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So gelingt der Schritt in die Selbstständigkeit

Existenzgründung Gründer Start-up [© Marco2811 - Fotolia.com]

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Die Selbstständigkeit lockt mit freier Zeiteinteilung, guter Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Möglichkeit, nach eigenem Gusto zu arbeiten. Das scheint für viele Menschen eine verlockende Aussicht zu sein: Mehr als eine halbe Million Menschen haben laut "KfW Gründungsmonitor" im Jahr 2019 in Deutschland eine selbstständige Arbeit aufgenommen. Grund genug, um einen Überblick über den Weg in die Selbstständigkeit zu geben.

1. Grundsatzentscheidung treffen

Die Vorstellung, nur noch nach dem eigenen Zeitplan zu arbeiten und ausschließlich solche Projekte anzunehmen, die auch wirklich Spaß machen, ist schön. Die Realität sieht allerdings oft anders aus. Fristen werden von den Auftraggebern vorgegeben. Eine vorausschauende Planung ist nur schwer möglich, weil zahlreiche Aufträge spontan kommen. Nicht alle Kunden haben eine gute Zahlungsmoral.

Es ist daher immer wieder nötig, auch weniger interessante, dafür aber gut bezahlte Aufträge anzunehmen. Wenn Aufträge ausbleiben oder zu schlecht bezahlt werden, drohen Existenzängste. Wer als Solo-Selbstständiger krank wird, hat keine Urlaubsvertretung, sondern ein Problem. Das sind die Schattenseiten, die bei der Existenzgründung beachtet werden müssen.

Bevor du dich für die Existenzgründung entscheidest, solltest du dir daher erst ein realistisches Bild von der Selbstständigkeit machen und die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen: Sprich mit Selbstständigen über deren Erfahrungen, nutze Gründertests, um deine Eignung als Unternehmer zu überprüfen, und rede mit deiner Familie über dein Vorhaben. Denn ohne familiären Rückhalt ist eine Existenzgründung keine gute Idee.

2. Geschäftsidee finden

Wer selbstständig arbeiten möchte, braucht eine Geschäftsidee. Das klingt komplizierter, als es ist: Eine Geschäftsidee muss nicht unbedingt neu oder innovativ sein. Die Zahlen bestätigen das: Von all denen, die sich 2019 in Deutschland selbstständig gemacht haben, waren nur 13 Prozent innovative Gründer mit neuartigen Produkten oder Dienstleistungen.

Dein Produkt oder deine Dienstleistung sollte allerdings einen klaren Nutzen für die Kunden haben. Dazu musst du dir Gedanken über deine Zielgruppe und über deine Wettbewerber machen. Prüfe anschließend, ob deine Geschäftsidee technisch, rechtlich und wirtschaftlich umsetzbar ist.

Die folgenden Fragen können dir helfen:

  • Wer sind deine Kunden?
  • Wie willst du die Kunden für dich gewinnen?
  • Was hebt dich von der Konkurrenz ab?
  • Kannst du deine Produkte in der Weise und in der Qualität herstellen, wie du dir das vorstellst?
  • Gibt es gesetzliche Einschränkungen, die dein Geschäftsmodell beeinträchtigen?
  • Musst du formale Vorbedingungen erfüllen, um als Selbstständiger arbeiten zu können? Benötigst du beispielsweise einen bestimmten Abschluss oder (mehrjährige) Berufserfahrung?
  • Hast du ein großes Netzwerk, auf das du zurückgreifen kannst?
  • Ist der Markt groß genug, und ist die Zielgruppe bereit, für dein Produkt bzw. deine Dienstleistung Geld auszugeben?

3. Beraten lassen

Auch wenn du online oder in Karriereratgebern eine Menge hilfreicher Tipps zur Gründung erhältst: Das alles ersetzt keine ausführliche Gründungsberatung. Besuche ein Gründungsseminar – Anbieter sind beispielsweise Branchen- oder Berufsverbände sowie Industrie- und Handelskammern – oder nimm eine Gründungsberatung in Anspruch.

Dabei erfährst du, wie die konkreten nächsten Schritte aussehen, welche Rechtsformen es gibt, welche versicherungs- und steuerrechtlichen Aspekte du bei der Existenzgründung beachten musst und vieles mehr. Je nach Bundesland gibt es kostenfreie Angebote oder Zuschüsse zu Beratungsleistungen.

Einen Überblick erhältst du im Online-Existenzgründerportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (den entsprechenden Link findest du in der Infobox am Ende dieses Beitrags).

Das äußerliche Gerüst deines Unternehmens ist die Rechtsform. Je nachdem, ob du dich für die GmbH, die OHG, die GbR, das Einzelunternehmertum oder eine andere Form entscheidest, hat das unterschiedliche rechtliche, finanzielle und steuerliche Folgen. Gründungs- oder Steuerberater können dir bei der Auswahl der geeignetsten Rechtsform helfen.

