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Wie wirke ich sympathisch?

Glückliche Frau [Quelle: pexels.com, bruce mars]

Quelle: pexels.com, bruce mars

Manchmal wirken wir in der Berufswelt unsympathisch und wissen nicht warum. Peinlich, danach zu fragen! Aber: Am eigenen Auftritt lässt sich viel ändern!

Authentisch sein kommt gut an. Aber nicht damit übertreiben, das irritiert und wirkt alles andere als sympathisch. In Zeiten unkontrollierten Internet-Image-Spektakels mit der manipulierbaren Währung von Likes und Followern und – wenn's schiefläuft – auch mit Shitstorms, ringen immer mehr Arbeitnehmer darum, gut anzukommen. Wie wirke ich sympathisch, wie finde ich Freunde, Lob und Ruhm? Der Peinlichkeitsfaktor dieser Frage ist beträchtlich. Eigentlich beschämend, sich professionellen Rat zu holen. Und eigentlich einfach. "Was mir gute Gefühle erzeugt im Kontakt, das löst aus, dass ich dieses Gegenüber als sympathisch erlebe und empfinde", erklärt Heike Mänz, Wirtschaftspsychologin aus Hannover. "Was das aber ist, ist unterschiedlich, weil Menschen eben unterschiedlich sind. Wer mir zustimmt, ja sagt, wirkt sympathisch. Nicht aber, wenn ich die Provokation liebe und den Wettkampf." Wer sich dieses Prinzip vergegenwärtigt, dem hilft der gesunde Menschenverstand weiter.

Zum Beispiel beim Smalltalk. Das minimale ABC der Unterhaltung zu beherrschen erleichtert im Umgang mit Kollegen, Geschäftspartnern und potentiellen Auftraggebern vieles. Grundregel: manche Themen, zumindest beim Erstkontakt, meiden. Als da wären: Politik, Religion und allzu Privates. Wer weiß schon, ob der andere Dunkelgrün wählt, aus der Kirche ausgetreten ist oder Veganer für spaßbefreit hält? Wenn ich über tiefgläubige Maispuddingesser polemisiere, habe ich den Stempel Arroganzling, und das nicht einmal zu Unrecht.

Es hat ja Gründe, zum Gesprächseinstieg übers Wetter zu plaudern. Nebenbei bemerkt: eine leichte Übung bei den Kamikazekapriolen zwischen Stürmen und Grillwetter. Im Verlauf eines Gesprächs lassen sich selbstverständlich Argumente austauschen, hart in der Sache, verbindlich im Ton. Den meisten Menschen ist ein aufrichtiger Linker oder ehrlicher Konservativer lieber als ein Wischiwaschi-Wendehals. Zum Karriereturbo dient allzu viel politisch-weltanschauliche Offenheit aber nicht. Denn die Formel regiert: Ähnlichkeit schafft Sympathie. Gemeinsamkeiten sorgen für die Bonus-Botschaft: Ich bin wie du, und das ist gut so. Das ist übrigens ein verlässlicher Kitt der Elitenetzwerke. Man klopft das Ei auf, köpft es nicht und versichert sich des gleichen Stallgeruchs. Komme ich aus einem bildungsbürgerlichen Umfeld, wird mir die Fastfood-Trash-TV-Fraktion ein Leben lang suspekt bleiben.

Gute Manieren sind Türöffner

Wer mich sympathisch findet, der streitet weniger mit mir und sieht mir eher meine Fehler nach. Die darf ich ruhig machen, denn Perfektion wirkt unsympathisch. Nach einer Studie der Harvard Business School kommt es in Jobinterviews bei der erwartbaren Was-ist-Ihre-größte-Schwäche-Frage nicht gut an, seinen Perfektionismus zu nennen. Vielmehr punktet Ehrlichkeit, etwa das Eingeständnis, manchmal überzureagieren. "Sympathisch ist, wer all das weglässt, was Leuten unsympathisch erscheint", dreht Ines Fliegen, Diplompsychologin aus Berlin, den Spieß um. "Wertschätzung ist etwas, was einen anstrahlt. Nicht sofort rumnörgeln, keine schlechte Laune verbreiten, die Unhöflichkeit weglassen."

Gute Manieren sind Türöffner und ein Terrain, auf dem sich immer mehr Menschen immer weniger auskennen. Nicht nur im Open-Space-Büro wird das zum Albtraum. Deshalb nur die Grundregel: sich so zu benehmen, dass auch die anderen einen akzeptablen Lärmpegel erleben, noch ein Stück vom abgezählten Buffet-Braten bekommen und einen freien Platz finden. Das Zauberwort des guten Benehmens lautet Rücksichtnahme, das schafft Vertrauen. Modischer formuliert, ist das eine Spielart der Empathie. Empfände man es selbst als angenehm, in der Konferenz ständig unterbrochen zu werden? "Das fällt mir im Arbeitsleben sehr auf, dass die Menschen zu viel von sich ausgehen, anstatt zu fragen, wie tickt der andere – auch wenn ich Dinge durchsetzen möchte", sagt die Organisationspsychologin Heike Mänz.

"Wenn ich den Perspektivwechsel, sich in einen anderen zu versetzen, seine Bedürfnisse zu erkennen, nicht draufhabe, werde ich immer anecken und unsympathisch erscheinen." Grundsätzlich kann ich in der Arbeitswelt alles Mögliche kritisieren, hart und unverbindlich in der Sache, höflich und wertschätzend im Ton. Jeder, absolut jeder erträgt kritische Kommentare besser, wenn in den einleitenden Worten Anerkennung für die geleistete Mühe aufblitzt. Dann erweisen sich aufmerksame Kritiker als sympathisch – immerhin haben sie sich detailliert mit der Arbeit der anderen auseinandergesetzt.

Der Benjamin-Franklin-Effekt

Denn quasi "nur" sympathisch zu erscheinen, das sei ein bisschen dünn. "Nur nett sein reicht nicht", sagt Ina Fliegen. Etwa bei der Personalauswahl, wenn Bewerber mit Sympathie punkten wollen. Die promovierte Psychologin formuliert einen Schlüsselsatz: "Es geht darum, wie ich in meiner Haut stecke." Die Berlinerin fasst zusammen: "Wie bin ich gebaut als Person? Bin ich ein offener Mensch, verfüge ich über soziale Kompetenz. Bin ich ein guter Kommunikator, nicht nur beim Reden, auch beim Zuhören?"

Schließlich steckt in jedem Menschen ein kleiner Narzisst. Anderen kluge Fragen stellen, sich wirklich für sie zu interessieren, sie mit ihrem Namen ansprechen, das kommt gut an. Was vielen hochsympathisch erscheint: wenn sie um Rat gebeten werden oder sogar um einen Gefallen. Das Phänomen nennt sich Benjamin-Franklin-Effekt – der andere fühlt sich aufgewertet. Ein Experiment der Sozialpsychologie ist interessant und verräterisch: Probanden sollen andere aufgrund eines oberflächlichen Blicks einschätzen: Finden sie denjenigen sympathisch, intelligent oder eher nicht? Sobald die Bewerter erfuhren, dass der andere sich positiv über sie geäußert hatte, fanden sie ihn sofort sympathischer und attraktiver.

Ein unterschätzter Sympathieaspekt ist die Körpersprache. "Das freundliche Lächeln, das bestätigende Nicken, diese Dinge lösen Sympathie aus", sagt Heike Mänz. Sich mit verschränkten Abwehr-Armen auf dem Stuhl zu lümmeln, gelangweilt aus dem Fenster zu starren, statt Blickkontakt zu halten, geht weder unter Kollegen, geschweige denn bei Kunden. Rhetorische Frage: Würde man von so einem Bankberater eine Anlageempfehlung in Betracht ziehen? Die archaische Biologie reagiert heftig mit: Wer sich klein macht, gekrümmt seiner Wege geht, dem traut man weder zu, das Mammut zu erlegen, noch ein Team zu führen. Kopf hoch, aufrechter Gang, das steht nicht nur Frauen im Anflug auf Führungspositionen gut. Grüße an John Wayne, der schreitet breitbeinig die Mainstreet lang. Von wegen sympathischer Held – High Noon im Schlurfgang wäre eine Lachnummer.

Sympathisch erscheint, wer zuletzt lacht

Eigenschaften, die Sympathie wecken, zählt Personalfachfrau Ina Fliegen auf: zuverlässig sein, offen und ehrlich sein, eine Grundaufmerksamkeit zeigen. "Menschen merken, ob jemand eine Rolle spielt." Ein Lächeln, das aufgesetzt ist, ist eben nur künstlich. Sie warnt davor, den ersten Eindruck zu wichtig zu nehmen und zu schnell ein Urteil zu fällen. "Jeder denkt von sich, er hätte eine gute Intuition. Aber es zählt, wer einem langfristig sympathisch ist. Denken Sie zum Beispiel an Lehrer."

Sympathie gilt als butterweiches Thema mit allerdings harten Auswirkungen. Beratungsunternehmen, die ihre Kandidaten durch die Assessment-Center-Mühle gedreht haben, entscheiden in der Schlussrunde mit der Bauchgefühl-Frage: Mit wem der drei Favoriten möchten wir nach Feierabend noch ein Bier trinken gehen? Ist das der kühle Top-Kandidat, der kaum seine Arroganz zügelt, oder die Einser-Kandidatin, die zu laut lacht? Sympathisch erscheint, wer zuletzt lacht. Zumindest wenn es um Teambesetzung geht. Bei der Auswahl von Führungskräften spielt es eine untergeordnete Rolle, ob jemand sympathisch ist oder nicht.

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