Partner von:

Zynische Chefs vergiften das Klima in einer Organisation von oben herab

Ist eine gute Portion Zynismus gegebenenfalls sogar für eine Karriere als Führungskraft förderlich? Wenn ja, warum?

Ehlebracht: Gerade bei Führungskräften sind vertrauensvolle Netzwerke und belastbare Allianzen für den Erfolg entscheidend. Zudem hat der Führungsstil auch Auswirkungen auf die gesamte Unternehmenskultur. Ein vertrauensvoller und idealistischer Chef kann seine Mitarbeiter durch sein Vorbild ebenfalls zu mehr Vertrauen und wechselseitiger Kooperation ermutigen.

Gibt es Beispiele für Biografien von Personen, die aufgrund ihres Zynismus gescheitert sind oder gerade deshalb Karriere gemacht haben?

Ehlebracht: Erfolgreiche Zyniker gibt es vermutlich weniger, als uns Filme wie "The Wolf of Wall Street" glauben lassen wollen.

Wie schädlich sind Zyniker als Chefs? Was können sie anrichten oder aber im Positiven bewirken, wie zum Beispiel ihr Team dadurch anspornen?

Stavrova: Es besteht die Gefahr, dass Zyniker in der Führungsetage das Klima eines Unternehmens oder einer Organisation von oben herab vergiften. Darüber hinaus kann zynisches Misstrauen und die damit oftmals verbundene Kontrolle und Überwachung der Mitarbeiter von oben herab deren Motivation nachhaltig untergraben.

Was können Arbeitgeber – insbesondere auch im Wissenschaftsbereich – tun, wenn sie Zyniker in der Belegschaft haben?

Stavrova: Zyniker sollten einerseits positiven sozialen Erfahrungen ausgesetzt werden, beispielsweise selber einen Vertrauensvorschuss erhalten. Andererseits sollte man ihnen die Augen öffnen, dass die meisten Menschen wirklich ehrlich und fair sind – man unterschätzt, wie viele verlorene Geldbörsen jeden Tag unversehrt und mit vollständigem Inhalt in Fundbüros abgegeben werden.

Was kann der Einzelne tun, dass sein Zynismus nicht die eigene Karriere und den eigenen Erfolg behindert?

Ehrlebracht: Jeden Tag aufs Neue seine zynischen Einstellungen infrage stellen. Mit kleinen Vertrauensgesten beginnen und lernen, dass diesem Vertrauen in den allermeisten Fällen mit Ehrlichkeit begegnet wird. Anderen Menschen die Chance geben, sich von ihrer besten Seite zu zeigen, und sie nicht aus vermeintlichem Selbstschutz vorverurteilen.

Dr. Daniel Ehlebracht ist Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Köln

Dr. Olga Stavrova wechselte vom Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Köln als Assistenzprofessorin an die niederländischen Universität Tilburg.

Das Interview führte Veronika Renkes.

© duz – Deutsche Universitätszeitung (zur duz-Website)

nach oben

Etikette und Benimmregeln gewinnen wieder an Bedeutung. Wir verraten dir, worauf es beim Business-Knigge ankommt.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren