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Zu jung für den Chefposten?

Kann man zu früh Chef werden?

Maing: Ja, ich kenne Leute, bei denen ich mir wünschen würde, dass man ihnen mehr Zeit gegeben hätte. Mit einer Führungsposition ist viel Arbeit und Verantwortung verbunden - dafür muss man bereit sein.

Lange: Ja, das kann passieren, wenn man schon nach zu kurzer Zeit Chef wird und sofort überfordert ist. Das kann auch leicht nach dem Junior Managers Program passieren - nicht jeder kann gleich Gruppenleiter werden, auch wenn er es vielleicht gerne möchte. Ich selbst habe zwei Jahre als Sachbearbeiter gearbeitet, das war gut, weil ich da mitten im Geschäft drin war. In Führungspositionen verwaltet man mehr - daher ist es wichtig, ein fachliches Fundament zu legen. Ich finde es in Ordnung, eine Führungsposition abzulehnen, wenn man es richtig begründet. Immerhin kennt man selbst sein eigenes Tempo am besten.

Was macht für Sie einen guten Chef aus?

Maing: Natürlich sollte ein Chef ehrlich, menschlich und authentisch sein. Aber ganz wichtig ist auch, dass er seine Mitarbeiter als Menschen sieht und sich auch mal von den Zielen der Firma lösen kann, zum Beispiel weil die private Situation das erfordert. Ich wünsche mir von einem Chef, dass er Weitblick hat und mir Empfehlungen gibt, wie sich persönliche und unternehmerische Interessen am besten in Einklang bringen lassen. Das kann im Extremfall auch mal sein, dass ich die Firma wechseln soll, weil ich woanders bessere Entwicklungsmöglichkeiten habe.

Lange: Ich finde Authentizität am wichtigsten. Die bemerkt man vor allem in kritischen Situationen am Verhalten des Chefs: Steht er hinter seinen Mitarbeitern oder will er nur etwas durchdrücken? Dann ist natürlich wichtig, dass ein Chef fordert und fördert. Und er ist eine Führungskraft, sollte also seine Mitarbeiter mitziehen und die Richtung vorgeben.

Was sind für Sie die schlimmsten Fehler, die eine Führungskraft machen kann?

Maing: Dazu gehört auf jeden Fall, wenn ein Chef Informationen vorenthält. Schlecht ist es auch, wenn Chefs eigene Fehler und Schwächen nicht zugeben. Meiner Erfahrung nach gibt es auch immer wieder unterschiedliche Ansichten darüber, wie tief ein Chef in die tägliche Arbeit seines Mitarbeiters einbezogen sein muss. Es gibt Vorgesetzte, die besser darin sind, loszulassen und dabei auch mal zu akzeptieren, dass Fehler passieren. Das ist einerseits Typsache, kann aber auch kulturell unterschiedlich sein. Das erlebe ich gerade in Indien - dort sind die Mitarbeiter sehr gewöhnt, dass ihr Chef ganz nah dranbleibt an dem, was sie machen. Außerdem sind das Kastendenken und der Respekt vor Seniorität noch stark ausgeprägt - das führt dazu, dass Mitarbeiter Ideen oder Aussagen des Chefs meistens nicht hinterfragen.

Genörgel oder wertvolles Feedback - wie geht man als Chef mit Kritik von Mitarbeitern um?

Lange: Ich mache das meistens an der Art fest, wie man mir Feedback gibt. Man weiß ja meistens, wo der Mitarbeiter steht - wenn er gerade schlecht unterwegs ist und in so einer Situation nörgelt, schiebt man das eher weg. Wenn man aber ein gutes Verhältnis hat und in dieser Situation Bemerkungen fallen, nehme ich auch kleine Hinweise sehr ernst. Generell fällt mir auf, dass man immer weniger Feedback bekommt, je weiter man aufsteigt. Da ist es wichtig, schnell auf Kleinigkeiten zu reagieren und Stimmungsschwankungen genau im Blick zu haben.

Kann man Führungsqualitäten eigentlich lernen?

