Partner von:

Wie geht Netzwerken digital?

Linkedin, Zettel [Quelle: pexels.com, Autor: Oleg Magni]

Quelle: pexels.com, Oleg Magni

LinkedIn ist das größte berufliche Onlinenetzwerk. Wie im echten Leben gibt es dort ungeschriebene Regeln, die man kennen sollte, um Fettnäpfchen zu vermeiden.

Netzwerken ist wichtig – so wurde es uns immer wieder im Studium vermittelt. Gerade Journalisten helfe es bei der Themenfindung und öffne berufliche Türen. Doch wie baue ich mir ein Netzwerk überhaupt auf? Vor der Pandemie schaffte man das am besten vor Ort auf Veranstaltungen oder Tagungen. Also meldete ich mich kurz nach meinem Bachelorstudium bei einer dreitägigen Tagung für Wissenschaftsjournalisten an. Guter Dinge ließ ich einen Satz Visitenkarten anfertigen. Die Tagung begann mit einer lockeren Abendveranstaltung. Ungezwungen konnten so die Leute ins Gespräch kommen. Allerdings fühlte sich das Ganze für mich wie eine Art Klassentreffen an - und ich war nicht Teil dieser Klasse. Ich mischte mich unter die Leute und versuchte, mich an deren Gesprächen zu beteiligen. Doch kurz darauf lösten sich die Grüppchen wieder auf, und ich blieb zurück. An diesem Abend bin ich etwa fünf Visitenkarten losgeworden und war ziemlich ernüchtert.

Warum ich Ihnen diese Anekdote erzähle? Netzwerken kann gerade für introvertierte Menschen anstrengend und frustrierend sein. "Manche genießen es, für andere ist es wiederum Arbeit außerhalb der Arbeit", sagt Julia Christoph. Sie ist Wirtschaftspsychologin und Kommunikationsexpertin bei LinkedIn Deutschland. Die Menschen, mit denen man sich gern vernetzen möchte, sind bei beruflichen Netzwerken wie LinkedIn und Xing einen Mausklick entfernt. Anstrengender Small Talk und peinliche Stille sind hier eher selten.

800 Millionen Mitglieder

Gerade LinkedIn hat während der Pandemie einen Boom erfahren, da sich alles ins Digitale verlagerte. Rund 17 Millionen Menschen nutzen die Plattform allein im deutschsprachigen Raum, auf der ganzen Welt zählt sie mehr als 800 Millionen Mitglieder. LinkedIn wolle im beruflichen Kontext "Chancen auftun", sagt Christoph. "Für den einen ist es im besten Fall ein neuer Job, für den anderen sind es neue Kontakte, neues Wissen oder Inspiration." Ihr Tipp, wie man sich ein gutes Netzwerk aufbaut, ist, mit dem Offensichtlichen anzufangen: "Verbinde dich mit den Menschen, die du kennst und denen du vertraust." Also Familie, Freunden aus dem Studium oder der Ausbildung und Kollegen. Die Qualität der Kontakte definiere den Newsfeed. Hier werden die Aktivitäten der Kontakte angezeigt, etwa wenn diese einen Beitrag selbst verfassen, einen anderen kommentieren oder mit einem "Gefällt mir" honorieren.

Man solle nicht wahllos Kontakte hinzufügen, die man nicht persönlich kenne, sagt auch die Social-Media-Expertin Friederike Gonzalez Schmitz. "Solche Kontaktesammler empfinden die meisten Nutzer als nervig." Als ehemalige PR-Managerin berät Gonzalez Schmitz seit 2012 Unternehmen zum Thema Personal Branding auf LinkedIn. Eine gute Strategie sei es, sich erst einmal zu überlegen, was und wen man mit seinem Profil im Netz erreichen wolle.

Jede Person sollte mit einer persönlichen Nachricht angeschrieben werden, rät sie. "Dabei hilft ein Blick ins Profil. Dort findet sich bestimmt eine Gemeinsamkeit", sagt Gonzalez Schmitz. Oder zumindest ein möglicher Anknüpfungspunkt, den man in die persönliche Anfrage einfließen lassen könne. Obwohl es sich bei LinkedIn um ein soziales Netzwerk handelt und auf Social Media das Duzen eigentlich normal ist, empfiehlt die Beraterin das Siezen. "Die deutsche Sprache bietet das förmliche Sie an. Dann sollten wir es auch nutzen", sagt Gonzalez Schmitz. Es gebe noch sehr viele Personen, gerade auf den höheren Ebenen, die das Sie noch zu schätzen wüssten. Das Duzen "kommt einfach in der ersten Ansprache ungünstig an". Wer dem Duzen offen gegenüberstehe, könne das mit #GernePerDu im Anschreiben kenntlich machen.

