Partner von:

Der verhasste Jargon

Business Manager Kommunikation [Quelle: unsplash.com, Autor: rawpixel]

Quelle: unsplash.com, rawpixel

Wenn scheinbar jeder Managementsprache verabscheut, warum nutzen sie dann so viele Führungskräfte? Ganz einfach: Weil wir sie brauchen. Eine Verteidigung.

Bullshit ist überall. Er quillt aus Plenarsälen, Konferenzräumen und Beratermündern, raunt aus "Townhalls", "Business Summits" und "Get-togethers". Er ist daran zu erkennen, dass er verklärt, verharmlost und verkompliziert. Wenn von "Dovetailing" die Rede ist, obwohl es eigentlich nur darum geht, dass etwas Neues zur bisherigen Unternehmensstrategie passt – dann ist das Bullshit. Wenn sich alle Angestellten lieber zu einem neuen Projekt "committen" sollen statt sich dazu zu bekennen. Ebenfalls Bullshit.

Aber nicht nur (d)englische Begriffe tragen oft den Duft des Dungs an sich. Auch deutsche Managementwörter sind mitunter irreführend. Seit längerem etwa hat sich die Phrase "am Ende des Tages" in Besprechungen eingenistet. Liebend gern wüsste man: Ja was ist denn am Ende des Tages? Feierabend? Sprachlich gesehen bestimmt.

Tatsächlich ist es leicht und macht Spaß, sich über Managersprache lustig zu machen. Weite Teile der Büro-Satire "Stromberg" mit dem großartigen Christoph Maria Herbst basieren auf diesem Mechanismus. Der fiktive Versicherungsmanager hat vor Längerem sogar ein eigenes Langenscheidt-Wörterbuch herausgebracht, um zwischen "Chef – Deutsch" und "Deutsch – Chef" zu übersetzen.

Es gibt außerdem ein Spiel namens Bullshit-Bingo. Die Regeln sind schnell erklärt: Einfach Phrasen überlegen, die im nächsten "Business Meeting" fallen könnten, Zettel mit in den Konferenzraum nehmen und abstreichen, sobald ein Wort fällt. Socializen, Greenlighten, Umswitchen, Syncen – Bingo. Auf Amazon lassen sich die Spielbögen vorausgefüllt mit semantischem Stuss sogar käuflich erwerben. Bullshit hat also Marktpotenzial. Vor allem, wenn man Witze darüber reißt. Das Problem: Diese Haltung bringt uns nicht weiter.

Unternehmen sind kompliziert. Das zeigt schon ihre Größe: Nimmt man alle Belegschaften der Dax-30-Unternehmen her und bildet einen Mittelwert, ergibt sich ein Schnitt von gut 130.000 Mitarbeitern. 130.000 Menschen – das sind etwa so viele Menschen, wie in Ingolstadt oder Wolfsburg leben.

Wer in diesen Dimensionen führen muss, für den ist Sprache nicht bloß ein wichtiges, sondern das entscheidende Werkzeug. Eine Führungskraft muss von ihren Mitarbeitern und anderen Führungskräften unbedingt verstanden werden. Dabei geht es jedoch nicht um "Sprachfinessen", wie der Managementprofessor Fredmund Malik korrekt feststellt, sondern um "Klarheit, Richtigkeit und professionelle Präzision". Aus Maliks Sicht ist Managersprache dann gut, wenn sie der Führung eines Unternehmens dient. Nicht wenn sie schön klingt. Fachjargon ist also ausdrücklich erlaubt.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich meine damit weniger jenen Bullshit, hinter dem sich Manager verstecken, wenn sie eigentlich gar nichts sagen wollen – perspektivisch gesehen am Ende des Tages. Sondern Fachbegriffe, die knapp und eindeutig sind und dadurch helfen, Missverständnisse zu vermeiden, Besprechungen zu verkürzen und vom Reden schneller zum Handeln zu kommen.

