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Grün, digital, knapp – und gut bezahlt

Schild, Hiring, Active Sourcing [Quelle: pixabay.com, Autor: geralt]

Quelle: pixabay.com, geralt

Ökologie, Digitalisierung und Demografie sorgen auf dem Arbeitsmarkt für eine Ausnahmesituation. Exklusive Daten zeigen: Der Wert der einzelnen Arbeitnehmer wird in Zukunft deutlich steigen.

Im Jahr 2030 werden heutige Viertklässler schon bald den nächsten Bundestag wählen können. Wer heute im Teenageralter ist, wird dann mit Studium oder Ausbildung fertig sein und ins Berufsleben starten. Doch welcher Job bietet wirklich gute Zukunftsperspektiven und Aussichten auf eine hohe Bezahlung?

Eine Antwort gibt die Detailauswertung des "Future of Job"-Reports, die die Boston Consulting Group (BCG) und die Gehaltsplattform Gehalt.de exklusiv für das Handelsblatt vorgenommen haben. Eine Liste mit 35 Jobs aus den Bereichen Ingenieurwesen, Business Operations, IT und Gesundheitswesen bietet künftigen Berufs-und Quereinsteigern Orientierung, wo die Verdienstaussichten besonders attraktiv sind: Jedes der Stellenprofile liegt im Median bei einem Jahreseinkommen von mindestens 75.000 Euro.

Das Medianeinkommen ist das Einkommen, bei dem es genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Gehalt gibt. Somit fallen statistische Ausreißer bei dieser Kennzahl weniger stark ins Gewicht als beim Betrachten des Durchschnittswerts. Die bestbezahlte Stelle auf der Liste ist die einer Technischen Leitung mit einem Medianjahresgehalt von 111.497 Euro. Auch Internisten, Hausärzte und Dermatologen dürfen 2030 mit sechsstelligen Jahresgehältern rechnen und werden gleichzeitig am Arbeitsmarkt noch stärker nachgefragt sein als heute.

Acht Stellenprofile auf der Liste liegen in der Prognose für das Jahr 2030 bei über 90.000 Euro Bruttojahresgehalt. Darunter Chemie- und Elektroingenieure, die unter anderem für die Produktion für E-Autos eine entscheidende Rolle spielen. Je nach Region und Größe des Arbeitgebers sind bei den Gehaltsangaben deutliche Abweichungen nach oben möglich. So sind bei bekannten Marken wie Volkswagen oder Tesla sechsstellige Gehälter in vielen Fällen schon heute für solche Jobprofile realistisch.

Die Angaben zur Bezahlung hat die Gehaltsdatenbörse Gehalt.de auf Basis von gut 42.000 realen Einkommensangaben für das Jahr 2030 hochgerechnet. Für die genannten Topberufe 2030 sind die Experten – je nach Häufigkeit des Stellenprofils – von 2,4 bis 3,5 Prozent jährlichem Gehaltszuwachs ausgegangen, was eher eine konservative Schätzung ist. Zur Einordnung: In den vergangenen zehn Jahren sind die Einkommen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt jedes Jahr um etwa 2,5 Prozent gestiegen. Viele Ökonomen gehen aber davon aus, dass die Fachkräfteknappheit in Zukunft zu deutlich höheren Löhnen führen wird. Dazu kommt die Inflation, die zuletzt stark gestiegen ist und in den kommenden Jahren das Einkommensniveau weiter nach oben treiben dürfte.

Nachhaltigkeit, Mathematik, IT: Diese Profile sind künftig gefragt

Bei der Jobnachfrage wird sich der Mangel den BCG-Zahlen zufolge am stärksten in mathematischen Berufen zuspitzen. So werden laut der Analyse 2030 kumuliert rund 85 Prozent mehr Fachkräfte in dem Bereich fehlen als heute. Ein Mathematiker wird laut der Übersicht zu Beginn des nächsten Jahrzehnts im Median auf rund 84.000 Euro Bruttojahresgehalt kommen. Auch hier gilt: Je nach Branche und Region dürften deutlich höhere Einkommen drin sein.

Auch bei IT-Berufen wird die Fachkräftelücke bis 2030 weiter wachsen – auf 1,1 Millionen fehlende Fachkräfte. Am stärksten in dem Bereich nachgefragt sein werden Analysten für Cybersicherheit, Data Scientist, Softwareentwickler sowie sogenannte Research Scientists für Künstliche Intelligenz (KI). Sie zählen auch zu den Jobs mit den größten Gehaltssteigerungen in den kommenden Jahren. So dürften Analysten für Cybersicherheit zu Beginn des nächsten Jahrzehnts gut 35 Prozent mehr verdienen als heute (96.003 Euro Mediangehalt). Research Scientists kommen auf knapp 34 Prozent mehr Gehalt bis 2030 (92.088 Euro Mediangehalt). Ähnlich sieht es bei Robotikingenieuren aus (93.984 Euro Mediangehalt).

