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Bosch baut Corona-Tester

Coronaviren [Quelle: unsplash.com, Autor: Fusion Medical Animation]

Quelle: unsplash.com, Fusion Medical Animation

Der Stuttgarter Industriekonzern überrascht die Branche mit einem selbst entwickelten Virus-Check, der besonders schnell und genau sein soll. Das Geschäft drumherum ist begehrt.

Es ist fast acht Jahre her. Volkmar Denner war erst wenige Tage Bosch-Chef, als er im September 2012 den Grundstein zum 300 Millionen Euro teuren Forschungszentrum des Konzerns legte. "Mein Traum ist es, dass wir mit Bosch den Krebs besiegen", sagte der promovierte Physiker, als er ein "lab on the chip" in den Grundstein legte – ein Mikrosystem, das medizinische Diagnosen blitzschnell verfügbar macht. "Das ist ein Kampfauftrag an meine Forscher", sagte Denner.

Das klang reichlich pathetisch und ambitioniert für den neuen Chef eines Konzerns, der weltgrößter Autozulieferer ist und ansonsten unter anderem Elektrowerkzeuge, Hausgeräte und Industrie- und Gebäudetechnik herstellt. Zumal die Medizintechnik bei Bosch damals erst noch gegründet werden musste. Lange führte sie mit ihren 120 Forschern eher ein Mauerblümchendasein im Konzern. Doch jetzt legt die kleine Einheit nach langer Vorarbeit richtig los. Nicht mit Kampf gegen Krebs, sondern gegen die Lungenkrankheit Covid-19. Bosch Healthcare Solutions hat gemeinsam mit dem nordirischen Unternehmen Randox einen der weltweit ersten vollautomatisierten molekulardiagnostischen Tests auf Covid-19 entwickelt. "Mit dem Schnelltest wollen wir einen Beitrag zur möglichst raschen Eindämmung der Corona-Pandemie leisten. Infizierte Patienten können schneller identifiziert und isoliert werden", sagte Bosch-Chef Volkmar Denner am Donnerstag.

Der neue Schnelltest wurde in nur sechs Wochen entwickelt und kann medizinische Einrichtungen wie Arztpraxen, Krankenhäuser, Labore und Gesundheitszentren bei einer raschen Diagnose unterstützen. Angewendet wird er auf dem Analysegerät Vivalytic von Bosch. Mit dem Schnelltest lässt sich bei Patienten eine Infektion mit dem Coronavirus in unter zweieinhalb Stunden feststellen, teilte das Unternehmen mit. Aktuell dauert es bis zu zweieinhalb Tage, bis aus den medizinischen Laboren ein Corona-Testergebnis vorliegt.

Kooperation mit Randox aus Irland

Das Verfahren von Bosch weist Gensequenzen des Sars-Cov-2-Erregers nach. So kann eine Infektion früher nachgewiesen werden als mit Schnelltests, die auf den Nachweis eines Antikörpers ausgerichtet sind. Denn ein Antikörper bildet sich im Körper erst nach ein paar Tagen. Aus diesem Grund raten viele Experten von Antikörper-Schnelltests ab.

Der Bosch-Schnelltest kann direkt am Ort der Behandlung ohne besonders geschultes Personal durchgeführt werden. Die Probe wird mittels Abstrich-Tupfer aus Nase oder Rachen entnommen und in eine Prüfkartusche gegeben, die schon alle für den Test erforderlichen Reagenzien enthält. Die Kartusche wird in das Analysegerät eingeführt. Zeitaufwendige Transportwege entfallen dem deutschen Konzern zufolge. "Im Kampf gegen das Virus ist Zeit einer der entscheidenden Faktoren. Eine zuverlässige, schnelle Diagnose direkt vor Ort ohne Umwege – das ist der große Vorteil unserer Lösung", betont Denner.

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) warnt bereits vor Engpässen bei den Covid-19-Testungen für den Fall, dass die Forderungen nach Labortests weiter ansteigen würden wie bisher. Gleichwohl können die Schnelltests nach Ansicht des Verbandes die Labore nicht wirklich entlasten, da sie nur geringe Kapazitäten bieten. Mit dem Bosch-Verfahren etwa können zehn Tests innerhalb von 24 Stunden durchgeführt werden. "Es gilt, vorhandene Testkapazitäten für medizinisches Personal, Sicherheitsorgane und weitere besonders gefährdete Personen wie Hochrisikogruppen unter den Patienten und Patientinnen zu sichern", forderte deshalb der BDL-Vorsitzende Andreas Bobrowski. Zudem müsse die Versorgung mit Testmaterialien und Schutzkleidung jetzt dringend verbessert werden, damit die Labore die steigenden Test-Anforderungen aus Praxen und Gesundheitsämtern bewältigen könnten. Die Hersteller der Schnelltests betonen derweil die Vorteile ihrer Systeme: Beim Bosch-Verfahren etwa können mit derselben Probe neben Covid-19 gleichzeitig neun weitere Atemwegserkrankungen wie Influenza A und B untersucht werden. "Die Besonderheit des Bosch-Tests ist: Durch die Differenzialdiagnostik ersparen sich die Ärzte zusätzlich die Zeit für weitere Tests, erhalten rasch eine fundierte Diagnose und können daraus schneller eine geeignete Therapie einleiten", sagt Marc Meier, Geschäftsführer von Bosch Healthcare Solutions.

Eine Kartusche, bei der Partner Randox die biologischen Komponenten liefert, kostet pro Test zwischen 50 und unter 100 Euro. Das Testgerät kommt auf rund 15.000 Euro. "Mittelfristig streben wir mit unserer Vivalytic-Plattform einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich an", sagt Meier.

Das Analysegerät von Bosch ist bereits zugelassen und auf dem Markt, speziell für den Sars-Cov-2-Test braucht Bosch noch eine Zulassung, die das Unternehmen laut einer Sprecherin aber in den nächsten Tagen erhalten wird. Der neu entwickelte Test soll dann ab April in Deutschland erhältlich sein, weitere europäische und außereuropäische Märkte sollen folgen. Die Genauigkeit liegt laut Bosch bei 95 Prozent. Der Schnelltest erfülle die Qualitätsstandards der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

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