaltigen Alternativen kosten meist nicht mehr als 10 Euro und halten dein Getränk zudem schön kalt oder warm.
  • Plastikbeutel: Eine Alternative sind Jutebeutel; die sind nicht nur robuster, sondern auch angenehmer auf der Schulter.
  • Wattestäbchen: Statt Wattestäbchen aus Papier kannst du die kompostierbare Alternative aus Bambus und Baumwolle verwenden. Oder du greifst auf wiederverwendbare Wattestäbchen zurück. Diese gibt es mittlerweile sogar im Drogeriemarkt zu kaufen. 
  • Butterbrotpapier, Alu- und Frischhaltefolie: Wachstücher sind eine gute Alternative, um Lebensmittel frisch zu halten und offene Gefäße abzudecken. Die Tücher kannst du in Drogeriemärkten kaufen oder einfach selber machen.
  • Tampons/Binden: Eine gute Alternative sind Menstruationstassen. Sie schonen die Umwelt und deinen Geldbeutel: Eine Tasse kostet rund 15 Euro und hält bei richtiger Pflege bis zu zehn Jahre. Zum Vergleich: Tampons kosten dich monatlich circa drei Euro. Deine Ersparnis innerhalb von zehn Jahren liegt also bei 345 Euro. Alternativ bietet sich auch ein Menstruationsschwamm an. Der Naturschwamm lässt sich wie ein Tampon verwenden, du kannst ihn einfach mit Wasser auswaschen. Mit einem Preis von etwa 5 Euro entlastet der Schwamm zudem dein Portemonnaie.  
  • Seifenspender: Stückseife ist nicht nur sehr abfallfreundlich, sondern auch sanfter zu deiner Haut. Außerdem lässt sie sich relativ einfach selbst herstellen.
  • Zahnbürsten: Bambusbürsten oder Holzzahnbürsten sind eine beliebte Zero-Waste-Alternative zu den Plastikbürsten.
  • Verpackte Lebensmittel: In vielen Großstädten kannst du Lebensmittel in Zero-Waste-Läden mit wenig oder keiner Verpackung kaufen. Solche Läden sind zum Beispiel "Original unverpackt", "Glücklich unverpackt", "Einfach unverpackt" und "gramm.genau". Du musst dabei nur beachten, dass du Einmachgläser für Flüssigkeiten, Nüsse und Mehl mitbringst, sowie Jutebeutel in verschiedenen Größen für Obst und Gemüse. Falls du Wurst und Käse in deinem Supermarkt an der Theke kaufst, bring das nächste Mal einfach eine Dose mit. Und auch für Obst und Gemüse musst du nicht die Plastik- oder Papiertüte deines Supermarkts verwenden. Bring einfach dein eigenes Einkaufsnetz mit und transportiere deine Lebensmittel darin.
  • Kleidung: Wenn du Kleidung verkaufst oder spendest und neue Kleidung im Second-Hand-Shop einkaufst, verbrauchst du nicht mehr, als eh schon im Umlauf ist. Das ist außerdem noch gut für deine Finanzen.

Zero-Waste-Produkte selber machen

Generell gilt bei Zero Waste: Was du nicht gut ohne Abfall kaufen kannst, solltest du selbst herstellen. Ein DIY-Shampoo oder -Deo ist zum Beispiel viel einfacher gemacht, als du vielleicht denkst. Hier ist ein einfaches Rezept für ein Deo:

  • 4 EL Kokosöl
  • 4 EL Speisestärke
  • 4 EL Natron
  • ein paar Tropfen ätherischer Öle

Lass das Kokosöl schmelzen und vermische Natron und Speisestärke in einer Schüssel. Gib anschließend das Kokosöl dazu, bis du eine homogene Masse hast. Nach Belieben kannst du zu der Masse noch einige Tropfen eines ätherischen Öls hinzufügen. Dein Deo füllst du dann einfach in ein altes Marmeladenglas und lässt es im Kühlschrank aushärten. Noch ein Hinweis: Jeder Mensch ist unterschiedlich, und nicht jedes Deo ist ideal für jeden. Also probiere ruhig ein paar verschiedene Rezepte aus, bis du dein perfektes Deo gefunden hast.

Auch Seifen, Peelings, Cremes oder Wachstücher kannst du ganz einfach selbst herstellen. Das ist nicht nur nachhaltig und vermeidet Müll, sondern macht auch noch Spaß. Besonders viele gute Rezepte mit Videoanleitung findest du beispielsweise auf dem YouTube-Kanal trashisfortossers.

Und was kostet Zero Waste?

Auf die Frage, ob Zero Waste generell günstiger ist, als normal einzukaufen, gibt es keine kein klares Ja oder Nein. Was jedoch sicher ist: Das Konzept schärft dein Bewusstsein grundlegend für (unnötigen) Konsum. Vielleicht denkst du beim nächsten Shopping-Ausflug also nicht nur daran, dir einen Rucksack oder Tüten von zu Hause mitzunehmen, sondern auch, dass dein Kleiderschrank möglicherweise schon voll genug ist.

Aluminium- oder Blechschüsseln kosten ähnlich viel wie Plastikschüsseln und sind dazu noch hygienischer, denn mit der Zeit kann das Plastik in deine Nahrung gelangen. Das gilt auch für Plastikwasserflaschen. Bonus: Du musst keine schweren Kästen oder Packs mehr schleppen. Wer Kohlensäure bevorzugt, ist mit einem Wassersprudler gut bedient – die gibt es schon ab circa 70 Euro.

Beim Lebensmitteleinkauf ist es etwas komplizierter. Vermutlich werden deine Kosten in den ersten paar Monaten steigen, da du in Aufbewahrungsbehälter investieren und dir gegebenenfalls einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln einmachen und einfrieren musst. Außerdem ist Obst und Gemüse auf dem Markt und in Zero-Waste-Shops etwas teurer, dafür aber auch meist mit Bio-Qualität ausgezeichnet.

Auch Einwegprodukte wie Küchenrollen und Wattepads gehen langfristig ins Geld. Hier sparst du, indem du diese durch Waschtücher und Mikrofasertücher ersetzt, die du nicht entsorgen musst, sondern einfach waschen kannst. Wenn du einige Kosmetika selbst herstellst, vermeidest du nicht nur Müll und aggressive Chemikalien, sondern auch hohe Kosten. Die Antwort, ob Zero Waste günstiger ist, hängt also ganz davon ab, wie du den Lifestyle umsetzt. Kurzfristig steigen vielleicht die Kosten, aber langfristig zahlt es sich aus.

Wichtig ist, dass du nicht das Gefühl hast, dein Leben komplett umstellen zu müssen. Versuch, Schritt für Schritt kleinere Veränderungen in deinen Alltag zu integrieren und du wirst merken, dass es dir mit der Zeit immer leichter fällt. Und wer weiß, vielleicht hast du Zero Waste nach einem Jahr bereits so verinnerlicht, dass du dir ein Leben zwischen Altglas, Wattestäbchen und Küchentüchern gar nicht mehr vorstellen kannst.

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