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Der Neue bei McKinsey

Treppe Weiß Mann Anzug Grau [Quelle: Pexels.com, Autor: The Lazy Artist Gallery]

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Fabian Billing leitet von März an das Deutschland-Geschäft der Strategieberatung. Der 46-Jährige übernimmt in einer schwierigen Phase und soll das Geschäft stark ausbauen.

Als Fabian Billing im November vom globalen McKinsey-Chef Kevin Sneader die freudige Nachricht erfahren hat, dass er im Frühjahr neuer Deutschland-Chef von McKinsey wird, hat Billing etwas noch nicht ahnen können: dass Sneader noch vor seinem Amtsantritt seinen eigenen Posten verliert. Doch dem globalen McKinsey-Chef Sneader haben am Mittwoch die rund 650 Seniorpartner des Unternehmens für viele überraschend in einer geheimen Wahl die zweite Amtszeit verweigert. Es ist ein Eklat und gab es zuletzt im Jahr 1974, dass einem amtierenden McKinsey-Chef die zweite Amtszeit versagt wird.

Inmitten dieser Verwerfung übernimmt Fabian Billing nun am kommenden Montag den McKinsey-Führungsposten in Deutschland und Österreich. Anders als der internationale Anführer werden die McKinsey-Länderchefs nicht gewählt, sondern von der obersten Spitze ernannt. Der Schotte Kevin Sneader hatte seine Entscheidung für Billing als Deutschland-Chef schon Ende November den rund 300 Partnern in Deutschland und Österreich bekanntgegeben. Zur überraschenden Abwahl Sneaders will sich Billing auf Nachfrage jetzt kurz vor seinem Amtsantritt nicht äußern.

Tatsächlich hinterlässt der Vorgang viele offene Fragen: Der Schotte musste die Trümmer einer Reihe von Skandalen beseitigen, die ihren Ursprung großteils in der Zeit seiner Vorgänger hatten, etwa die Verwicklungen der Berater in die amerikanische Opioid-Tragödie. Dabei hat er durchaus Reformwillen gezeigt und seinen Beratern Regeln verordnet, welche Aufträge künftig noch angenommen werden und welche nicht. War das manchen Seniorberatern zu viel? Oder hätten sie sich noch mehr Reformeifer gewünscht?

Symbol der Erneuerung

Aus dem Unternehmen ist zu hören, es habe unter den Seniorpartnern wohl den "Wunsch nach einem sichtbaren Symbol der Erneuerung" gegeben. Hätte Sneader noch stärker aufräumen müssen? Oder hat er damit übertrieben? Gut möglich, dass Fabian Billing am Montag danach gefragt wird, wenn er sein neues Amt antritt. Seine Beförderung zum Deutschland-Chef ist die Krönung eines langen Aufstiegs. Der gebürtige Pfälzer hat sein gesamtes Berufsleben bei McKinsey verbracht. Aufgewachsen ist er in Kaiserslautern, nach seinem BWL-Studium in Saarbrücken und einem Amerika-Aufenthalt in Ann Arbor (Michigan) hat er 1999 bei McKinsey angeheuert.

Gemäß dem dort üblichen Up-or-out-Prinzip müssen Berater innerhalb einer vorgegebenen Zeit die Karriereleiter aufsteigen oder das Beratungsunternehmen verlassen, um Platz für Jungberater zu schaffen, die ständig von unten nachrücken. Billing ist der Aufstieg stets gelungen. Er spezialisierte sich auf die Telekommunikation und die Tech-Branche, zudem auf Übernahmen und Organisationsfragen als Querschnittsthemen. Für seine Promotion an der TU in Berlin über das Thema "Innovationsmanagement" pausierte er zwischenzeitlich. Im Jahr 2008 wurde er zum Partner – sprich: Teilhaber – ernannt. Sechs Jahre später stieg er zum Seniorpartner auf und leitete das Düsseldorfer Büro von 2014 bis 2018.

Den Posten des Deutschland-Chefs übernimmt der 46 Jahre alte Billing von Cornelius Baur, der nach sieben Jahren sein Amt turnusgemäß abgibt. Der bodenständige Bayer wird im April 59 Jahre alt und stößt damit auch bald an die firmeneigene Altersgrenze. Spätestens mit 60 Jahren müssen sich McKinsey-Partner aus dem Unternehmen verabschieden. Bis dahin bleibt Baur noch als Seniorpartner bei McKinsey. In den vergangenen Wochen hat er seinen Nachfolger in dessen neue Rolle eingearbeitet; beide kennen sich gut und haben schon früher bei Projekten für Klienten zusammengearbeitet. Baur kann auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken. Unter seiner Ägide ist das Deutschland-Geschäft kräftig gewachsen: Als er 2014 sein Amt antrat, arbeiteten 1300 Berater für McKinsey, heute sind es rund 2100.

Baur hat dafür gesorgt, dass McKinsey die Stellung als Marktführer vor der Boston Consulting Group und Bain behauptet hat. Ins Rampenlicht der Massenmedien zog es den Industriespezialisten in seiner Amtszeit weniger, anders als manchen seiner Vorgänger, deren Namen in der Öffentlichkeit bekannter waren, etwa Frank Mattern (2007 bis 2013), Jürgen Kluge (1999 bis 2006) und Herbert Henzler (1985 bis 1999).

Ob es Billing wieder mehr ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zieht? Die Bühne scheut der Hobbymusiker jedenfalls nicht: Der Vater von drei Söhnen spielt in der Düsseldorfer Büro-Band von McKinsey namens "The Sky Officers" regelmäßig den E-Bass. "Als Kind habe ich Klavier und Trompete gelernt", erzählt Biling: "den E-Bass habe ich mir später selbst beigebracht." Der letzte Live-Auftritt im Düsseldorfer Büro liegt schon etwas länger zurück. Beim Sommerfest 2019 zupfte er zum letzten Mal live vor Zuschauern an den Saiten seiner Bassgitarre. Geprobt hatte die Band zuvor regelmäßig bei ihm zu Hause im Keller. Weil während der Pandemie Live-Auftritte nicht mehr möglich sind, hat die Band im vergangenen Advent zumindest über Zoom zusammengespielt – ein Medley alter Queen-Hits. Jeder für sich und doch alle zusammen.

900 neue Mitarbeiter

Auch in der Pandemie will Billing das Deutschland-Geschäft von McKinsey weiter ausbauen: Rund 900 neue Mitarbeiter sollen in den McKinsey-Büros in Deutschland und Österreich in diesem Jahr eingestellt werden – so viele wie noch nie. An diesem Plan hält Billing auf Nachfrage weiterhin fest. Die Deutschland-Sparte hat im Laufe der Jahre großes Gewicht für McKinsey bekommen. Rund um die Welt erwirtschaftet das Beratungsunternehmen laut "Forbes" im Jahr einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Dollar, fast doppelt so viel wie vor zehn Jahren.
Wie hoch der Umsatz in Deutschland liegt, darüber schweigt McKinsey. Als Partnerschaft unterliegt das Beratungshaus weit geringeren Publizitätspflichten als börsennotierte Unternehmen. Nach Schätzungen dürfte der Anteil der Deutschland-Sparte am Gesamtumsatz rund 10 Prozent betragen; nur die Büros in den Vereinigten Staaten, dem Ursprung von McKinsey, liegen von allen Ländersparten noch über den hiesigen. Die Stärke der Deutschland-Sparte hat Tradition: Das erste deutsche Büro von McKinsey öffnete schon im Jahr 1964 mit vier Beratern in Düsseldorf, die Mekkies waren damit früher dran als die Konkurrenten: Die Boston Consulting Group kam erst 1975 nach Deutschland, Bain 1982. Die Rangfolge hat sich bis heute erhalten. Fabian Billing soll dafür sorgen, dass dies so bleibt.

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