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Ist Gefühlezeigen okay im Büro?

Mädchen freut sich jubelt Erfolg bestanden (©fotolia.com - davis)

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Heulen wegen eines geplatzten Deals? Mit Akten nach der nervigen Kollegin werfen oder mit der Faust auf den Konferenz-Tisch hauen? Gefühlsausbrüche kommen bei Kollegen und Vorgesetzten in der Regel nicht gut an. Also Pokerface aufsetzen, wenn der Kunde mault und der Chef stichelt? Das ist auch keine Lösung, sagen Wissenschaftler: Wer seine Gefühle unterdrückt, vergisst mehr, arbeitet weniger und kann auf Dauer sogar krank werden.

Die Wissenschaftlerin Jane Richards von der Universität von Texas hat in einer Untersuchung herausgefunden, dass sich Menschen, die ihre Gefühle unterdrücken, schlechter an Details aus stattgefundenen Gesprächen erinnern. Der Grund: Es kostete sie so viel Kraft, das eigene Verhalten zu kontrollieren, dass das Gehirn für andere Aufgaben nicht mehr genügend Energie hatte.

Wer seine Gefühle unterdrückt, wird krank

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen auch die Psychologen Daniel Beal und John Trougakos von der Universität Toronto sowie Christine Jackson von der Purdue Universität. Laut ihrer Studie arbeiten Angestellte, die ihre Gefühle stark im Zaum halten müssen, nicht nur weniger und weniger gut – sie erkranken auch häufiger an einem Burnout. Besonders hoch sei das Risiko für Journalisten, Krankenhausmitarbeiter, Sozialarbeiter, Anwälte sowie Service-Mitarbeiter.

Also lieber ordentlich Dampf ablassen, wenn dir im Job etwas nicht passt? e-fellows.net-Alumna Sandra hat da ein paar bessere Tipps.

Sollte man im Büro überhaupt Emotionen zeigen? Ist das nicht unprofessionell?

Ich würde sagen, es ist menschlich, emotional zu reagieren. Das hat mit Professionalität nichts zu tun. In Dienstleistungs- und Serviceberufen hat man aber den Auftrag, seine Emotionen zu kontrollieren. Wenn meine Reaktionen destruktiv werden und mein Verhalten die Beziehung zerstört, dann muss ich lernen, meine Emotionen im Griff zu behalten.

Welche Möglichkeiten gibt es, mit seinen Emotionen umzugehen?

Da gibt vier verschiedene Möglichkeiten: Beim "surface acting" zeige ich an der Oberfläche etwas, was ich nicht empfinde. Das ist ein dysfunktionales Verhalten, bei dem Spannungen entstehen. Wenn die nicht abgebaut werden, wird dieses Verhalten gesundheitsschädlich. Dann gibt es das "deep acting": Da definiere ich die Situation innerlich um. Wenn ich mich von jemandem angegriffen fühle, sage ich mir zum Beispiel: "Das hat der bestimmt nicht so gemeint." So bringe ich mich kognitiv so weit, dass ich zum Beispiel nicht weinen muss, obwohl ich mich zunächst danach gefühlt habe. So ein Verhalten ist zwar nicht gesundheitsschädlich, erfordert aber viel Emotionsarbeit und damit Kraft.

Dann gibt es unwillkürliche Reaktionen: Zum Beispiel, wenn ich mit meinem Gesichtsausdruck zeige, wie es mir geht. Das ist erst mal gut, denn es ist authentisch, und ich muss keine Willensenergie dafür aufbringen. Wenn ich Emotionen gar nicht zeigen möchte, nennt man das "emotionale Deviation", also Verweigerung.  Da ist man sich noch unschlüssig, wie sich das auf die Gesundheit auswirkt.

Was kann ich machen, wenn ich im Büro nicht mit meinen Gefühlen klarkomme?

Eine mögliche Lösung wird einem oft schon bewusst, wenn man mit Freunden spricht und ihnen sein eigenes Verhalten schildert.

Im zweiten Schritt kann man Beratungsstunden, zum Beispiel bei einem Coach, in Anspruch nehmen. Wenn das nicht hilft, kann man einen Hausarzt, der eine psychiatrische Grundausbildung hat, aufsuchen und ihn um eine Überweisung zu einem Psychotherapeuten - etwa einem Verhaltenstherapeuten - bitten oder direkt einen psychologischen Psychotherapeuten aufsuchen.  

Und was kann ich alleine tun?

Wichtig ist das "deep acting", die kognitive Umstrukturierung. Wenn ich mich in mein Gegenüber hineinversetzen und mir sagen kann: Der Kunde ist nicht wütend auf mich, das ist nicht persönlich gemeint – dann nehme ich die Situation schon anders war. Oder ich sage mir: Das ist ein Geschäftspartner, der ist mir nicht lästig, sondern wichtig. Dann hilft es oft, einfach das "Kampffeld" kurz zu verlassen, also wirklich aus dem Raum zu gehen und zum Beispiel Muskelentspannung nach Jacobson zu machen. Das kann man lernen und dann in nur fünf Minuten anwenden. Wenn dafür keine Räume zur Verfügung stehen, kann ich meinen eigenen Arbeitsplatz als Zufluchtsort nehmen. In einer Zeitschrift blättern und mich so ablenken, das hilft auch.

Gibt es Burnout-Warnzeichen?

Ja, auf Dauer treten vegetative Symptome auf: Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Ein- und Durchschlafprobleme. Die Symptomatik ist ähnlich wie bei Depressiven. Ich trete meinen Mitmenschen gereizt gegenüber, und sie reagieren im Gegenzug gereizt auf mich – so schaukelt sich der Konflikt hoch.

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