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24.000 Stellen zu besetzen

[Quelle: unsplash.com]

Die Dax-Konzerne stellen kräftig neue Mitarbeiter ein. Doch die begehrtesten Jobs sind schwer zu besetzen. Welche Fachkräfte jetzt die besten Chancen haben.

Knapp 900 Ärzte sucht der Gesundheitskonzern Fresenius derzeit – von Nordenham an der Nordseeküste bis Titisee-Neustadt im tiefsten Schwarzwald. Dazu kommen noch mal fast 1.000 Vakanzen im Pflegedienst, sowie Hunderte Jobs im nicht-ärztlichen medizinischen Dienst. Das Gesundheitsunternehmen aus Bad Homburg ist damit der Spitzenreiter im Dax, was die Zahl der offenen Stellen betrifft – und gleichzeitig ein Exot. Denn obwohl Fresenius neben Medizinpersonal für seine Helios-Kliniken auch Hunderte Ingenieure und ITler sucht, machen Letztere bei Weitem nicht den Großteil der Vakanzen aus.

Das ist in den meisten anderen Dax-Konzernen anders. Mehr als 24.000 Stellen haben die größten Börsenkonzerne des Landes zu Beginn des Jahres ausgeschrieben. Und für die meisten sind spezielles IT- oder Ingenieurwissen sowie Datenexpertise vonnöten. Das zeigt eine Auswertung der Onlinestellenbörse Indeed für das Handelsblatt. So sucht BMW konzernweit Expertinnen und Experten in Zukunftsfeldern wie Batterieforschung, automatisiertes Fahren, Softwareentwicklung, IT-Sicherheit und Cloud-Architektur. Derzeit hat der Münchener Autobauer knapp 1.700 Stellen in Deutschland ausgeschrieben.

In einem Zeitungsinterview hatte BMW-Vorstandschef Oliver Zipse erst kürzlich angekündigt, in diesem Jahr die Mitarbeiterzahl um fünf Prozent zu erhöhen, was etwa 6.000 zusätzlichen Kräften entspricht. Erst 2019 hatte BMW einen Stellenabbau in genau diesem Umfang beschlossen und vollzogen.

Auch bei Siemens sind vor allem Technologieprofile gefragt, darunter Softwareentwicklerinnen und -entwickler, aber auch sogenannte Solution Architects, die Geschäftsanforderungen in Einklang bringen mit der IT-Strategie. Bislang könne man den Bedarf an Fachkräften noch gut decken, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. In Einzelfällen zahle man Kandidaten aber Antrittsprämien, um sie von Siemens als Arbeitgeber zu überzeugen. Ein offenbar immer beliebter werdender Anreiz: Allein im vergangenen Jahr ist auf Indeed der Anteil von Stellenanzeigen mit Willkommensboni in Deutschland um mehr als 70 Prozent gestiegen.

70 Prozent mehr offene Stellen locken potenzielle Bewerber mit Willkommensboni an.

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Krisenprofiteure mit vielen Stellen

Grafik Mitarbeiter:innen-Bedarf der Dax-Konzerne [Quelle: Handelsblatt]

Die Liste mit den freien Stellen im Dax zeigt auch, welch großer Jobmotor die Pandemie in ausgewählten Bereichen sein kann. So ist neben Fresenius ein weiteres Unternehmen auf der Liste ganz weit vorn, das in der Krise enorm gewachsen ist: die Deutsche Post.

"Aufgrund unserer guten Geschäftsentwicklung suchen wir weiterhin auch für den operativen Bereich neue Kollegeninnen und Kollegen", heißt es aus der Bonner Konzernzentrale. Derzeit hat der ehemalige Staatsbetrieb 3.800 Stellen ausgeschrieben – etwa 1.000 mehr als noch vor einem Jahr. Neben Hunderten Jobs in der Zustellung und dem Lagermanagement sind auch bei der Post Profile wie Data Scientist, Blockchain-Spezialisten, Strategieexperten, Vergütungsspezialisten und Projektmanager gefragt.

Fachkräfte, die auch anderswo stark gebraucht werden – und rar bleiben dürften. Zwar sind Engpässe in Branchen wie IT, Ingenieur- oder Gesundheitswesen bei Weitem keine neuen Phänomene. Die Coronakrise wird den Kampf um Talente mit Blick auf die kommenden Jahre aber deutlich verschärfen. Schon heute sind laut Branchenverband Bitkom 96.000 Stellen in der IT unbesetzt. Bis 2030 könnten laut einer Analyse der Boston Consulting Group jedoch bis zu 1,1 Millionen IT-Fachkräfte fehlen, im Ingenieurwesen dürfte die Fachkräftelücke dann auf 185.000 Personen angewachsen sein.

"Die Coronakrise wirkt sich dämpfend auf das Angebot an Ingenieuren und Informatikern aus", sagt Axel Plünnecke, Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Er fürchtet, dass wegen der Schulschließungen und des Distanzunterrichts während der Coronakrise in Zukunft noch weniger Schulabgänger als ohnehin schon ein Studium in den sogenannten MINT-Fächern – Mathematik, IT, Naturwissenschaften oder technische Wissenschaften – in Angriff nehmen werden. Seit der Coronakrise ist die Zahl der Erstsemester im MINT-Bereich leicht rückläufig. Wenn das so weiterginge, meint Plünnecke, könnte Deutschland den Erfolg der vergangenen zehn Jahre in dem Bereich verspielen.

Dabei sind genau diese Kompetenzen entscheidend für die digitale und ökologische Transformation der deutschen Wirtschaft. Laut IW erwarten 63 Prozent aller Unternehmen ab 250 Mitarbeitern in den kommenden fünf Jahren zur Entwicklung klimafreundlicher Produkte und Technologien einen steigenden Bedarf an IT-Experten und 43 Prozent einen steigenden Bedarf an Ingenieuren.

Volkswagen will Fachkräfte umschulen

Ein Bedarf, der in Unternehmen nicht komplett durch Neueinstellungen gedeckt werden kann, sondern auch über Weiterbildungen der bestehenden Belegschaft bedient werden will – sofern das im Einzelfall möglich ist. So plant etwa Deutschlands größter Autobauer Volkswagen, in seinem Digitalbereich bis Ende kommenden Jahres 2.000 Stellen zu schaffen. Teile der Vakanzen würden aber auch über "interne Transformation bestehender Jobs erreicht", wie eine Sprecherin einordnet. So werden etwa an den Standorten Zwickau und Emden Teile der Belegschaft fit gemacht für das Zeitalter der E-Mobilität. Das erklärt auch, warum VW – obwohl der größte unter den drei Autokonzernen im Dax – derzeit nur gut 400 Stellen in Deutschland ausgeschrieben hat; die meisten davon an den Standorten Wolfsburg und Kassel.

Auch Siemens will über Weiterbildungsprogramme mit Namen wie "Next Work" frühzeitig erkennen, welche Fähigkeiten in Zukunft bei dem Traditionsunternehmen gebraucht werden und Mitarbeiter entsprechend der Bedarfe umschulen – womit Entlassungen vermieden werden sollen. Doch auch die gehören zu Transformationsprozessen dazu. So hat Fresenius Medical Care, die ebenfalls im Dax notierte Dialysetochter von Fresenius – den Spitzenreiter bei den Ausschreibungen – zuletzt ein Sparprogramm verkündet, wonach in den kommenden Jahren 5.000 Stellen abgebaut werden sollen. Derzeit sucht FMC laut Karriereseite knapp 160 neue Leute. Strukturwandel und sich Neu-Erfinden liegen in Krisenzeiten eben noch enger beieinander als sonst.

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