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Auf die Technik kommt es an

Lernen: Auf die Technik kommt es an [© djama - Fotolia.com]

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In der Schule reichte es manchmal noch, das Mathebuch in der Nacht vor der Klassenarbeit unters Kopfkissen zu schieben und ganz fest zu hoffen, dass die Formeln auf geheimnisvolle Weise ins Gehirn wandern. An der Uni braucht es etwas mehr, um richtig zu lernen und gute Noten zu bekommen: diese Lerntipps und -techniken zum Beispiel. Zwar kosten sie etwas mehr Mühe als der Kopfkissentrick. Dafür haben sie einen Vorteil: Sie funktionieren.

"Lernen kann ich erst, wenn ich so richtig unter Druck stehe." "Vor der Prüfung lerne ich einfach die Nacht durch - dann ist das Wissen noch ganz frisch." "Ich bin ein Nachtmensch - tagsüber lenkt mich zu viel ab." Es ist schon merkwürdig: Wenn es ums Lernen geht, fallen selbst die cleversten Studenten ins Zeitalter der Mythen und Legenden zurück. Dabei haben Lernpädagogen und -psychologen in jahrzehntelanger Forschung wunderbare Konzepte und Tipps erarbeitet, die wirklich funktionieren. Und die findest du hier.

Effektiv lernen - mit diesen Techniken lernst du es:

1. Regel: Du bist kein Nachtmensch, und Kaffee macht nicht kreativ

Um effektiv zu lernen, ist es hilfreich, sich ein bisschen damit auszukennen, wie unser Gedächtnis funktioniert. Prüfungsgeplagte neigen dazu, zu vergessen, dass das Gedächtnis NICHT richtig funktionieren kann, wenn man a) die Nächte durchpaukt, statt zu schlafen, wenn man sich b) von Kaffee und Nikotin ernährt und wenn man c) so unter Stress steht, dass man nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Die Grundregeln lauten daher: Immer auf genügend Schlaf achten, gut zum eigenen Körper sein und genug Zeit einplanen. Das menschliche Gehirn ist nicht mehr als sechs Stunden am Tag wirklich aufnahmefähig. Für den Durchschnittsmenschen liegen diese Zeiten zwischen 9 und 12 und zwischen 15 und 18 Uhr. Je nach individuellem Rhythmus ("Chronotyp") kann sich das jedoch verschieben. Totale Nachtmenschen sind aber die absolute Ausnahme.

2. Arbeitsplatz: Programmier dein Hirn

Stubenhocker oder Bibliotheklerner? Das ist grundsätzlich eine Typfrage und muss ausprobiert werden. Der eine hat zuhause einen ruhigen Schreibtischplatz und will nicht jedes Mal 20 Bücher hin- und hertragen. Der andere kommt erst in Lernstimmung, wenn es nach alten Folianten riecht und um ihn herum die Kommilitonen die Nasen in ihre Skripte stecken. Oft jedoch ist die Ablenkung zuhause (Telefon, Kühlschrank, WG-Putzplan, Mitbewohner...) deutlich größer. Bei störendem Gemurmel, Gescharre, Vogelgezwitscher: Ohrenstöpsel! Übrigens: Wärme macht müde. Kühle Temperaturen (etwa 18 bis 20 Grad) und viel frische Luft bringen dein Hirn auf Touren. Das Gleiche gilt für Licht. 60 Watt sollten es schon sein.

Grundsätzlich hilft es, sich auch in der Bibliothek immer an den gleichen Platz zu setzen: Das Gehirn schaltet dann leichter in den Arbeitsmodus. Gegen fehlende Lernlust helfen neben einem festen Arbeitsplatz aber auch andere Rituale. Der Lern-Markierstift, der Lern-Pulli, die Lern-Kaffeetasse: Alles, was ausschließlich beim Lernen benutzt wird, programmiert das Gehirn durch Gewöhnung und signalisiert so "Arbeit". Und schon kostet es nicht mehr so viel Überwindung, sich in seine Bücher zu vertiefen.

3. Konzentration: Zeitfresser abschalten

Der Lernforscher Glenn Wilson von der University of London ließ 2005 für eine Studie zwei Kandidatengruppen Konzentrationstests bearbeiten. Die eine Testgruppe bekam dabei ständig neue E-Mails auf den Bildschirm geschickt. Die andere Gruppe war bekifft, wurde aber nicht weiter gestört. Ergebnis: Die Kandidaten, die vorher Marihuana geraucht hatten, schnitten deutlich besser ab als jene, die permanent von neu eintreffenden Nachrichten abgelenkt wurden. Die Leistung der mit Mails bombardierten Kandidaten sank um mindestens 10 IQ-Punkte. Das soll kein Plädoyer fürs Kiffen sein, sondern heißen: Wer lernt, sollte sein E-Mail-Programm so lange abschalten. Und auch das Handy hat einen Aus-Knopf - so gerätst du nicht in Versuchung, dich von Anrufen, What's App, Facebook und Co. ablenken zu lassen.

4. Selbstmotivation: Wächter des inneren Schweinhunds

Die Unlust, unser (Lern-)Verhalten zu ändern, so der Uni-Psychologe Hans-Werner Rückert, liegt schlicht in unserer Natur: "Unser Organismus ist darauf geeicht, Muster langfristig zu erhalten. Er ist nicht an Veränderung interessiert – außer, es drohen Gefahren. Oder man ist ganz stark positiv motiviert." Nun wird die Aussicht, eine Prüfung ablegen zu müssen, niemanden vor Begeisterung an den Schreibtisch eilen lassen. Trotzdem solltest du versuchen, dich von "Ich muss lernen" auf "Ich will lernen!" umzupolen. Das geht, indem man sich klar definierte Etappenziele setzt. Wenn du sie erreichst, verschaffen sie dir Erfolgserlebnisse, die dich weiter anspornen. Außerdem kannst du dich bei jedem Etappenziel selbst belohnen. Zum Beispiel: "Wenn ich heute und morgen mit meinem Lernstoff durchkomme wie geplant, gönne ich mir einen Videoabend mit meinen Freunden."

5. Zeitmanagement: Von Pausen und Prioritäten

Die gesamte Lernzeit kann in vier Phasen unterteilt werden:

  1. die Vorbereitungsphase, in der du dir Bücher besorgst, dich über mögliche Prüfungsfragen informierst, deine Skripte sortierst, die Sprechstunde deines Professors aufsuchst und Ähnliches;
  2. eine Hauptphase, in der du lernst;
  3. eine Wiederholungsphase, in der du das noch einmal lernst, was du inzwischen schon wieder vergessen hast; und
  4. eine Überprüfungsphase, in der du kontrollierst, ob du alles kannst.

Bitte recht schriftlich

Bevor du loslegst, solltest du dir einen schriftlichen Zeitplan machen. Trage alle festen Termine - wie Vorlesungen oder Seminare - ebenso wie die geplanten Lernzeiten übersichtlich in einen Tageskalender ein. Notiere dir, welchen Teil des Gesamtstoffs du an welchem Tag durchnehmen möchtest. (Zum Beispiel: Montag, 9-12h: Seite 1-30 des Skripts zum Liebesleben der Waldameise.) Dabei hilft es, vom Tag X, also dem Tag der Prüfung oder Klausur an, rückwärts zu rechnen, um herauszufinden, wann man mit dem Lernen anfangen sollte. Am Ende jeder Woche sollte ein Tag zur kurzen Wiederholung des bis dahin erarbeiteten Stoffs eingeplant werden. Berücksichtige dabei auch Pausen, Fahrtwege und Erholungszeiten.

Unverhofft...

Die meisten Studenten neigen dazu, sich anfangs zu viel Stoff vorzunehmen. Plane deshalb ein paar Puffer-Tage ein und passe deinen Plan an, wenn du merkst, dass du nicht so schnell mit dem Stoff vorankommst. Jeden Abend solltest du dir einen Überblick über den kommenden Tag verschaffen. Markiere dafür die anstehenden Aufgaben je nach ihrer Priorität (zum Beispiel mit unterschiedlichen Farben). Dabei stellt sich oft heraus, das manches Vorhaben unwichtig ist und verschoben werden kann. Und: Verplane nicht den gesamten Tag, sondern höchstens zwei Drittel. Es kommt immer Unvorhergesehenes dazwischen.

Pausen: Nichts für Faule

Apropos Pausen: Sie sind keine überflüssigen Auszeiten, sondern notwendig, um das Erarbeitete abzuspeichern. Pausen sind also Teil der Arbeitszeit. Es gibt unterschiedliche Arten von Pausen: Verständnispausen von ein bis fünf Minuten, in denen du Gelesenes abspeicherst und dir über Zusammenhänge klar wirst oder du dich auf ein neues Thema einstimmst. Zwischen- pause von 15 bis 20 Minuten sind dazu da, um dich nach ein bis anderthalb Stunden intensiven Lernens zu entspannen. Steh auf, mache einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft, iss und trink etwas: Achte auf deine Bedürfnisse. Eine mindestens einstündige Erholungspause solltest du nach drei bis maximal vier Stunden Lernzeit einlegen. Mittagessen bietet sich in dieser Zeit an. Aber am besten leicht, gesund und nicht zu viel: Voller Bauch studiert nicht gern...

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Kommentare (13)

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  1. Anonym

    Wann wurde das denn ins Netz gesetzt ? Ich wollte das für die Jugendlichen in meinem Praktikum nutzen, leider muss ich dazu immer das Jahr angeben in dem etwas veröffentlicht wurde.

  2. Anonym

    Lerntechnik-Program

    Ich würde an dieser Stelle gerne noch eine Website empfehlen, welche es ermöglicht viel Stoff zu strukturieren und zu lernen. Man kreiert die Lerneinheiten selber (und beschäftigt sich dementsprechend mit dem Stoff und strukturiert ihn). Danach kann man verhältnismäßig schnell durch das Programm die Inhalte lernen. Nachteil: Komplexe Sachverhalte sind schwieriger damit in den Kopf zu bekommen. http://www.memrise.com

  3. Anonym

    60 Watt?

    Mit Watt können vermutlich mehr Leser etwas anfangen als mit Lumen. ;) Das ist ja auch keine exakte Handlungsanweisung, sondern soll dir lediglich sagen: Sorg für ausreichend Licht! Viele Grüße Eva vom Community-Team

  4. Anonym

    60 Watt

    Auf was beziehen sich denn die 60 Watt? Auf eine Glühbirne, eine LED Lampe oder etwas dazwischen? Lumen wäre vielleicht eine sinnvollere Angabe.

  5. Alex

    Hey @Luisa, Ich kenne dieses Programm auch es heißt Brainyoo damit kannst du richtig lernen. Aber ich benutze es als karteikarten app. Lernen lernen ist ja genau sehr wichtig, viel glück!!

  6. Luisa

    Hallo! Ich lerne Deutsch, und die größte Herausforderung ist es, " lernen lernen". Ich suchte heute nach neuen Wegen, um besser zu lernen, und ich fand diesen Artikel hier und auch ein kostenlos karteikarten Software: http://das-lernen-lernen.com/ Ich muss sagen, dass mein Tag sich gelohnt hat, nach so vielen guten Infos! Vielen Dank!!

  7. brittny

    hä?

    Irgendwie ist es kompliziert!

  8. Otto

    Und wie sieht es mit Praxis aus?

    Leider wird auch nicht gezeigt, wie man die Lerntechniken konkret bei dem Lernstoff ansetzt. Schade, das man immer wieder nur das gleiche liest. Schade um die Informationsflut, die eigentlich keine ist!

  9. Anonym

    Expertenforum Lerntechniken

    Hallo zusammen, zur Zeit findet in der Community das Expertenforum Lerntechniken statt: https://www.community.e-fellows.net/group/index/view/id/1461 Vielleicht könnt ihr ja dort eure Fragen noch einmal stellen. Viele Grüße Judith

  10. Hilfeee

    Bin ich faul?

    Jedes mal wenn ich lernen möchte fält es mir schwer einfach so an denn tisch zu sitzen und anzufangen. Immer dann wenn ich mich hinsetzte denke ich,ich könnte mir eine kleine Pause gönnen und dann vergis ich immer die zeit und dann sind schon 1-2std. weg. Könnt ihr mir kein tipp geben wiee es mir leichter fällt zu lernen?

  11. Dennis

    Aufnahmefähigkeit

    Ich kann kaum glauben, dass für alle Menschen gilt: 9-12 und 15-18. Da wird doch der alte Pauschalglaube durch neuen ersetzt. "Lerchen" und "Eulen" sind jedenfalls real - und je nach dem ist 9 Uhr ganz schön früh!

  12. Anonym

    Dauer der Lerneinheit

    Mich würde es interessieren, ob man pauschal sagen kann, ab welcher Dauer lernen nicht mehr sinnvoll ist? Z. B. 6h, 8h, 10h, 12h? Oder kann man mithilfe von Pausen die Effektivität über den Tag hinweg erhalten?

  13. cosimo

    Hilfe

    Wie bleibt das alles in meinem Kopf drinne ?? Danke jetzt schon mal !! Cosimo

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