LL.M. an der U.W.E. Bristol

Erfahrungsbericht von Jana Hollstein, Rechtsreferendarin, 2013

Hello and Welcome to Bristol!

Es ist nun schon einige Zeit her, dass ich mich entschieden habe, nach dem Studium nach Bristol in Großbritannien zu gehen. Freunde fragten, ob es denn nicht langsam reiche mit der Studiererei – und eigentlich hatten sie ja Recht. Doch es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte!

Warum gerade die University of the West of England?

Die U.W.E. ist keine Top-Uni. Weder in den Rankings noch im wahren Leben. Doch weil ich in Münster studiert und eine Fachspezifische Fremdsprachenausbildung (FFA) in Englisch gemacht hatte, habe ich mich mit der Stadt und der Uni beschäftigt. Dank einer Kooperation konnten wir den Titel theoretisch in gut einem Semester plus Abschlussarbeit erwerben. Da ich ursprünglich nicht vorhatte, länger als drei, vier Monate ins Ausland zu gehen, stand der Plan recht schnell. Von Freunden hatte ich ausschließlich Gutes gehört, und die Stadt ist wirklich toll!

Das Bedürfnis, noch einmal „rauszukommen“

Für mich gab es nur einen richtigen Zeitpunkt: nach dem Ersten Examen. Ich hatte das starke Bedürfnis, noch einmal „rauszukommen“. Und so ging es wohl fast allen LL.M.- Studenten in Bristol, denn nur wenige hatten bereits das Zweite Examen hinter sich gebracht. Ich habe dabei gerne in Kauf genommen, dass ich nach meiner Rückkehr nicht mehr so „im Stoff“ war. Dafür bin ich nun um viele tolle Erfahrungen reicher und konnte sehr ausgeglichen ins Referendariat starten.

Fristen über Fristen

Man muss sich früh über alles informieren, was mit dem LL.M. zusammenhängt, weil viele Fristen zu beachten sind. Um z. B. an ein Stipendium zu gelangen, muss man etwa ein Jahr Vorlaufzeit einplanen. Das Zusammenstellen der Bewerbungsunterlagen klingt einfach, darf aber nicht unterschätzt werden – gerade wenn man mitten im Examen steckt und eigentlich Sinnvolleres mit seiner Zeit anzufangen weiß, als Sprachtests abzulegen...

Die Bewerbung für die Uni dagegen ist relativ unproblematisch, sobald man alle Unterlagen beisammen hat. Die Vorbereitung auf Bristol selbst war ebenfalls recht entspannt: Es reichten wenige Wochen aus, da ich schon von einem Erasmus-Aufenthalt in Großbritannien wusste, dass sich die meisten Dinge vor Ort sowieso im einfachsten regeln lassen. Es war schnell ein bezahlbares Zimmer nahe der Uni gefunden (die Website gumtree.com ist hier zu empfehlen!). Möchte man lieber in einem Studentenwohnheim/-haus wohnen, sollte man sich über die Unterschiede informieren!

„Hello + welcome“ – das Studium an der U.W.E.

Das Studium in Bristol beginnt mit Einführungswochen. Man lernt Stadt und Kommilitonen kennen, regelt Organisatorisches (Konto, Krankenversicherung etc.) und besucht Workshops zu den unterschiedlichsten Themen. Wie in England üblich, ist die Betreuung erstklassig. Die vielen Helfer mit ihren „Hello + welcome“-Shirts stehen überall auf dem Campus verteilt und retten jeden noch so verwirrten Studenten.

Trotz FFA blieb ich ein ganzes Studienjahr. Wenn man sich vorher informiert, kann man wirklich viel mitnehmen und trifft interessante, engagierte Leute. Insgesamt belegt man sechs (mit FFA vier) Seminare, drei pro Semester, die alle zwei Wochen stattfinden und je drei Stunden dauern. Klingt wenig, ist es aber nicht. Um richtig teilnehmen zu können, ist eine intensive Einarbeitung nötig. Wenn man alles bearbeiten würde, was vorgegeben ist, käme man aus der Bibliothek gar nicht mehr heraus. In jedem Seminar gibt es kleine oder größere Hausaufgaben (Kurz-Essays, Präsentationen, Gruppenarbeiten) und zum Abschluss ein Essay (4.000 Wörter) sowie eine mündliche Prüfung (zehn Minuten Präsentation, fünf Minuten Befragung). Am Ende des Studiums steht dann die „Dissertation“, deren Bezeichnung zu Hause für allgemeine Verwirrung sorgte. Dazu sucht sich jeder Student einen Tutor, bespricht mit diesem das Wunschthema, den Ablauf und das Ziel der Bearbeitung – und los geht es. 15.000 Worte sind am Ende einzureichen. Bei zwei Abgabeterminen pro Jahr (August und November) ist die Zeiteinteilung sehr flexibel.

Das hat mir der LL.M. gebracht

Ich kann noch nicht genau abschätzen, was mir der Abschluss fachlich und beruflich bringt. Aber bei den letzten Bewerbungen hat er sicher nicht geschadet. Persönlich hat er mir auf jeden Fall weitergeholfen: Es fällt mir nun sehr viel leichter, frei vor Publikum zu sprechen und dabei erkannte Fehler und Schwächen zu überspielen. Ich frage mich regelmäßig, ob meine derzeitige Aufgabe tatsächlich mehr Fehlerpotenzial birgt, als meine englischen Präsentationen vor Muttersprachlern, bei denen ich gefilmt wurde – die Antwort ist immer ein klares Nein.

Mein Jahr in England war eine Zeit, die ich nicht missen möchte. Ich habe nicht nur viele tolle Menschen getroffen und einige Unsicherheiten abgelegt; ich habe auch fachlich neue Perspektiven entdeckt. So werde ich z. B. meine Wahlstation unter anderem im Bereich des Außenhandelsrechts ableisten – auf diese Idee wäre ich vorher wahrscheinlich nicht gekommen!


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