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Digital Finance vor der Revolution

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Die Finanzwelt wird digital. Was für den Kunden gut ist, bedeutet für die Banken den größten finanziellen und technologischen Kraftakt seit Jahrzehnten.

Für Jamie Dimon ist der Fall klar. Angesprochen auf die neue Konkurrenz durch Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley, sagte der Chef des US-Bankenriesen JP Morgan einst: "Die wollen uns alle zum Frühstück verspeisen."

In der Tat sind etablierte Technologiekonzerne ebenso wie junge Start-ups dabei, die Banken von allen Seiten angreifen: Im Zahlungsverkehr attackiert Paypal, beim mobilen Bezahlen greifen Apple und Google an, und im Kreditgeschäft knöpfen Onlineplattformen wie Lending Club den Banken Marktanteile ab. Auch in der Versicherungs- und Vermögensverwaltungsbranche knabbern junge Angreifer an den Pfründen etablierter Spieler.

Die Beispiele zeigen: Die Digitalisierung der Finanzbranche ist im vollen Gang. Banken, Vermögensverwalter und Versicherungen sind inmitten einer Revolution: ein datenbasiertes, mobiles, jederzeit verfügbares und viel mehr auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot wird künftig die Norm werden - finance goes digital.

Was für den Kunden ein Segen ist, stellt für die Finanzbranche selbst einen enormen Kraftakt dar. Reagiert sie nicht schnell genug auf die größte Umwälzung seit Jahrzehnten, droht ihr ein ähnliches Schicksal wie der Musikindustrie oder dem Buchhandel, denen in den vergangenen Jahren von Technologieunternehmen das Wasser abgegraben wurde.

Besonders die Banken werden bei der Umstellung an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht werden. Denn die kräftezehrenden Jahre der Finanzkrise, die schärfere Regulierung, die anhaltenden Niedrigzinsen und die milliardenschweren Strafzahlungen für vielfaches Fehlverhalten haben die Branche ohnehin in desolatem Zustand hinterlassen. Nun kommt noch die Digitalisierung hinzu, die für Großbanken nur mit milliardenschweren Investitionen zu stemmen sein wird.

Und anders als Jamie Dimon haben Deutschlands Banken die Bedrohung viel zu lange nicht ernst genug genommen und somit großen Nachholbedarf. Die Bedeutung der Digitalisierung und der neuen Konkurrenz durch junge Finanztechnologieunternehmen - im Branchenjargon "Fintechs " - wurde allzu gerne heruntergeredet.

Doch zuletzt gab es einen Stimmungswechsel in den Chefetagen: "2015 war das Jahr des Erwachens", sagte kürzlich Peter Barkow, Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung. Großbanken wie die Deutsche Bank haben ihre zögerliche Haltung aufgegeben, investieren Milliarden und eröffnen Innovation Labs, um mit den jungen Wilden der Fintech-Szene zusammenzuarbeiten.

Die Banken sind zum raschen Handeln gezwungen, wenn sie nicht als die Dinosaurier der Finanzbrancheenden wollen. Denn in einigen Geschäftsbereichen  ist die neue Konkurrenz schon sichtbar auf dem Vormarsch. Beispiel Konsumentenkredite: Bank unabhängige Kreditplattformen wie Lending Club sind dabei, sich als ernsthafte Wettbewerber zu etablieren.

Der Marktanteil dieser neudeutsch als "peer-to-peer lender" bezeichneten Kreditvermittlerbetrug im größten Markt - den USA - im Jahr 2014 zwar nur 1,1 Prozent, wie Daten von Morgan Stanley Research zeigen. Doch das Wachstum ist rasant: Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt, dass der Technologiewettbewerb die Gewinne der globalen Bankenbranche bei Privatkundenkrediten (ohne Hypotheken) in zehn Jahren um 60 Prozent verringern wird.

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