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Bewerbung, Bewerbungsgespräch, Begrüßung [Quelle: pixabay.com, Autor: Sue Styles]

Quelle: pixabay.com, Sue Styles 

Manche Aussagen von Bewerbern bleiben bei Recruitern im positiven Sinne hängen. Welche sind das? Sieben Personaler berichten.

"Was ist Ihre größte Stärke? Warum bewerben Sie sich auf diese Stelle?" Fragen wie diese zählen zu den Klassikern im Vorstellungsgespräch. Da ist es aus Bewerbersicht gar nicht so einfach, einen besonders originellen Eindruck zu erwecken. Und doch gibt es in manchen Gesprächen Aha-Momente oder prägnante Kandidaten-Antworten, nach denen das Recruiting-Team weiß: Diese Person sollten wir einstellen.

Bloß: Mit welchen Antworten lassen sich Personaler ganz konkret beeindrucken und überzeugen? Das haben uns Recruiterinnen und Recruiter von Unternehmen wie Google, Microsoft und SAP verraten. Und auch Personaler kleinerer Firmen berichten von ihren positiven Interview-Momenten. Aus den Protokollen können Bewerber lernen, wie sie schon im Vorstellungsgespräch Lernwilligkeit, Engagement und Kreativität ausstrahlen.

Hartnäckigkeit 

Ich habe mich schon dreimal hier beworben

Diana Gajic ist Recruiterin bei SAP Deutschland.

Vor einigen Jahren – ich arbeitete damals noch in einem anderen Konzern – saß ich einem Mann Mitte 40 gegenüber, einem Finanzexperten. Gleich zu Beginn des Gesprächs erklärte er: "Ich habe mich schon dreimal hier beworben – und leider immer eine Absage bekommen." Ich war beeindruckt. Dass er das sagte, deutete für mich auf so viel Gutes hin. Er war offensichtlich resilient, denn so viele Absagen hintereinander tun ja weh. Er musste außerdem ein positives Mindset haben, wenn er sich von seinen Fehlversuchen nicht hatte unterkriegen lassen. Und ganz generell imponieren mir einfach Menschen, die immer wieder aufstehen und sich sagen: "Nächster Versuch." Zwischen seiner ersten und vierten Bewerbung lagen etwa anderthalb Jahre, immer hatte aus Unternehmenssicht etwas an seinem Profil nicht gestimmt. Doch jetzt hatte der Mann sich so weit fortgebildet und weiterentwickelt, dass es zwischen ihm und dem Konzern besser passte.

Ich sah ihn in unserem Gespräch zum ersten Mal. Für mich gab vor allem eines den Ausschlag für meine Zusage: seine Hartnäckigkeit. Ich spürte einfach, dass er unbedingt für uns arbeiten wollte.

Lernwille

Da kann ich dran arbeiten 

Carolin Ochsendorf ist Recruiterin bei Google in Hamburg

Ich hatte einmal einen Bewerber, der nicht so gut Englisch sprach. Jobinterviews finden bei Google grundsätzlich auf Englisch statt. Entsprechend ist die Person wegen ihrer Sprachkenntnisse leider bei uns auch nicht weitergekommen.
Der Kandidat hat es supercool aufgenommen und meinte: "Danke, dass Sie so ehrlich zu mir sind, da kann ich dran arbeiten." Wir haben dann gemeinsam diskutiert, wie er seine Sprachkenntnisse schnellstmöglich in Form bringen kann. Spontane Ideen waren: einen Englischkurs besuchen, Filme und Serien auf Englisch schauen, englischsprachige Bücher lesen, Kaffee-Verabredungen mit Bekannten auf Englisch.

Diese Einstellung, sich davon nicht abschrecken zu lassen, sondern das Feedback sofort konstruktiv umzusetzen, fand ich super, und sie zeigt Charakter. Wir sind nach wie vor in Kontakt mit dem Bewerber, daher weiß ich, dass es da vorangeht. Ich freue mich jetzt schon darauf, diese Person hoffentlich bald einstellen zu können – es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir die richtige Position wieder vakant haben.

