LL.M. am College of Europe (2017)

Erfahrungsbericht von Clemens Steinbach, Rechtsreferendar, 2017

Europa leben, studieren und verstehen in Brügge

Wer sich für die Europäische Union im Allgemeinen und für europarechtliche Themen im Besonderen interessiert, für den ist ein LL.M. am College of Europe definitiv ein Muss!

In jeglicher Hinsicht ein intensives Jahr

Am College kann man alles über die Europäische Union lernen – in akademischer, kultureller und sozialer Hinsicht. Man absolviert ein unglaublich intensives Jahr in einer regelrechten „Eurobubble“ mit Kommilitonen aus über 50 überwiegend europäischen Ländern. Man lebt, studiert, isst, feiert, unternimmt und organisiert diverse Aktivitäten zusammen und schließt enge Freundschaften, die oftmals ein Leben lang halten. Außerdem lernt man viel über andere Länder und deren Kulturen, vor allem während der sogenannten „national weeks“, in denen die Studenten ausführlich und mit viel Hingabe ihre Heimatländer präsentieren.

„Challenge yourself!“ waren die Worte, mit denen wir 120 neuen Studenten von der Leiterin des LL.M.-Programms Anfang September in Brügge begrüßt wurden – und sie sollte recht behalten. Das Programm dauert zehn Monate und ist sehr kompakt und intensiv gestaltet. Das Arbeitspensum ist fast durchgängig hoch, und man muss des Öfteren ordentlich büffeln, um in den bilingualen Veranstaltungen mit dem hohen Niveau der Kommilitonen mitzuhalten. Im ersten Semester geht es vor allem um europarechtliche Grundlagen sowie um das Kartell- und Wettbewerbsrecht der EU, wohingegen man sich im zweiten Semester in drei Seminaren in Kleingruppen auf spezielle europarechtliche Themen spezialisiert und eine 30- bis 40-seitige Masterarbeit verfasst. In beiden Semestern besucht man jeweils noch ein interdisziplinäres Seminar in europäischer Geschichte, Soziologie oder Politik.

Warum nach Belgien (und nicht ins englischsprachige Ausland)?

Für mich stand durch mein großes Interesse an der EU und europarechtlichen Themen früh fest, dass ich einen LL.M. im Europarecht absolvieren möchte. Nach Bewerbungen für die Programme in Brügge und am King’s College London entschied ich mich nach Zusagen beider Universitäten schließlich für ein Studium in Brügge. Im Hinblick auf die Stadt mag London zwar deutlich attraktiver sein als Brügge. Jedoch überzeugte mich in Brügge das praxisnahe Programm, die Nähe zu den EU-Institutionen in Brüssel sowie die Tatsache, dass man hier auf Englisch und Französisch studiert. Das College ist außerdem bekannt für seine „flying faculty“: Renommierte Professoren namhafter europäischer Universitäten, aber auch Mitarbeiter der EU-Kommission, des Rats der EU oder Richter und Generalanwälte des EuGH kommen für Vorlesungen und Seminare nach Brügge. Weiterhin gilt das College zurecht als Kaderschmiede für eine spätere Tätigkeit innerhalb der Europäischen Union, in anderen internationalen Organisationen oder auch in nationalen Ministerien.

Bewerbung: Frühe Vorbereitung lohnt sich

Interessierte sollten frühzeitig mit der Bewerbung bei der Europäischen Bewegung Deutschland e. V. beginnen, denn die Deadline für einen Studienstart im September liegt bereits Ende Januar. Am besten kümmert man sich schon ab Oktober/November des Vorjahres um die notwendigen Bewerbungsunterlagen. Hat man die schriftliche Vorauswahl überstanden, erwartet einen im März ein Interview auf Deutsch, Englisch und Französisch vor einer 15-köpfigen Auswahlkommission in Berlin. Hierauf kann man sich leider nur bedingt vorbereiten. Es lohnt sich zumindest, in den Wochen davor aktuelle europarechtliche und -politische Fragestellungen in der Zeitung zu studieren und die Konversation auf Englisch und Französisch zu üben. Ansonsten gilt es vor allem, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich eloquent und höflich zu präsentieren.

Mit der Bewerbung um einen Studienplatz in Brügge kann man sich auch um einen Platz in einem der acht Wohnheime inmitten der pittoresken Brügger Altstadt sowie um ein Stipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bewerben. In der Regel erhalten alle erfolgreichen deutschen Bewerber einen Wohnheimplatz und ca. 70 Prozent der Bewerber ein Stipendium. Das Stipendium deckt die Studiengebühren in Höhe von 16.000 Euro vollständig ab. Die verbleibenden 8.000 Euro für Verpflegung und Unterkunft muss man jedoch selbst übernehmen. Unter Umständen kann man auch in einer privaten Wohnung in Brügge wohnen, jedoch kann ich dies aufgrund der intensiven Kontakte, die man im Wohnheim zu seinen Kommilitonen knüpft, nicht empfehlen.

LL.M. nach dem Ersten oder nach dem Zweiten Examen?

Ich habe mich dafür entschieden, den LL.M. nach dem Ersten Staatsexamen zu absolvieren. Nach einer gewissen Examensmüdigkeit empfand ich den Zeitpunkt als genau richtig, um mir eine „Auszeit“ vor dem Referendariat und dem Zweiten Staatsexamen zu gönnen. Außerdem kann es auch fachlich durchaus eine Bereicherung sein – so wurde mir im Rahmen meiner Masterarbeit zur neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung klar, dass mich (EU-)Datenschutz- und IT-Recht sehr interessiert und ich meine Stationen im Referendariat thematisch hiernach ausrichten möchte. Nicht zuletzt spricht auch der Altersdurchschnitt der Kommilitonen dafür, der zwischen 23 und 24 Jahren liegt. Nach dem Ersten Examen findet man meines Erachtens hier noch besser den Anschluss.

Auf unserer Webseite findest du einen Überblick über verschiedene LL.M.-Programme. Informier dich auch beim LL.M. Day und in unserem LL.M.-Ratgeber. Für e-fellows gibt es außerdem exklusive LL.M.-Stipendien.