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Wie oft soll ich die Stelle wechseln?

Aktentasche Karriere Job [Quelle: unsplash.com, Marten Bjork]

Quelle: unsplash.com, Marten Bjork

Wer sich regelmäßig einen neuen Arbeitgeber sucht, macht nicht nur immer wieder neue Erfahrungen, sondern steigt auch schnell auf und verdient gut. Stimmt das wirklich?

Siemens-Chef Joe Kaeser hat sein gesamtes Berufsleben in einem einzigen Konzern verbracht: Gleich nach seinem Examen 1980 bewarb sich der frisch diplomierte Betriebswirt bei Siemens und wurde eingestellt. 26 Jahre später bekam er einen Sitz im Konzernvorstand, und es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis er schließlich auf den obersten Chefposten berufen wurde. "Hauskarriere" nennen Personalberater solche Lebensläufe, und dabei schwingt immer etwas Angestaubtes, aus der Zeit Gefallenes, mit.

Dabei ist Joe Kaeser keine Ausnahme. Auch der langjährige Daimler-Chef Dieter Zetsche blieb sein Leben lang einem einzigen Arbeitgeber treu. In Deutschland sind solche Hauskarrieren im Spitzenmanagement noch immer weit verbreitet. Vielen erscheint das muffig. Karriere lässt sich sicherlich auch ganz anders machen.

Jungen, ehrgeizigen Berufstätigen wird heute oft empfohlen, in kurzer Zeit möglichst viel Erfahrung auf unterschiedlichen Posten zu sammeln. 3 bis 5 Jahre in derselben Position sei eine optimale Dauer, heißt es oft. Man lerne in dieser Zeit viele neue Fähigkeiten, danach flache die Lernkurve allerdings ab. Daher sei ein Stellenwechsel spätestens nach 5 Jahren angeraten.

Der aktuelle Arbeitsmarkt erlaubt es, zu wechseln. In Deutschland herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Anders als früher werden Fachkräfte in den meisten Branchen heute händeringend gesucht. Oft können Angestellte mit einem Wechsel ihr Gehalt auch merklich erhöhen. Laut einer Befragung des Online Stellenportals Stepstone steigt bei einem Jobwechsel das Gehalt im Schnitt um knapp 10 Prozent. Das höhere Gehalt ist daher einer der wichtigsten Gründe für einen Wechsel: 4 von 5 Stellenwechsler erwarten laut Stepstone eine bessere Bezahlung, wenn sie den neuen Posten annehmen. Im Schnitt erwarten sie rund 5.000 Euro mehr, wenn sie sich auf eine neue Stelle bewerben.

Chancen für Weiterbildung entscheiden

Bei jedem Wechsel ergibt sich die Chance und auch ein berechtigter Grund, neu über das Gehalt zu verhandeln. Ein höheres Gehalt ist ein gutes Argument für einen Wechsel, aber selbst finanziell nicht das allein entscheidende: Letztlich ist aus finanzieller Sicht eher das Lebenseinkommen entscheidend, also das Einkommen, das sich im Laufe des gesamten Berufslebens erzielen lässt. "Auch Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten sind ausschlaggebend", sagt Tobias Zimmermann von Stepstone: "Es kommt auf das Gesamtpaket an."

Wie entwickelt sich das Gehalt typischerweise im Laufe des Berufslebens? Im Schnitt können Fach- und Führungskräfte ihr Gehalt im Laufe ihrer Karriere um 50 Prozent steigern, hat eine Auswertung des Portals Stepstone ergeben. Die mit Abstand größten Gehaltssprünge gibt es in der ersten Hälfte des Berufslebens. Im Alter zwischen 30 und 40 steigen die Gehälter doppelt so schnell wie zwischen 40 und 50. Ab 50 steigt das Gehalt nur noch minimal. Das gilt jedoch nicht für Führungskräfte. Deren Gehalt entwickelt sich "auch im späten Berufsleben noch sehr dynamisch", heißt es in der Untersuchung.