Mut

Kann ich einen 60-Sekunden-Pitch machen?

Kai Bogner ist Recruiter beim HR-Tech-Unternehmen Talentsconnect

Als Recruiter habe ich schon mehrere Hundert Gespräche geführt, die – wenn wir ehrlich sind – meist nach dem gleichen Schema ablaufen: ein lockerer Gesprächseinstieg, die Motivation des Kandidaten ergründen, beidseitige Fragen zur Kultur und zum Job klären, sich freundlich verabschieden.

Eine Kandidatin aber hat mich wirklich überrascht. Sie schlug mir nach den ersten zehn Minuten vor: "Kann ich einen 60-Sekunden-Pitch machen, warum ich glaube, dass ihr, der Job und ich perfekt zusammenpassen? Und dann machst du das Gleiche?" "Wow", dachte ich. Ich war wirklich beeindruckt. Dieser Vorschlag hat für mich gleich mehrere wichtige Dinge verbunden: Proaktivität, Selbstsicherheit, Motivation, Mut, Ideenreichtum, Charakter- und Kommunikationsstärke. Gleichzeitig hat sie damit auch von uns – ihrem potenziellen neuen Arbeitgeber – Engagement eingefordert. Das fand ich sehr clever. Was sie dann in den 60 Sekunden erzählte, war quasi eine Beweisführung, warum sie tatsächlich die perfekte Kandidatin war. Nach dem Kennenlernen mit dem Team gab es eine Zusage – von beiden Seiten.

Interesse

Ich habe ein paar eurer Mitarbeiter angeschrieben

Elise Müller ist Personalchefin beim Softwareunternehmen Spryker.

Wir bei Spryker konkurrieren mit den ganz großen Tech-Unternehmen um Talente. Die Kandidatinnen und Kandidaten, die wir für uns gewinnen wollen, haben die Wahl aus vielen attraktiven Jobangeboten. Wenn ich dann im Gespräch merke, dass jemand trotz dieser vielen Optionen ehrliches Interesse an uns hat, freut mich das immer besonders.

Zuletzt habe ich das bei einer Kollegin erlebt, die dann in meinem Team angefangen hat. Sie erzählte im Jobinterview: "Ich habe über LinkedIn ein paar eurer Mitarbeiter angeschrieben und die haben all das Positive bestätigt, das ich vorher gehört hatte." Ich fand das toll: Da hatte sich jemand richtig Mühe gemacht, unser Unternehmen zu verstehen. Wir wünschen uns ja, dass Talente wirklich zu uns wollen – wer so einen Aufwand betreibt, beweist das. Außerdem hat der Satz mir gezeigt, dass wir Talenten ganz offensichtlich nicht bloß wolkige Versprechungen machen, die einem Realitätsabgleich nicht standhalten. Im Gegenteil. Das war eine schöne Bestätigung meiner Arbeit.

Ehrlichkeit 

Ich verkleide oder verstecke mich nicht für den Job

Marcel Rütten ist Recruitingchef beim Verpackungsunternehmen Paccor.

Für mich spielt ein authentisches und konsistentes Verhalten im Bewerbungsgespräch eine besondere Rolle. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine überdurchschnittlich tätowierte Kandidatin, die in einem gemeinsamen Interview für eine Stelle in der Kommunikationsabteilung auf eine eher konservative Vorgesetzte getroffen ist.

Die Kollegin fragte die Kandidatin, ob es für Sie je nach Anlass auch denkbar wäre, die Tätowierungen so weit zu bedecken, dass sie niemand mehr sehen könne. Die Kandidatin antwortete, dass sie ihr Auftreten natürlich jederzeit der Zielgruppe, dem Anlass oder der Situation entsprechend anpassen könne. Sie machte allerdings ebenso klar, dass es für sie keinerlei Option wäre, sich für den Job zu verkleiden oder zu verstecken.

Dasselbe gelte auch für ihre direkte Art, Feedback zu kommunizieren oder Themen anzusprechen, bei denen sie Verbesserungsbedarf sehe. Für sie sei ein ehrliches und authentisches Auftreten im Hinblick auf ein Team, das Höchstleistung abrufen will, wichtiger, als sich und ihre Persönlichkeit zu verstecken.