"Zum erfolgreichen Netzwerken gehört ein eigenes vollständig ausgefülltes Profil, das gern eine persönliche Note haben darf", sagt Kommunikationsexpertin Julia Christoph. Wichtig sei es, die Spalte "Kenntnisse und Fähigkeiten" umfassend auszufüllen. Wer sich etwa wegen der Stellensuche auf LinkedIn bewegt, schaffe es auf diese Weise, leichter von einem Recruiter – oder Algorithmus – gefunden zu werden. "Firmen suchen vermehrt nach Skills und weniger nach Abschlüssen", sagt Christoph. Unverzichtbar sei zudem ein Profilbild - da sind sich Gonzalez Schmitz und Christoph einig. So bekomme man neunmal mehr Kontaktanfragen. Jedoch lässt sich hier über die Qualität streiten. Laut Christoph reicht ein Selfie aus; Gonzalez Schmitz rät hingegen zu einem professionellen Bild vom Fotografen.

LinkedIn müsse – um dort wirklich erfolgreich zu sein – regelrecht in den Berufsalltag integriert werden, glaubt Gonzalez Schmitz. Das kostet Zeit. Sie rät dazu, etwa zwanzig Minuten am Tag auf der Plattform zu verbringen. "Man kann da so unglaublich viel lesen, diskutieren und lernen." Deshalb mache es auch Spaß. Für ein erfolgreiches Selbstmarketing empfiehlt sie, etwa dreimal pro Woche einen eigenen Beitrag zu verfassen und dabei die verschiedenen Optionen wie Bilder, Videos oder Präsentationen auszuprobieren. "Auch gern mal am Wochenende posten. Da hat man nicht so viel Konkurrenz", regt sie an.

Katzen-Memes wären auf LinkedIn eher untypisch, so beschreibt Julia Christoph den Ton, der in dem Karrierenetzwerk herrscht. Das Geschäftliche soll im Mittelpunkt stehen. "Das heißt nicht, dass Humor hier nicht gewollt ist. Natürlich darf man auch sehen, dass Arbeit Spaß machen kann." Auf LinkedIn suchten die Nutzer aber eher als auf anderen Plattformen berufsbezogene Themen und Diskussionen, an denen sie sich beteiligen können. Bevor man nur ein Bild von seinem Mittagessen postet, sollte man lieber gar keinen Beitrag publizieren und alternativ die Beiträge anderer Mitglieder kommentieren und teilen, finden beide Expertinnen. Denn allzu triviale Inhalte kämen bei der Community häufig nicht so gut an. "Auf LinkedIn investieren die Menschen in der Regel ihre Zeit und vertreiben sie sich nicht", fasst es Christoph zusammen.

Ein guter Beitrag habe laut Gonzalez Schmitz höchstens fünf zum Thema passende und relevante Hashtags, die man vorher recherchiert haben sollte. Außerdem sei es ratsam, Personen handverlesen im eigenen Beitrag zu markieren. So werden diese auf den Beitrag aufmerksam und könnten sich in die Diskussion einbringen. "Der Ton auf LinkedIn ist ein wertschöpfendes und konstruktives Miteinander", sagt Christoph. Netzwerken sei keine Einbahnstraße und bestehe aus einem Geben und Nehmen. Der Grundgedanke von LinkedIn sei, dass "es im Prinzip für jedes Problem, das ich in meinem Beruf habe, da draußen irgendjemanden gibt, der schon mal ein ähnliches Problem hatte und eine Lösung kennt".

Kontakte auch mal ausmisten

Und ist das Surfen auf der Plattform Arbeitszeit? Das hängt stark vom Einzelfall ab. Es kommt zum Beispiel darauf an, ob das Unternehmen selbst auf LinkedIn vertreten ist. Wenn ja, sind aktive Nutzer für das Unternehmen ein Gewinn, findet Beraterin Gonzalez Schmitz. Nicht immer heißt das automatisch, dass das Netzwerken während der Arbeitszeit erlaubt ist. Klare Absprachen darüber helfen beiden Seiten – dem Arbeitgeber wie dem Arbeitnehmer. Und, das ist Gonzalez Schmitz wichtig: Die Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter im richtigen Umgang mit der Plattform schulen. 

Christoph rät, das LinkedIn-Profil der jeweiligen Lebensphase anzupassen, Kontakte auch mal auszumisten oder Anfragen abzulehnen, wenn sie nicht zu den persönlichen Bedürfnissen passen. Und je nach Lebensphase raten beide Expertinnen, die Einstellungen zu überarbeiten. "Es heißt, dranbleiben und weitermachen. Das zahlt sich aus", sagt Gonzalez Schmitz. 

Sein Netzwerk aufzubauen und zu pflegen kostet Mühe. Doch gerade für introvertierte Menschen ist das digitale Kontaktepflegen hilfreich. Die Hemmschwelle, jemanden anzuschreiben, ist geringer, und durch den im Profil hinterlegten Lebenslauf bekommt man eine Idee, wie das Gegenüber tickt. Durch kluge Kommentare und Beiträge können auch diejenigen glänzen, die auf einer Tagung stumm geblieben wären. Weil das Zwischenmenschliche fehlt, bleiben natürlich trotzdem Unterschiede zum persönlichen Kontakt. In Pandemiezeiten hat aber auch das seine Vorteile.

Alle Rechte vorbehalten. Copyright Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

nach oben

Du hast eine zündende Idee für einen Artikel auf e-fellows.net? Schreib für uns als Gastautor. Wir freuen uns auf deine Beiträge!

Finde deinen Traumjob

Jobs, Praktika

und akademische

Stellen suchen

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren