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Interview mit Dr. Wolfgang Richter von Clifford Chance

Corporate Finance hat für viele Berufseinsteiger eine hohe Attraktivität: Sie zieht viele Anwälte an - auch in Deutschland, auch bei Clifford Chance. Corporate Finance ist der größte Rechtsbereich der Sozietät in Deutschland und umfasst 46 Partner, 23 Counsel und 107 Associates.

Bedeutender Rückgang bei Transaktionen

Da kommt die Frage auf, was diese Anwälte nun machen, nachdem der M&A-Markt doch relativ stark eingebrochen ist. Im ersten Quartal 2009 ist das Transaktionsvolumen im Private-Equity-Markt auf ein Sechstel des Werts von 2008 abgesunken. Kreditfinanzierte Transaktionen haben abgenommen, die Verunsicherung nimmt zu. "Trotzdem liegt nicht der ganze Markt am Boden, viele Unternehmen sind sehr aktiv im M&A-Geschäft", sagt Dr. Wolfgang Richter von Clifford Chance. "Das Geschäft verlagert sich nun. Der Private-Equity-Markt wird wiederkommen, aber mit einem anderen Aussehen. Im Zentrum steht dann nicht mehr das schnelle, billige Geld der Banken, sondern eine gefestigte, langfristige Strategie."

Herr Dr. Richter, was würden Sie Jura-Studenten im letzten Semester raten? Krise aussitzen, ja oder nein?

Vom LL.M. als Parkschleife halte ich nichts. Wer wissenschaftlich arbeiten möchte und einen LL.M. plant, soll diesen machen. Wer aber lieber direkt einsteigen und Berufserfahrung sammeln möchte, sollte das auf jeden Fall auch tun. Mir wird da sowieso viel zu taktisch vorgegangen. Wenn Sie enthusiastisch sind und wirklich in den Beruf einsteigen wollen, bewerben Sie sich. Dann klappt das auch! Im Gespräch merken wir dann sehr gut, ob Bewerber wirklich in eine internationale Kanzlei wollen oder ob es nur eine Verlegenheitslösung ist.

 

Das heißt, Sie stellen noch ein?

Wir haben keinen abrupten Einstellungsstopp, merken aber natürlich auch die veränderte Situation. Dadurch, dass insgesamt einfach weniger Leute eingestellt werden, verschärft sich die Situation für die Bewerber. Wir können aus mehr Kandidaten auswählen. Grundsätzlich handeln wir nicht unbedingt zyklisch. Wenn sich gute Leute bei uns bewerben, stellen wir sie ein. Auch in der Krise. Denn diese wird auch wieder vorbeigehen, und dann kann sich eigentlich kein Unternehmen eine Lücke leisten. Wir brauchen einfach einen gesunden Altersaufbau.

Und man sollte sich noch für M&A bewerben?

Ja, auf jeden Fall. Wenn jemand Spaß an diesem Thema hat, spricht nichts dagegen. Ich merke ja immer wieder, dass es an den Unis Modeerscheinungen gibt. Da spricht sich dann etwas rum, und plötzlich wollen alle beispielsweise Steuerrecht machen. Behalten Sie also immer im Hinterkopf: Wenn Sie gut sind, können Sie das machen, was Sie sich ausgesucht haben. Sie müssen überzeugt sein von Ihrer Wahl, dann haben Sie auch eine Chance, wenn Sie zugleich flexibel sind, sich auf Veränderungen der Nachfrage nach Rechtsberatung einstellen. Zyklen wird es schließlich immer geben. Und man kommt immer wieder an Punkte, an denen man sich fragt, ob die Entscheidung richtig war. Aber keine Entscheidung, die Sie treffen, ist in Stein gemeißelt.

Das heißt, als Bewerber muss ich mich nicht für ein Rechtsgebiet entscheiden, sondern kann erst mal verschiedene Stationen kennenlernen?

Ja und nein. Viele Bewerber haben einen Interessenschwerpunkt, und den können sie bei uns auch ausleben. Sie lernen dann die entsprechenden Gruppen und die Arbeit dort kennen. Manche sind sich noch unsicher. Mit diesen Bewerbern loten wir dann gemeinsam aus, welche Bereiche interessant sein können. Dort steigen sie dann ein. Was wir nicht machen: Jemanden einstellen und dann mal schauen, was so passt. Es gibt bei uns auch keine "Zwangsrotation". Ein späterer Wechsel ist aber möglich.

Was sind denn die Voraussetzungen, die jemand für einen Einstieg bei Ihnen mitbringen sollte?

Wir suchen Leute, die sich enthusiastisch ihrer Arbeit widmen, die begabt sind und clever und die Spaß haben im Beruf. Wenn Sie sich bei uns bewerben möchten, brauchen Sie keine jahrelange Erfahrung oder theoretisches Wissen aus zig Büchern. Sie lernen alles Wichtige "on the job". Auch ich habe eigentlich einen anderen Hintergrund und habe mich in ein neues Themengebiet eingearbeitet. Das geht. Außerdem kann man sich bei Clifford Chance regelmäßig weiterbilden – sowohl fachbezogen als auch in Soft-Skill-Kursen.

Wie sieht denn das erste Jahr bei Clifford Chance aus?

Wer bei uns einsteigt, tastet sich mit zunehmender Geschwindigkeit an die Aufgaben heran. Am Anfang arbeitet man viel mit erfahrenen Anwälten zusammen, bekommt Teilaufgaben und kann so Erfahrungen sammeln. Außerdem lernt man Stück für Stück die ganze Transaktion kennen, nach relativ kurzer Zeit ist man dann in der Lage, sie selber zu begleiten und durchzuführen. Was nicht passiert, ist, dass Einsteiger ein Jahr lang immer die gleichen Aufgaben erledigen müssen. Wir sorgen dafür, dass sie schnell Verantwortung übernehmen.

Infos zur Clifford Chance Academy

In der Clifford Chance Academy gibt es ein breit gefächertes Weiterbildungsprogramm. Jeder Anwalt absolviert in einem bestimmten Zeitraum ein festgelegtes Curriculum. Anmelden kann man sich in Absprache mit dem Mentor zu den Terminen, die gut in den eigenen Arbeitsplan passen. Die Kursteilnehmer kommen dabei aus ganz Europa zusammen, denn Networking ist ein nicht unwesentlicher Zweck der Veranstaltung. Die Kurse finden immer in unterschiedlichen Städten statt, von Budapest bis London.

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