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"Bei Bosch kann man sich zu 100 Prozent der Doktorarbeit widmen"

Bertelsmann University [Quelle: freeimages, Autor: marygober]

Quelle: freeimages.com, marygober

Promovieren, ohne Lehrveranstaltungen halten zu müssen? Mit einem konkreten Anwendungsgebiet aus der Industrie? Im Interview verrät Barbara Stiaszny von Bosch, welche Vorteile eine Industrie-Promotion hat und worauf man achten sollte, wenn man sich dafür entscheidet.

Sie schreiben Ihre Doktorarbeit bei Bosch - was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile einer Promotion in diesem Unternehmen?

Bosch ist ein großer Arbeitgeber, bei dem es sehr viele spannende Promotionsthemen gibt. Vor allem natürlich für Elektrotechniker, Physiker und Maschinenbauer, aber auch für mich als Chemikerin. Interessierte können sich auch initiativ bewerben und ein Thema vorschlagen. Als Doktorand bei Bosch in der Forschung ist man nicht ins Tagesgeschäft eingebunden wie bei anderen Automotive-Konzernen, sondern kann sich zu 100 Prozent seiner Doktorarbeit widmen. Außerdem bekommt man sehr viel Unterstützung, sowohl durch fachlichen Rat als auch bei der Ausrüstung. Ich kann mir hier ein gutes Netzwerk aufbauen und die Übernahmequote ist auch prima - sie liegt bei ungefähr 80 Prozent. Bei anderen Konzernen ist die Quote längst nicht so hoch.

Ist eine Industrie-Promotion ein guter Weg, um einen Einstieg in ein Unternehmen zu finden?

Das bietet sich an, weil man mit der Promotion schon einen Fuß in der Tür hat. Während der Doktorarbeit kann man überprüfen, ob es einem in der Firma gefällt. Der anschließende Einstieg ist auf jeden Fall einfacher, weil man sich schon ein Netzwerk innerhalb der Firma aufgebaut hat und die wichtigsten Ansprechpartner kennt.

Welches Projekt bearbeiten Sie bei Bosch?

Das Thema meiner Dissertation lautet "Alterungsmechanismen in Lithium-Ionen-Batterien mit oxidischen Kathoden". Ich überprüfe, wie sich eine zyklische Belastung auf die Batterien auswirkt, welche Belastung die negativsten Folgen hat und was die sinnvollste Betriebsstrategie für E-Autos und Hybrid-Fahrzeuge ist. Mein Projekt ist eine gute Mischung aus praktischer Tätigkeit und Auswertungsarbeit am Computer. Ich mache Experimente, aber bedingt durch mein Fach keine Simulationen. Anschließend werte ich die Ergebnisse am Computer aus und entwickle Erklärungsmodelle. Am Anfang habe ich viel im Labor gearbeitet, das wird dann aber mit der Zeit weniger, je mehr Routine man hat. Denn wenn man mehr Erfahrung mitbringt, muss man nicht so viele Tests wiederholen und hat die Parameter-Auswertung besser im Griff.

Wie profitieren Sie von der Zusammenarbeit mit den Experten in der Fachabteilung?

Mein direkter Betreuer bei Bosch ist Experte auf dem Gebiet der elektrochemischen Methoden, das ist ein riesiger Vorteil für mich. Natürlich ist es nicht immer so, dass der Betreuer das gleiche Fachgebiet hat, das man in der Promotion bearbeitet - trotzdem können die Betreuer einem immer weiterhelfen. Der Austausch mit meinem Betreuer ist sehr wichtig für mich, weil bei meinem Promotionsthema immer neue Fragen aufkommen. Wir sitzen oft zusammen und zerbrechen uns den Kopf über bestimmte Theorien, die ich entwickelt habe. Aber ich kann mich mit Fragen auch an alle anderen Kollegen wenden, wir haben hier bei Bosch einen sehr offenen Austausch - das möchte ich auf keinen Fall missen. Gemeinsam kommen wir oft auf tolle Ideen.

Haben Sie auch mit anderen Bosch-Doktoranden Kontakt?

In meiner Abteilung gibt es noch vier andere Doktoranden. Wir organisieren uns in Arbeitskreisen, die fachlich gegliedert sind. Außerdem gibt es einige Veranstaltungen speziell für Doktoranden, zum Beispiel Freizeit-Events im Klettergarten, Neueinsteiger-Treffen oder ein Besuch der Sternenwarte. Das Netzwerk bei Bosch funktioniert richtig gut – jeder kennt jeden. In meiner Abteilung selbst tauschen wir Doktoranden uns auch ganz intensiv aus, wir bearbeiten auch kleine Projekte zusammen. Ich habe mich zum Beispiel mit einem Kollegen zusammengetan, um die Sicherheit von gealterten Batterien zu untersuchen.

Wie oft sind Sie an der Uni?

Ich gehe ungefähr einmal die Woche zum Doktorandenseminar, in dem alle Promovenden ihre Arbeit vorstellen. Manchmal fahre ich darüber hinaus noch mehrere Male pro Woche an die Uni, weil ich für die Auswertung der Messdaten eine Software der Uni nutze. Generell kann ich mir meine Zeit recht frei einteilen und habe keine Anwesenheitspflicht, ich kann auch zuhause Publikationen lesen und an meiner Arbeit schreiben. Immer unter der Voraussetzung, dass das Promotionsthema innerhalb von drei Jahren abgeschlossen wird.

Wie unterscheiden sich die Arbeit an der Uni und die bei Bosch voneinander?

Die Arbeit bei Bosch ist viel anwendungsbezogener. Die Themen von Industrie-Promotionen sind generell weniger Grundlagen-orientiert und spannender. Außerdem können wir uns viel mehr auf unser Promotionsthema konzentrieren als Doktoranden, die an der Uni angestellt sind, weil wir keine Lehrveranstaltungen übernehmen und keine Skripte veröffentlichen müssen. Dafür sind an der Uni die Hierarchien flacher und die Entscheidungswege kürzer, zum Beispiel, wenn man ein neues Gerät anschaffen will.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich würde gerne bei Bosch einsteigen. Ich möchte gerne beim Thema Batterien bleiben, aber raus aus dem Labor und mehr von der Anwendung im fertigen Produkt sehen. Toll an Bosch finde ich, dass man so viele Entwicklungsmöglichkeiten hat und gut auch mal die Abteilung oder den Bereich wechseln kann.

Worauf sollte man bei der Wahl einer Industrie-Promotion achten?

Man sollte darauf achten, dass man sich mit dem Unternehmen identifizieren kann, bei dem man promoviert, und Leidenschaft für die Produkte hat, die dort hergestellt werden. Außerdem sollte man bei der Arbeit in der Industrie nicht vergessen, einen guten Kontakt zu seinem Professor an der Uni zu pflegen - das heißt regelmäßig Termine vereinbaren und sich in Erinnerung rufen. Und die Themen in der Industrie sind etwas spezieller, wenn man Grundlagenforschung machen möchte, passt das nicht so gut.

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