Maing: Führen kann man bis zu einem gewissen Maß lernen. Wichtig finde ich, dass ein Vorgesetzter Sensoren hat für die Stimmung in seinem Team und die persönliche Situation seiner Mitarbeiter - das lässt sich kaum lernen. In den Führungsseminaren bei Bosch werden Fälle konstruiert, damit wir üben, mit verschiedenen Situationen als Chef umzugehen. Das ist sehr hilfreich. Aber nichts bereitet auf jegliche reale Fälle im Leben vor. Das muss man erleben und meistern. Viel Erfolg dabei!

Wie geht man als Mitarbeiter damit um, wenn man Schwierigkeiten mit dem Führungsstil seines Chefs hat?

Am besten sucht man das direkte Gespräch mit dem Chef, bevor man sich an andere Instanzen in der Organisation wendet. Wenn man diesen direkten Weg nicht einschlagen kann – und solche Situationen gibt es - dann gehört es zur Aufgabe der Personal-Abteilung, dem Mitarbeiter zu helfen.

Was tun Sie bei Bertelsmann, wenn Sie feststellen, dass jemand doch nicht für eine Führungsposition geeignet ist?

Es liegt zunächst in der Verantwortung des direkten Vorgesetzten, mit dem Mitarbeiter über seine Führungsleistung zu sprechen. Wenn etwas nicht sofort perfekt funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass man für eine Führungsaufgabe ungeeignet ist. Wichtig ist, dass man regelmäßig Feedback zu seiner Arbeit in der Führungsrolle bekommt. Bei Bertelsmann gibt es zu diesem Zweck verschiedene Instrumente wie zum Beispiel unsere Mitarbeiterbefragung, in der jede Führungskraft anonymes Feedback der eigenen Mitarbeiter zum Führungsverhalten erhält. So bekommt man frühzeitig mit, wenn etwas nicht gut läuft und hat die Gelegenheit, das zu korrigieren - und sich gegebenenfalls dabei Unterstützung zu holen. Etwas anderes ist es, wenn ein Mitarbeiter selbst feststellt, dass er die Führungsverantwortung doch nicht haben möchte. Dann ist entscheidend, dass man die Führungsverantwortung zurückgeben kann, ohne sein Gesicht zu verlieren. In letzter Zeit stellen wir auch fest, dass die Fachkarriere eine Rückkehr erlebt - Unternehmen würdigen Fachwissen wieder mehr.

Mitarbeiter finden ihre Chefs ja öfter ungerecht und nörgeln. Tut man das manchmal leichthin als Gejammer ab - oder hinterfragen Sie sich bei solchen Vorwürfen auch mal selbst?

Generell sollte man Feedback nie als Genörgel abtun, denn in jedem Fall ist der Mitarbeiter offenbar unzufrieden. Das muss ich als Chef ernst nehmen - und ich muss dem auf den Grund gehen, selbst wenn die Kritik ungerecht sein mag. Am besten ist es, mit dem Mitarbeiter zusammen herauszufinden, was dahinter steckt.

Welche Eigenschaften schätzen Sie persönlich an einer Führungsperson?

Verantwortungsbewusstsein, Respekt vor anderen, Integrität, Leistungsbereitschaft und einen hohen Qualitätsanspruch - auch an sich selbst. Wichtig ist auch ein grundsätzliches Interesse an Menschen. Im Arbeitsalltag mit seinen vielfachen Herausforderungen kann das manchmal aus dem Blick geraten. Und auch Humor ist wichtig.

Was sind die schlimmsten Fehler bei der Mitarbeiter-Führung?

Führungsfehler passieren am ehesten dann, wenn ein Chef denkt, die Mitarbeiter seien nur dazu da, ihn selbst erfolgreich zu machen. Für ein Team sollte Arbeit ein gemeinsames Projekt mit geteilten Erfolgen sein. Hat man das erst vor Augen, wird vieles richtig laufen. Und es gibt eine einprägsame Maxime von Kant, die für den grundsätzlichen Umgang mit anderen gilt: Der Mensch ist selbst stets Zweck und niemals bloß Mittel.

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Kommentare (2)

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  1. Anonym

    Sinnlos

    Führer sind geboren. Sie brauchen keine bezahlten Flüsterer.

  2. Anonym

    Datum?

    Sehr guter Artikel! Ist der Artikel aus diesem Jahr?

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