LL.M. an der University of Glasgow

Erfahrungsbericht von Antonia Landmann; Referendarin

In Hogwarts Jura studieren – mein LL.M. in Glasgow

Ich habe im akademischen Jahr 2014/2015 meinen LL.M. in International Commercial Law an der University of Glasgow absolviert. Da mein Erfahrungsbericht sich vorrangig mit den Themen der Bewerbung und der Wahl des Zeitpunkts des LL.M.-Studiengangs beschäftigen soll, stehe ich für spezifische Fragen zur University of Glasgow, dem Kursinhalt und Glasgow als Stadt gerne unter meiner angegebenen E-Mail-Adresse zur Verfügung.


Die Vorbereitungsphase: Bewerbung und Organisation

Worüber man sich zuerst informieren muss, sind die Fristen der Universitäten, an denen man sich bewerben möchte. Dazu kommen Fristen für etwaige Stipendiumsbewerbungen, die Beantragung von Sprachzeugnissen sowie Professorengutachten etc. Die Einzelheiten findet ihr auf den Websites der jeweiligen Universitäten beziehungsweise der Stiftungen oder Kanzleien, bei denen ihr euch auf ein Stipendium bewerben wollt.

Die erste Frist, die damals für mich relevant wurde, war die des DAAD. Die Bewerbung musste dort schon Ende März vollständig eingehen. Ich kann euch diesbezüglich nur raten, insbesondere die Professorengutachten früh genug anzufragen. Ich hatte die Professoren meiner Wahl schon im November angesprochen, hatte die Unterlagen aber erst im Februar vollständig beisammen. Auch um einen Termin für den Sprachtest sollte man sich frühzeitig kümmern. Ich habe damals den TOEFL gemacht, der meines Wissens heute in Glasgow aber nicht mehr anerkannt wird. Damals waren die Termine in Bonn (meinem Wohnort) und Köln alle schon vergeben. Zum Glück habe ich für Ende Januar noch einen Termin in Düsseldorf bekommen. Trotzdem hat es nur ganz knapp geklappt, das Prüfungszeugnis bis Ende März vorliegen zu haben. Hätte ich die vom DAAD geforderte Punktezahl nicht erreicht, hätte ich es nicht geschafft, den Test innerhalb der Bewerbungsfrist noch einmal abzulegen. Mein Tipp: Egal wie gut euer Englisch ist, seht euch die entsprechenden Vorbereitungsbücher an. Es gibt sie in fast allen Bibliotheken, sodass ihr euch nicht extra eines anschaffen müsst. Mir hat es sehr geholfen, einmal die Art der Fragen zu sehen und einschätzen zu können, wie die Anforderungen bezüglich Reaktionszeit und Umfang der Antworten aussehen. Damit ist es dann absolut kein Problem, ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Als letzter Teil der Vorbereitung steht die Wohnungssuche an. Ich hatte hier Glück, da ich mit einer Freundin zusammen ins Ausland gegangen bin und wir außerdem Familie vor Ort hatten, die sich infrage kommende Wohnungen für uns ansehen und auch für uns bürgen konnte. In Großbritannien ist es schwierig, private Wohnungen anzumieten, ohne einen Bürgen im Land zu haben. In unserem Fall hätte eine Bürgschaft unserer Eltern in Deutschland nämlich nicht ausgereicht. WG-Zimmer werden kaum übers Internet vermittelt. Viele Kommilitonen haben daher die ersten Nächte im Hostel verbracht, dann aber innerhalb der ersten Woche rasch ein Zimmer gefunden. Es gibt jedoch auch jede Menge Gruppen auf Facebook (z. B. „German Society University of Glasgow“), in die oft Wohnungsgesuche und -angebote eingestellt werden. Für Studenten, die vor der Anreise gerne alles geregelt hätten, gibt es jede Menge „Student Accommodations“ (universitär und privat). Diese sind im Schnitt zwar etwas teurer als WG-Zimmer oder private Wohnungen, man muss sich jedoch nicht mehr um Strom oder Internet kümmern.

Wahl des Zeitpunkts

Ich habe mich entschieden, meinen LL.M. nach dem Ersten Staatsexamen zu machen und würde dies grundsätzlich auch empfehlen. Ein klarer Vorteil gegenüber dem Zeitpunkt nach dem Zweiten Staatsexamen ist, dass man jünger ist. LL.M.-Studenten aus anderen Ländern sind meistens sowieso jünger als die deutschen, da das Studium in wenigen Ländern so lange dauert wie bei uns. Hinzu kommt, dass in die Societies der Universität viele „Fresher“ eintreten, da sie genauso neu in der Stadt sind wie du. Auch zu diesen Kommilitonen ist der Altersunterschied schon groß genug, wenn man nach dem Ersten Staatsexamen den LL.M. macht. Es ist meines Erachtens einfacher, sich auf das Studentenleben in Glasgow einzulassen, wenn man selbst noch mehr Lust auf diese Erfahrungen hat. Ich kann mir vorstellen, dass ich mich mit 27 Jahren nicht mehr so leicht mit 20-Jährigen angefreundet hätte wie mit 25. Dies ist aber natürlich eine sehr subjektive Einschätzung. In meinem Jahrgang waren auch einige Studenten, die ihren LL.M. nach dem Zweiten Staatsexamen gemacht haben, und die haben sich nicht schlechter integriert als alle anderen. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass ich mich nach meinem Zweiten Staatsexamen gegen den LL.M entschieden hätte. Nach der dann insgesamt sehr langen Ausbildung haben viele Juristen das Bedürfnis, zu arbeiten oder eine Familie zu gründen, aber nicht unbedingt noch einmal ein Jahr zur Uni zu gehen.

Eine Möglichkeit, die mir vor diesem Jahr nicht bewusst war, ist, den LL.M während des Studiums zu absolvieren. Ich hatte in meinem Jahr zahlreiche Studenten aus Mainz und Bayreuth, die den LL.M. nach ihrem Hauptstudium gemacht haben. Da solltet ihr euch einfach mal bei der Studienberatung eurer jeweiligen Universität informieren. Der große Vorteil ist, dass der LL.M. dann gleichzeitig als Schwerpunkt angerechnet wird. Man „verliert“ also grundsätzlich überhaupt keine Zeit und erhält trotzdem seinen Titel. Diese Studenten waren zwar den Arbeitsaufwand noch nicht gewöhnt, den ein Student mit Staatsexamen schon kennt. Das hat sich jedoch im Endeffekt in den Noten nicht bemerkbar gemacht.


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