Ehrgeizige sollten daher gut überlegen, ob ein Wechsel auf eine besser dotierte Stelle ihrer Laufbahn langfristig guttut. Oft ist es eine Gratwanderung: Wer öfter seine Stelle wechselt, signalisiert damit einerseits, dass er flexibel ist, Neugier besitzt und bereit ist, sich immer wieder auf Neues einzulassen. Andererseits kann es auch ein Zeichen mangelnder Konstanz, fehlenden Durchhaltevermögens oder wenig ausgeprägter Loyalität sein. Dieses Manko dürfe man nicht unterschätzen, warnt der Personalberater Steffen Gräff von Korn Ferry: "Mit einem Wechsel alle 2 bis 3 Jahre hat man bisher keine große Karriere machen können", sagt der erfahrene Headhunter, der oft mit der Suche nach Führungskräften beauftragt wird. "Wenn ich für einen Kunden Manager suche und dann Kandidaten mit vielen Wechseln vorstelle, kommt schnell die Frage auf: Kann der überhaupt beißen? Oder rennt der weg, sobald es Probleme gibt?"

Für gute Karrieren brauche man meist deutlich längere Etappen: "Loyalität kann in Frage gestellt werden, wenn jemand alle 3 bis 5 Jahre wechselt", sagt Gräff. Hinzu kommt: "Die Unternehmen investieren oft nicht in Mitarbeiter, von denen vermutet wird, sie sind in 2 oder 3 Jahren wieder weg."

Manche Angestellten fürchten, wenn sie viele Jahre beim selben Arbeitgeber blieben, erwecke das nach außen den Eindruck der Stagnation. Personalberater Gräff winkt ab. Eine lange Betriebszugehörigkeit werde nur dann zum Malus, wenn man sich nicht weiterentwickele. Solange jemand belegen könne, dass er innerhalb seines Unternehmens verschiedene Aufgaben bewältigt und schrittweise zusätzliche Verantwortung übernommen habe, sei eine lange Verweildauer kein Problem.

Nachwuchs mit internationalen Karrieren locken

In großen Unternehmen ist eine interne Karriere mit verschiedenen Stationen sicherlich leichter, weil es viele Karriereoptionen innerhalb des Unternehmens gibt. Hoffnungsvolle Nachwuchsmanager werden in Konzernen über Jahre in ausgeklügelten Nachwuchsprogrammen aufgebaut und gezielt auf verschiedene Stationen geschickt, um Erfahrungen zu sammeln – oft werden sie auch mal ins Ausland entsandt. Sie können das Stammhaus verlassen und in Tochtergesellschaften ihre Tauglichkeit im Alltag unter Beweis stellen – ohne den Konzern zu wechseln. Auch Siemens-Chef Kaeser und der frühere Daimler-Chef Zetsche haben auf ihrem Weg an die Konzernspitze auf unterschiedlichsten Posten im Konzern gearbeitet. So war Kaeser unter anderem in Malaysia und Kalifornien tätig, Zetsche in Brasilien, Argentinien und in den Vereinigten Staaten aktiv.

In Familienunternehmen sind solche Karrieresprünge freilich nicht so einfach. "Da werden Spitzenkräfte nach 6 Jahren unruhig", gesteht Gräff ein. "Mein Ratschlag: Nach 7 oder 8 Jahren wechseln ist in Ordnung, wenn eine interne Karriere nicht mehr möglich erscheint."

Tatsächlich ist zwar viel von Arbeitsnomaden in der Berufswelt die Rede, viele Beschäftigungsverhältnisse sind aber erstaunlich konstant: "Das Gefühl, alles beschleunige sich, ist stark ausgeprägt", sagt der Arbeitsmarktforscher Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft. Die durchschnittliche Dauer der Betriebszugehörigkeit habe sich in den vergangenen Jahren aber kaum verändert. Laut Zahlen der OECD arbeiten rund 40 Prozent aller Arbeitnehmer schon 10 Jahre oder länger in ihrem Betrieb.

Ab welchem Alter wird ein Wechsel schwierig? "In unseren Stellenprofilen steht oft ein Wunschalter: Anfang des Jahrtausends war da oft die Idealvorstellung: Ende 30 bis Mitte 40. Das hat sich deutlich nach hinten verschoben", sagt Gräff: "Ende 40 bis Anfang 50 ist heute genauso interessant. Eng wird es erst später." Und auch für Mitarbeiter in den späteren Berufsjahren, verändere sich die Situation wegen der demographischen Entwicklung allmählich. "Früher gab es den Spruch: 'Mit 50 soll man wissen, wo man hingehört'. Das gilt heute nicht mehr", sagt Gräff: "Auch mit Mitte 50 hat man noch sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt – da hat man noch 12 Jahre im Unternehmen. Hinzu kommt: Viele sind heute mit Mitte 50 auch richtig fit."

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