Aus meiner Perspektive hat sie mit dieser Argumentation genau die Klarheit mitgebracht, die es braucht, um Irritationen oder sogar Störungen im Team oder mit Vorgesetzten zu vermeiden, ohne sich selbst dabei zu verbiegen. Unabhängig davon, dass wir mit dem Zeitgeist von heute eine solche Diskussion gar nicht mehr führen bräuchten, hat mir ihre Aussage sehr imponiert.

Demut

Ich weiß es noch nicht, aber ich werde es mir anschauen

Rene Schemschat ist Leitender Recruiter bei Microsoft Deutschland.

Ich erinnere mich, dass wir eine Bewerberin ablehnen wollten, die sich als Quereinsteigerin per One-Click-Bewerbung bei uns beworben hat. Ihr Profil war kaum aussagekräftig, auch die Kenntnisse für die gesuchte Stelle schienen überschaubar.
Im Bewerbungsprozess achten wir darauf, ob jemand ein sogenanntes Growth-Mindset mitbringt. Das heißt: Wir goutieren Lernwilligkeit und den Wunsch, sich verbessern zu wollen. Dann ist es auch in Ordnung, wenn jemand noch nicht alle Fähigkeiten für einen Job mitbringt. Es geht darum, dass die Ansätze da sein müssen, um sie bei uns weiterzuentwickeln.

Genau das wollten wir bei dieser Bewerberin herausfinden – auch wenn ihre in der Bewerbung beschriebenen Kenntnisse gerade an der Grenze waren, um eingeladen zu werden. Auf einige Fragen im Vorgespräch gestand sie: "Ich weiß es noch nicht, aber ich werde es mir anschauen." Diese Haltung spiegelte sich dann auch im Gespräch wider: Sie hat sich nichts aus den Fingern gesogen, war offen und ehrlich und vor allem wissbegierig. Das fiel positiv auf. Und es hat sich bestätigt: Im Assessment-Center war sie mit Abstand die Beste. Es waren aber nicht die technischen Skills, sondern ihr Mindset, ihre Vorbereitung und die Art, wie sie sich alleine im Prozess weiterentwickelt hat. Ihr Potenzial und ihr Willen haben das Team begeistert.

Neugierde

Wie würdest du eure Werte beschreiben?

Julia Carloff-Winkelmann ist Personalchefin beim E-Mobility-Start-up Dance.

Wenn ich an einprägsame Sätze von Bewerberinnen oder Bewerbern denke, dann fallen mir zuerst Fragen ein. Eine Mitarbeiterin, die heute in meinem Team arbeitet, wollte im Vorstellungsgespräch wissen: "Wie würdest du eure Werte und Kultur beschreiben?" Ihre Frage fand ich super, weil ich selbst sehr stark von Werten getrieben bin. Einer davon ist Nachhaltigkeit. Bei Dance habe ich vor zwei Jahren angefangen, weil mich die Mission des Gründerteams überzeugte: Sie wollen Städte lebenswerter machen, indem sie Menschen dabei helfen, vom Auto auf andere, platzsparende Fortbewegungsmöglichkeiten umzusteigen.

Generell finde ich, dass es immer ein gutes Zeichen ist, ob dein Gegenüber dir Fragen stellt, also an dir interessiert ist. Das gilt übrigens nicht nur für Vorstellungsgespräche. Mein erstes Date mit meinem heutigen Ehemann habe ich als Katastrophe in Erinnerung, weil er den ganzen Abend nur von sich gesprochen und mir keine einzige Frage gestellt hat. Heute, fast zwanzig Jahre später, weiß ich: Er ist nur so aufgetreten, weil er nervös war.

Damit mir so etwas mit Bewerberinnen und Bewerbern nicht passiert, schicke ich ihnen meine Themen gern schon vor dem Jobinterview. Das lindert ihre Nervosität und schafft eine angenehmere Gesprächsatmosphäre.

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