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Kinder von Besserverdienern neigen zu Narzissmus

Papas Prinzessin: Sind Studenten verwöhnt? [© lassedesignen - Fotolia.com]

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Wer in einem wohlhabenden Elternhaus aufwächst, hat bessere Startchancen. Ein guter Manager wird er dadurch aber noch lange nicht.

Privatschule und Einzelnachhilfe, Markenklamotten und das neueste Smartphone: Kindern von Besserverdienern mangelt es gemeinhin an wenig. Doch welche Folgen hat dieses Rundum-Sorglos-Paket auf die Entwicklung der Persönlichkeit? Nicht zwingend gute, sagen drei Forscher aus den Vereinigten Staaten und warnen: Wohlhabende Eltern können den Charakter verderben.

Die Studienautoren sind Management-Professoren aus Boston, Toronto und West Point. Sie weisen explizit darauf hin, dass es sich um eine erste Studie handele, dass weitere folgen müssten. In der Tat wirft ihre Vorgehensweise Fragen auf: Wie vertrauenswürdig sind die so erhobenen Einkommensangaben? Und lassen sich die Ergebnisse aus dem amerikanischen Militär tatsächlich auf andere Berufsgruppen und Unternehmen übertragen? Die Forscher verweisen aber auch darauf, dass auch andere Studien einen Zusammenhang zwischen dem Einkommen der Eltern und dem sozialen Verhalten der Kinder zeigen. So seien beispielsweise Kinder von Besserverdienern seltener dazu bereit, Sticker an Freunde zu verschenken, als Kinder aus weniger privilegierten Familien.

Kinder aus wohlhabenden Elternhäusern hätten viele Vorteile, allen voran ein sicheres Umfeld und gute Bildung. Aber sie hätten auch einen Nachteil: Sie würden mit "diesem seltsamen Glauben" aufwachsen, dass sie talentierter seien als andere – und deshalb auch nicht auf die Ideen anderer eingehen müssten. Warum aber schaffen es narzisstisch veranlagte Jungmanager im Berufsleben überhaupt nach oben? Auch dafür hat das Forscher-Trio eine Erklärung: In vergleichsweise kurzen Begegnungen wie einem Vorstellungsgespräch kämen sie oft ausgesprochen positiv rüber. Ihr wahres Naturell offenbare sich erst bei einer längeren Zusammenarbeit.

"Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Einkommen der Eltern und Narzissmus im Erwachsenenalter", schreiben Sean Martin, Stéphane Côté und Todd Woodruff in der "Harvard Business Review", einem der Leitorgane für modernes Management. Für ihre Studie schauten sich die Wissenschaftler Absolventen der amerikanischen Militärakademie West Point an, die heute eine Führungsposition inne haben. Die Soldaten mussten das Einkommen ihrer Eltern einst in ihrer Bewerbung angeben. Das Ausmaß des Narzissmus ermittelten die Forscher mittels mehrerer Befragungen. Einerseits mussten die Absolventen sich selbst charakterisieren ("Viele Gruppenaktivitäten sind ohne mich langweilig"), zudem wurden sie von ihren Untergebenen beurteilt. 229 Führungskräfte wurden auf diese Weise analysiert.

Wenig Mitgefühl für andere

Das Ergebnis liest sich wenig schmeichelhaft: "Ein höheres Einkommen der Eltern beeinträchtigt indirekt die Führungsqualitäten, weil es Narzissmus fördert." Narzissmus zeige sich durch ein ausgesprochen positives Selbstbild, impulsive Tendenzen, zudem zeigten Narzissten wenig Mitgefühl für andere. Ihr Verhalten in Führungspositionen sei oft kontraproduktiv. Ab welchem elterlichen Einkommen es kritisch wird, schreiben die Forscher nicht; der Höchstbetrag in ihrer Stichprobe waren 275.000 Dollar.

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