4. Businessplan erstellen

Neben der Geschäftsidee musst du dir vor der Gründung auch Gedanken darüber machen, wie du dein Konzept in die Tat umsetzen willst. Dazu dient ein Businessplan. Er hilft dir dabei, den Überblick über dein Vorhaben zu behalten; vor allem aber dient er potenziellen Kapitalgebern als Entscheidungsgrundlage.

Folgende Punkte sollten sich in deinem Businessplan wiederfinden:

  • Geschäftsidee: Was möchtest du als Selbstständiger tun? Worin bestehen deine kurz- und langfristigen Geschäftsziele? Was sind die Alleinstellungsmerkmale deiner Leistung bzw. deines Produkts?
  • Produkt/Dienstleistung: Beschreibe deine Dienstleistung oder dein Produkt so, dass es auch für Laien verständlich ist. Finanzierungsgeber sind meistens nicht vom Fach. Wenn sie das Produkt oder die Dienstleistung nicht verstehen, werden sie das Unternehmen höchstwahrscheinlich nicht unterstützen.
  • Marktübersicht (Kunden/Konkurrenz): Wer sind deine Zielkunden? Welchen Nutzen kannst du ihnen bieten? Wer sind deine wichtigsten Konkurrenten?
  • Standort: Erkläre die Wahl deines Standorts.
  • Marketing: Stelle deine geplante Marketingstrategie vor. Berücksichtige dabei Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik.
  • Unternehmensorganisation: Schildere deine fachliche und persönliche Qualifikation. Benenne außerdem die Rechtsform deines Unternehmens. Falls du Mitarbeiter suchst: Erkläre, wie viele Menschen du in welchen Positionen einstellen willst.
  • Chancen/Risiken: Erläutere die Chancen und Risiken, die mit deinem Gründungsvorhaben verbunden sind. Wie könntest du die Risiken abfedern?
  • Kapitalbedarfsplan: Wie viel Kapital brauchst du voraussichtlich in den ersten sechs bis zwölf Monaten? Schätze ab, wie viel Geld du beruflich und für dein Privatleben benötigst.
  • Finanzierungsplan: Gib an, wie hoch der Eigen- und der Fremdkapitalanteil deines Unternehmens sind und welche Förderprogramme für dich infrage kommen.
  • Liquiditätsplan: Im Liquiditätsplan stellst du die geschätzten Einnahmen der ersten drei Jahre als Selbstständiger den erwarteten Ausgaben gegenüber. So erkennst du, wie es um deine Zahlungsfähigkeit in diesem Zeitraum bestellt ist.
  • Ertragsvorschau: Lohnt sich dein Vorhaben? Das kannst du an der Ertragsvorschau ablesen. Dazu stellst du die erwarteten Umsatzerlöse der ersten drei Jahre den erwarteten Kosten gegenüber. Die Zahlen beruhen selbstverständlich auf Schätzungen, sollten aber realistisch und nachvollziehbar sein.

Von der Finanzierung bis zur Fortbildung

5. Startkapital sammeln

In deinem Businessplan hast du einen Kapitalbedarfsplan aufgestellt. Daran kannst du ablesen, wie viel Geld du in den ersten Monaten benötigst, um dein Gründungsvorhaben umzusetzen. Du musst dich dabei nicht nur auf deine eigenen finanziellen Reserven verlassen, du kannst auch auf Fremdkapital zurückgreifen: indem du Bankkredite aufnimmst, dich von Business Angels mit Kapital und bestenfalls auch mit Know-how unterstützen lässt, Förderdarlehen beantragst oder eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft ins Boot holst.

Wer vor der Existenzgründung Arbeitslosengeld I bezogen hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Gründungszuschuss erhalten. Wenn du ein Technologieunternehmen gründen willst, das aussichtsreiche Forschungsergebnisse umsetzt, kannst du dich beim High-Tech-Gründerfonds bewerben. Im Erfolgsfall erhältst du auf diesem Wege bis zu zwei Millionen Euro. An dem Fonds sind unter anderem das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die KfW-Bankengruppe und mehrere Wirtschaftsunternehmen beteiligt.

6. Anmelden

Wer eine gewerbliche Tätigkeit aufnehmen möchte, muss das beim Gewerbeamt anmelden. Kaufleute müssen sich bei dem jeweiligen Amtsgericht in das Handelsregister eintragen und diese Eintragung notariell beglaubigen lassen. Als Kaufleute gelten nach Handelsgesetzbuch alle, die ein „Handelsgewerbe“ betreiben. Darunter fallen keine Einzelunternehmer oder Gesellschaften bürgerlichen Rechts.

Freiberufler müssen im ersten Monat nach der Existenzgründung beim Finanzamt eine Steuernummer beantragen. Sie sind nicht verpflichtet, sich im Handelsregister einzutragen, können das aber freiwillig tun.

Frage vorab bei der Industrie- und Handelskammer nach, ob du besondere Zulassungen, Genehmigungen oder Nachweise benötigst. Wenn du sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter, Auszubildende oder Minijobber beschäftigen möchtest, musst du bei der Bundesagentur für Arbeit eine Betriebsnummer beantragen. Der Behördenwegweiser des Bundeswirtschaftsministeriums hilft dabei, sich im Gewirr der Behörden und Anmeldeformalitäten zurechtzufinden (www.bmwi-wegweiser.de).

7. Loslegen

Die Gewerbeanmeldung hast du hinter dir, die Steuernummer liegt vor, du hast Büroräume angemietet oder dir ein Arbeitszimmer eingerichtet; du bist offiziell selbstständig – nun geht es darum, Aufträge zu akquirieren. Nutze dabei verschiedene Kanäle. Knüpfe fleißig Kontakte, sprich über deine Selbstständigkeit und schließe dich Branchennetzwerken an. Selbst wenn sich darüber keine neuen Aufträge ergeben, hilft der Erfahrungsaustausch sehr.

Sorge außerdem für einen guten Online-Auftritt: Eine eigene Website oder zumindest ein gepflegtes Profil in sozialen Medien wie Xing oder LinkedIn ist Pflicht. Unternehmen suchen durchaus auch über diese Kanäle nach Selbstständigen für Projektaufträge.

Wer möchte, kann auch Online-Auftragsbörsen nutzen. Viele der Projektbörsen sind (zumindest in ihrer Basisversion) kostenfrei. Dort kannst du dich entweder auf ausgeschriebene Projekte bewerben und/oder ein eigenes Profil anlegen. Es kann sich auch lohnen, an Wettbewerben oder Förderpreis-Ausschreibungen teilzunehmen. Wenn du auf einem der vorderen Plätze landest, sorgt das für gute Publicity.

Die unbestritten erfolgreichste Art der Kundenwerbung ist gute Mundpropaganda. Wenn du bereits einige Aufträge erfolgreich abgeschlossen hast, bitte deine Kunden um Referenzen oder um aktive Weiterempfehlung.

8. Bürokratie beherrschen

Neben der Kundenakquise und der eigentlichen Projektarbeit müssen sich Selbstständige auch um die Buchhaltung kümmern. Rechnungen schreiben ist der angenehme Teil dieser Arbeit, doch leider muss auch regelmäßig eine Umsatzsteuererklärung gemacht werden, und die Buchführung ist ebenfalls auf dem aktuellen Stand zu halten.

Wer sich in diese Themen nicht einarbeiten möchte, kann Fachleute – z. B. einen Steuerberater – einschalten. Trotzdem kommt man nie ganz darum herum, sich mit der Bürokratie des eigenen Unternehmens zu beschäftigen.

Auch die Frage nach einer geeigneten Versicherung für den Betrieb (z. B. Berufshaftpflicht) will beantwortet werden. Selbstständige sind nicht versicherungspflichtig. Das heißt: Du musst dich selbst privat oder freiwillig gesetzlich krankenversichern. Bedenke außerdem, dass du selbst für deine Altersvorsorge zuständig bist. Das ist ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor.

9. Weiterbilden

Die Welt steht nicht still. Umso wichtiger ist es, sich immer fachlich auf dem Laufenden zu halten – durch Fortbildungen, Online-Seminare oder die Lektüre einschlägiger Fachzeitschriften oder Blogs.

Wenn du keinen Steuerberater engagieren möchtest, kannst du ein Steuerseminar oder eine Fortbildung zu Buchführung und Rechnungswesen besuchen. Auch ein BWL-Kurs kann nicht schaden. Es gibt eine Vielzahl von Anbietern, darunter die Industrie- und Handelskammern und viele Hochschulen/Career Center. Achte bei der Auswahl des Weiterbildungsanbieters darauf, dass es sich um ein seriöses Unternehmen handelt. Gibt es authentische Erfahrungsberichte oder Bewertungen zu den Seminaren?

Studien über die Zeiteinteilung von Selbstständigen zeigen: Rund ein Drittel der zur Verfügung stehenden Zeit entfällt auf Kundenakquise, ein weiteres Drittel auf Buchhaltung bzw. Verwaltung. Nur ein Drittel der Zeit bleibt für die eigentliche Arbeit übrig. Das erfordert ein gutes Zeitmanagement. Wenn du damit Probleme hast, solltest du frühzeitig über eine Weiterbildung zu diesem Thema nachdenken.

Wer sich bei der Ansprache von Neukunden schwertut, kann im Rahmen einer Fortbildung passende Vertriebs- und Vermarktungsstrategien erlernen. Je nachdem, wen man wie von den eigenen Produkten oder Dienstleistungen überzeugen will, können Seminare zu Elevator Pitching, zu souveränem Telefonieren oder zu erfolgreichem Netzwerken helfen. Erfreulicherweise gibt es im Internet auch zahlreiche kostenlose Online-Tutorials und Anleitungen für die kleine Lerneinheit zwischendurch.

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