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Das Büro wird grün

Pflanze, Botanik, Minimalismus, grün [Quelle: unsplash.com, Autor: Igor Son]

Quelle: unsplash.com, Igor Son

Pflanzen im Büro schaffen ein besseres Arbeitsklima. Einige schützen sogar vor Krankheiten. Erschreckend, wie schnell sich Keime hustender und niesender Menschen über schlecht gewartete Klimaanlagen verteilen.

Grüner geht’s nimmer. Das jedenfalls könnte meinen, wer die Neubauten von Amazon in Seattle betritt. "Spheres" heißen die Glaskugeln, die wie gigantische Seifenblasen auf der Erde gelandet zu sein scheinen und 40.000 Pflanzen Platz bieten. Eigentlich sind sie mehr botanischer Garten als Büroraum. Ende Januar wurden sie offiziell eröffnet, seither wird dort gearbeitet. Und Hof gehalten. Wer will, kann die neue Arbeitswelt besichtigen – Amazon bietet dazu Touren an. Die sind bis Juni ausgebucht.

Wie so häufig ist Amazon Vorreiter eines Trends, der immer weiter um sich greift. Auch in Deutschland werden Büros grüner. Noch nicht im großen Stil, doch die Nachfrage nach Raumbepflanzungen steigt stark. Das weiß Unternehmer Lutz-Peter Kremkau, der sich mit 18 anderen Betrieben für Raumbegrünung zu einer Art Qualitätsverbund zusammengeschlossen hat und diesen repräsentiert. "Wir alle schaffen es derzeit kaum, den vielen Anfragen gerecht zu werden", berichtet er. Der Bedarf an Grün im Büro steigt, auch wenn der Büroraum in Zeiten boomender Wirtschaft und steigender Immobilienpreise knapp und vor allem teuer ist und Pflanzen Platz brauchen.

Vorbei scheinen die Zeiten des "Lean Office Space". Lean bedeutet schlank. Anfang der 1990er Jahre hatte der Automobilhersteller Toyota das Konzept der "schlanken" Fabrik entworfen, das auch die Büroräume umfasste. Nichts sollte die Mitarbeiter vom Arbeiten an ihren Schreibtischen abhalten. Die Büros waren im besten Fall modern ausgestattet, kühl, unpersönlich und schon gar nicht grün. Aus gutem Grund: Pflanzen nehmen nicht nur Platz weg, sie müssen angeschafft, gepflegt und erhalten werden. Das kostet.

Fast wie hängende Gärten

"Das alles hat sich geändert", sagt Lutz-Peter Kremkau. Vermuffte Büros mit Linoleumboden, in denen irgendwo in der Ecke gerade mal ein angestaubter Ficus Benjamini sein Dasein fristet, werden aller Voraussicht nach allmählich verschwinden. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis auch der sturköpfigste Sparfuchs ein Einsehen hat. Weil Büroplatz aber teuer ist, sprießen die Pflanzen derzeit an der Wand. "Wände zu begrünen ist technisch aufwendig", räumt Kremkau ein. Man müsse vieles ausprobieren. Und doch gebe es für jeden Bereich eine Lösung. Natürlich finden sich auch in den "Spheres" von Amazon grüne Wände, die fast wie hängende Gärten anmuten.

Dabei ist die neue Mode nicht nur ästhetisch zu begründen. Es gibt inzwischen viele Untersuchungen, die das belegen, was jeder Bürohocker schon immer im Gefühl hatte, wenn er sich – oft nur unter Missbilligung seines Arbeitgebers – eine Yuccapalme oder die obligate Spinnenpflanze mitbrachte, um seinen Arbeitsplatz ein bisschen zu begrünen: Pflanzen schaffen ein besseres Arbeitsklima. Sie reduzieren den Kohlendioxidgehalt der Luft, bauen Schadstoffe ab und sorgen für ausreichend Luftfeuchtigkeit.

Begrünung ist das beste Heilmittel gegen das "Sick-Building-Syndrom". So nennt man es, wenn Gebäude die darin arbeitenden Firmenangehörigen regelrecht krank machen: durch allzu trockene Luft, schlecht gewartete Klimaanlagen, Überheizung, ungesunde Ausdünstungen und mangelnden Luftaustausch. Tränende Augen, gereizte Schleimhäute und juckende Haut sind oft die Folge. Die Leute frösteln und fühlen sich nach getaner Arbeit gesundheitlich angegriffen. Es gibt Schätzungen, dass 20 Prozent derer, die sich den lieben langen Tag in Büros aufhalten, davon betroffen sind. Mehr als 40 Prozent der Erkrankungen werden, auch das ist nachgewiesen, durch das Arbeitsumfeld verursacht – spätestens dann, wenn der hustende und schnupfende Mitarbeiter im vierten Stock seine Viren und Bakterien durch die Klimaanlage im ganzen Gebäude verteilt. Wer mit Schnupfen im klimatisierten Büro ohne Frischluftzufuhr sitzt, leidet typischerweise nach zwei Tagen an einer Nebenhöhlenentzündung.

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