Für die Auswertung hat BCG neben der Bevölkerungsentwicklung zwei volkswirtschaftliche Entwicklungsszenarien für die nächsten Jahre durchgespielt: eines, in dem sich die deutsche Wirtschaft nach der Coronakrise relativ schnell erholt, und ein konservativeres, in dem sich die Krise noch weitere Jahre negativ auf das Bruttoinlandsprodukt auswirkt. Zusätzlich haben die Berater mithilfe der Analysefirma Faethm die Arbeitsmarktsituation für drei unterschiedliche Technologieszenarien simulieren lassen. Berücksichtigt wurden insgesamt 17 Schlüsseltechnologien, die in den nächsten Jahren konkrete Auswirkungen auf die Aufgaben unterschiedlicher Berufe haben werden – von robotergesteuerter Prozessautomatisierung (RPA) bis hin zum Einsatz von Software mit KI oder Augmented-Reality-Lösungen.

"Momentan sind aufgrund der Digitalisierung vor allem die IT-Talente im Fokus", sagt Philipp Kolo, Partner bei BCG und einer der Autoren der Studie. Er sieht aber schon den nächsten Bereich kommen, in dem der Mangel an Talenten absehbar und mindestens ebenso groß sein wird. So gehe es laut Kolo darum, "die bestehenden Geschäftsmodelle nicht nur zu digitalisieren, sondern vor allem hinsichtlich der Nachhaltigkeit neu zu gestalten". Auch hier dürften zahlreiche neue Jobs entstehen. Das sehen auch andere Experten so.

Digitaler Wandel geht eher mit Veränderungen bei Arbeitsaufgaben einher als mit Jobabbau.

Oliver Stettes - Arbeitsmarktforscher IW Köln

"Die Entwicklung am Arbeitsmarkt wird durch das Zusammenfallen von demografischem, ökologischem und digitalem Wandel geprägt sein", erklärt Oliver Stettes, Leiter des Kompetenzfelds Arbeitsmarkt und Arbeitswelt beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln). Der demografische Wandel werde dabei "allgemein den Wettbewerb um Fachkräfte intensivieren", meint Stettes. Die Digitalisierung geht nach Einschätzung des Experten "eher mit Veränderungen bei Arbeitsaufgaben einher als mit Jobabbau". Und der ökologische Wandel könne in bestimmten Branchen und Regionen zu verstärkten Fachkräfteengpässen, aber auch Arbeitslosigkeit führen – etwa dann, wenn klimaneutrale Technik die Arbeitsplätze in energieintensiven Branchen gefährdet.

Grafik Wo in Zukunft am meisten verdient wird [Quelle: Handelsblatt]
Grafik Wo in Zukunft am meisten verdient wird [Quelle: Handelsblatt]

Routinejobs werden hierzulande deutlich weniger

Dass qualifizierte Fachkräfte in Deutschland knapp sind, ist kein neues Phänomen. Mit der Coronakrise addiert sich der Personalmangel in vielen Branchen jedoch auf. Neben der Autoindustrie ist die Nachfrage nach qualifiziertem Personal auch in der IT-Branche, im Maschinenbau, der Elektrotechnik, dem Handel und der öffentlichen Verwaltung zuletzt stark gestiegen – alles eher Jobs für Menschen mit einer höheren Bildung und Qualifikation.

"Der Trend zur Spezialisierung auf intellektuell anspruchsvolle Tätigkeiten geht zulasten von Routinetätigkeiten", sagt Hilmar Schneider, Leiter des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Diese würden entweder automatisiert oder an kostengünstigere Standorte im Ausland verlagert. Das könne zu einer fortschreitenden Polarisierung bei den Gehältern und damit auch zu einer stärkeren gesellschaftlichen Spaltung führen. Kurzfristig ließen sich Fachkräfteengpässe mit Unterstützung von außen abfedern, heißt es in der BCG-Analyse, also etwa durch Freiberufler oder Agenturen. "Das ist allerdings nicht nur teuer, sondern hindert Unternehmen auch daran, sich eigenes Wissen aufzubauen", mahnt Studienautor Kolo. Mittel- und langfristig gelte es daher, in Umschulungen und Weiterbildungen zu investieren – und was ebenso wichtig ist, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, um gutes Personal langfristig zu halten. Denn: Laut der Society of Human Resources Management kostet es Unternehmen in der Regel mehr als die Hälfte eines Jahresgehalts, um einen neuen Mitarbeiter einzustellen und einzuarbeiten.

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