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Wie man schlechte Hausarbeiten schreibt

Schreiben Bleistift Papier Hausarbeit Zitat Philosophie Heidegger [Quelle: Pixabay/Devanath & e-fellows.net]

Quelle: Pixabay/Devanath & e-fellows.net/lwirag

Was zeichnet eine gute Hausarbeit aus? Klare Argumente, neue Gedanken, verständlicher Stil? Von wegen. Wer es heute zum Bachelor bringen will, braucht ein gutes Fremdwörterlexikon. Und den Mut, Sätze zu formulieren, die hoffentlich wenigstens der Dozent versteht. Unser Schreibratgeber hilft.

Akademisches Schreiben ist schwer. Dabei gibt es bibliothekenweise Ratgeber, dicker als Doktorarbeiten. Es gibt Handouts, die unverständliche Zitierweisen noch unverständlicher erklären. Es gibt Tipps, die sich von Sprechstunde zu Sprechstunde neu widersprechen.

Viele dieser Ratschläge lauten: Schreiben Sie verständlich, halten Sie Ihre Gedanken einfach, nutzen Sie eine möglichst klare Ausdrucksweise. Natürlich weiß jeder Erstsemester, dass man so keine Einsen schreibt. In der Welt der Wissenschaft haben erst emeritierte Professoren das Recht, sich klar auszudrücken (oft zum ersten Mal in ihrem Leben).

Wer wirklich an der Spitze mitkritzeln will, muss anders an die Sache herangehen. Er braucht dazu nur diesen endgültigen Ratgeber für akademisches Schreiben.

1. Gliederungspunkte brauchen Unterpunkte

1.1 Die Unterpunkte brauchen, die Unterpunkte brauchen

Akademisches Schreiben beginnt schon bei der Gliederung. Lassen Sie sich nicht in die Falle mangelnder Komplexität locken. Jeder Gliederungspunkt verlangt einen Unterpunkt. Jeder Unterpunkt verlangt einen weiteren Unterpunkt. Kommen Sie vom Stöckchen aufs Hölzchen, vergessen Sie den Umweg übers Ästchen nicht und erklären Sie am besten nochs Blättchen. Übergenauigkeit und Umständlichkeit sind schließlich akademische Primärtugenden.

2. Substantive. Hauptwörter. Nomina

Verben sind für Anfänger, Substantive der Königsweg. Substantivieren Sie grundsätzlich jedes Verb. Ersetzen Sie zusätzlich alle gebräuchlichen Substantive durch Synonyme, die wissenschaftlicher klingen. Schließlich ist idealiter die Historizität ihrer Messung des objektivierten Seins bzw. der Seinssphären des In-der-Welt-Seins (Heidegger) als Verbalisierung innerhalb der erforschten Faktizität schon bei Platon gegeben.

3. Release the Satzkraken!

Es gibt Sätze, die galoppieren von Anfang bis Ende wie ein ausgeruhtes Pferd. Dann wieder gibt es Sätze, die von ihrem Zentrum aus in alle Richtungen wuchern und ihre Nebensätze und Einschübe verknoten wie eine betrunkene Krake ihre Tentakel. Lassen Sie Ihre innere Satzkrake frei.

Nutzen Sie dazu alle Satzzeichen, die die deutsche Sprache hergibt: Semikolons, Doppelpunkte, Gedankenstriche, eckige Klammern, Interrobangs. Schließlich kann man Ihre hochkomplexen Gedanken kaum in einfachen Sätzen ausdrücken. Bonus: Satzkraken wirken geheimnisvoll und geben – wenn entwirrt – dem Leser das Gefühl, etwas geleistet zu haben.

4. Lassen Sie Fußnoten wuchern

Fußnoten sind die versteckten Zahnräder akademischer Literatur. Sie können sie für die Quellenangaben Ihrer Zitate nutzen. Wahre Profis aber verstecken darin lange Textpassagen, die ebensogut in den Hauptext gepasst hätten. Die Möglichkeiten sind unendlich: Schreiben Sie Fußnoten, die über mehrere Seiten gehen; geben Sie Fußnoten weitere Fußfußnoten; setzen Sie sie nicht ans Ende der Seite, sondern ans Ende des Textes! Jede Fußnote durchbricht die langweilige Linearität Ihrer Arbeit und gibt Ihnen den nötigen Anschein profunder Belesenheit.

5. Nutzen Sie niemals übersetzte Zitate

Unterschätzen Sie Ihre Leser nicht: Statt einfach die Übersetzung eines Zitats zu nutzen, belassen Sie es in der Originalsprache. Auch, wenn Sie selbst nur die deutsche Fassung vorliegen haben und den Originalwortlaut mühsam ergoogeln müssen. Ihre Leser werden begeistert sein, endlich ihre Fremdsprachenkenntnisse anwenden zu können. Und ganz ehrlich: Wer nicht Englisch, Französisch, Slowenisch, Altgriechisch und Dothraki flüssig liest, ist es auch nicht wert, Ihre Arbeit zu verstehen.

6. Fachbegriffe, Fachbegriffe, Fachbegriffe

Sorgen Sie dafür, dass Sie nur von den Menschen verstanden werden können, von denen Sie auch verstanden werden wollen. Nutzen Sie intensiv das Fachvokabular Ihrer Disziplin. Definieren Sie Termini auf keinen Fall, das wirkt unprofessionell. Musterbeispiel: Wer eine nicht für sich bestimmte, quaderförmige Ausschachtung in der Pedosphäre vornimmt, wird sich deren Sohlbereich unter Einfluss der Gravitation nähern. Oder für Nicht-Geosophen: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

7. Erfinden Sie eigene Wörter

Wenn Sie in der Profiliga des akademischen Schreibens spielen wollen, müssen Sie allen klarmachen, dass Ihre Gedanken neu und bahnbrechend sind. Am einfachsten erreichen Sie das, indem Sie neue Wörter für das erfinden, was Sie sagen wollen. Denn wirklich Neues kann wohl kaum in alten Begrifflichkeiten ausgedrückt werden. Peter Sloterdijk macht's vor: Affluenzgesellschaft, Air-Design, Alethotop, Algodizee, Atmoterrorismus und Autokoprophagie sind nur einige der Begriffe (mit A), die auf den Philosophen zurückgehen.

8. Droppen Sie Namen, wo Sie können

Scheuen Sie sich nicht, auf den Schultern von Riesen zu schreiben. Treten Sie mit Heidegger in einen aristoletischen Dialog über die kafkaesken Ausformungen von Deleuzes Texten über Platon. Quickfix: Schreiben Sie einfach irgendein Wort hin, setzen es in Anführungszeichen und ergänzen dann einen großen Namen in Klammern dahinter. Das ist ein "Zeichen" (Peirce) dafür, dass Sie eine Menge gelesen haben.

9. Lassen Sie ihren Gedanken freien Lauf

"Geben Sie Gedankenfreiheit", verlangt schon Schillers Marquis von Posa. Zu Recht. Es gibt schließlich viele Wege von A nach B. Am langweiligsten ist der gerade. Besuchen Sie in Ihrer Arbeit noch C und D, machen Sie einen Exkurs zu Z, um dann wieder bei C anzulanden. Schauen Sie auch noch bei Y vorbei, weil das so ein schöner Buchstabe ist. Schließlich müssen Sie ja irgendwie auf die Seitenzahl kommen.

10. Legen Sie sich nicht fest

Ergebnisse sind was für Mathematiker. Beweisen Sie Mut zur Lücke, indem Sie in Ihrem Fazit keine der Thesen präsentieren, die Sie in der Arbeit beweisen wollten. Mäandern Sie zwischen rhetorischen Fragen hin und her, solange, bis Sie Ihrem Leser ein eindeutiges "Vielleicht" mit auf den Weg geben können.

Glückwunsch. Ihrer Professur steht nun nichts mehr im Wege.

 
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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Sehr guter Artikel. Endlich hat da mal jemand knallhart recherchiert gibt nicht nur die immergleichen Tipps.

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