Wenn ein Manager zum Beispiel von seinem Controller die neuesten "KPI" anfordert, dann möchte er exakt jene zuvor festgelegten Schlüsselzahlen haben, die wirklich Aufschluss darüber geben, wie die Geschäfte laufen. Für Vertriebler wiederum ist es völlig normal im "Sales Funnel" zu denken, auch wenn der "Vertriebstrichter" auf Deutsch unfreiwillig komisch klingt. Es sind Konzepte und Worte, die für die Betroffenen klar sind. Und das ist in Ordnung so.

Jede Disziplin hat ihre Fachsprache

Fachsprache entsteht, sobald sich eine Profession beginnt zu professionalisieren. Gute Fachbegriffe machen Kommunikation schneller, nicht langsamer. Schließlich wissen die Fachleute, was gemeint ist. In anderen Disziplinen haben wir damit meist kein Problem.

Gerade kicken zum Beispiel inzwischen noch 16 Nationalmannschaften in Russland um den Weltmeistertitel. Wenn da permanentes Gegenpressing dazu führt, dass Tore fast nur noch aus ruhenden Bällen entstehen – dann werten wir solche Begriffe als Ausweis von Expertise. Auch auf einer Segelyacht findet es niemand zum Lachen, wenn das Vorliek am Lümmelbeschlag schamfilt. Und wie fahrlässig wäre es, wenn ein Arzt einen Patienten an einen seiner Kollegen mit der allgemein verständlichen Diagnose "Lungenkrebs" überweist statt den Tumor genau zu klassifizieren? Der Patient müsste bei jeder Überweisung aufs Neue vollständig untersucht werden.

Nicht nur Mediziner, auch Juristen, Journalisten, Wissenschaftler und viele andere Berufe haben ihre eigenen Sprachkodizes, die ihnen den Arbeitsalltag erleichtern. All diese Berufsgruppen grenzen sich damit auch ein Stück weit von dem ab, was Juristen gerne die "Laiensphäre" nennen. Trotzdem scheint Managersprache mit Abstand der verhassteste unter den Fachjargons. Warum bloß?

Ein zentrales Motiv ist Angst. Angst vorm Jobverlust, vor Stress, vor Veränderung. Wer Managersprache spricht, der gehört "zu den anderen", den "Neoliberalen", den "Meckies" (Kurzform für die Fußtruppen der Unternehmensberatung McKinsey, falls Sie den Ausdruck noch nicht kannten). Der gehört zu denen, die den "Overhead reduzieren" und "Mitarbeiter freisetzen". Galt lange Zeit die Sprache der Verwaltung als Synonym für Kaltherzigkeit, ist es heute die des Managements. Wer darüber spottet, verbrüdert sich gegen "die da oben".

Was dabei viele außer Acht lassen: Ein Frontenkrieg mit Wir-ihr-Rhetorik sorgt in jeder Organisation für Blockaden in der Zusammenarbeit. Und das mindert die eigene Jobsicherheit weit mehr als das jedes noch so verquaste Consultantendeutsch vermag. Es stimmt: Berater haben die Managementsprache miterschaffen – und ihren schlechten Ruf gleich mit.

nach oben

Wer weiß, was seine Qualifikationen wert ist, hat beim Gehaltspoker bessere Karten. In unserer großen Gehaltsdatenbank kannst du nachsehen, was andere e-fellows in deiner Position verdienen.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentar (1)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

  1. Anonym

    Den Vergleich, dass "Netflix-Serien im englischen Originalton" angeschaut würden, aber dieselben Personen etwas gegen allzuviele Anglizismen hätten, finde ich unangebracht. Schließlich gibt es einen Unterschied, ob man in seine deutschen Sätze übertriebene Denglisch-Business-Floskeln einbaut; oder ob man rein auf Englisch kommuniziert und es daher kein Denglisch gibt.

Das könnte dich auch interessieren