LL.M. an der Queen Mary, University of London 2017

Erfahrungsbericht von Florian Wünscher;, Rechtsanwaltsanwärter bei Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati Rechtsanwälte GmbH

Ein LL.M. im Londoner East End

In den Bewerbungsvoraussetzungen für juristische Berufe ist Auslandserfahrung, sei sie im akademischen Rahmen oder durch praktische Erfahrungen erworben, ein sehr wichtiges Asset. Da ich während meines Studiums in Österreich kein Auslandssemester absolvierte, war für mich ein LL.M.-Studium die beste Möglichkeit, Auslandserfahrung zu sammeln, meine Englischkenntnisse zu verbessern, ein Jahr in einer meiner absoluten Lieblingsstädte zu verbringen und obendrein noch einen Abschluss einer englischen Top-Universität zu erlangen.

Vorbereitungen für Bewerbung und Studium

Die Bewerbung an der Queen Mary, University of London (QMUL) nimmt nicht viel Zeit in Anspruch und erfolgt relativ simpel über ein Onlineportal. Hat man alle erforderlichen Unterlagen (hauptsächlich Zeugnisse und Empfehlungsschreiben) beisammen, ist dies in wenigen Minuten erledigt. Man sollte sich früh genug um die erforderlichen Empfehlungsschreiben kümmern, da sich manche Professoren erfahrungsgemäß etwas mehr Zeit mit der Bearbeitung lassen. Die Aufnahme für den LL.M. findet an der QMUL unabhängig von Bewerbungsfristen statt: Bewirbt man sich und erfüllt die Voraussetzungen, erhält man sofort eine Zusage. In meinem Fall erhielt ich meine Zusage nach zwei Wochen Wartezeit. Beworben hatte ich mich Ende November 2014, also rund zehn Monate vor dem geplanten Studienbeginn.

Länderspezifische Voraussetzungen für die Zulassung können in der Rubrik für internationale Studenten auf der Universitätswebsite eingesehen werden. Das LL.M.-Programm an der Queen Mary ist relativ groß: In meinem Jahrgang waren es insgesamt um die 750 LL.M.- Studenten mit verschiedenen Spezialisierungen. Durch die Größe können auch Kurzentschlossene, die sich relativ kurz vor Studienbeginn bewerben möchten, einen Studienplatz erhalten.

Durch die frühe Zusage hatte ich genügend Zeit, um alles Weitere wie Wohnungssuche und Finanzierung für das Studium in die Wege zu leiten. Die QMUL verfügt über einen Campus im Londoner East End, auf dem sich die Studentenwohnheime befinden. Der Campus ist wie ein kleines Dorf und verfügt über Waschsalons, Restaurants und Bars, Geschäfte, eine Bankfiliale und ein Fitnesscenter. Um einen Platz in einem Studentenwohnheim kann man sich für das Wintersemester ab Mai bewerben, ab Ende Juni wird man dann verständigt, ob man das Glück hatte, einen Platz zu erhalten. Finanziell lohnt es sich auf jeden Fall, am Campus zu wohnen, da die Preise für private Studentenwohnheime um einiges höher liegen und auch Privatwohnungen in London sehr teuer sind. Zusätzlich hat man den Vorteil, in unmittelbarer Nachbarschaft anderer LL.M.-Studenten zu wohnen.

Studieren in London – ein nicht ganz preiswertes Vergnügen

Die Studiengebühren für den LL.M. betrugen zum Zeitpunkt meines Studiums 12.600 Pfund. Mit den Kosten für das Studentenwohnheim für das Studienjahr war ich bereits vor meinem Abflug nach London bei Fixkosten von ca. 30.000 Euro, geschuldet auch dem starken Kurs des britischen Pfunds zu dieser Zeit. Ich rechnete mit weiteren 10.000 Euro, die ich an Lebenshaltungskosten für das Jahr brauchen würde. Somit hatte ich für das gesamte LL.M.-Jahr 40.000 Euro veranschlagt. Mit dieser Summe bin ich dann glücklicherweise auch gut ausgekommen. Geld gespart habe ich vor allem dadurch, dass ich meist selbst im Wohnheim gekocht habe. Es blieb auch genügend übrig, um während des LL.M. zwei Städtetrips nach Paris und Brüssel zu finanzieren, das Londoner Nachtleben zu genießen, Restaurants und Bars zu besuchen und auch einige Premier-League-Spiele zu sehen.

Finanziert wurde mir das Studium dankenswerterweise durch ein Familienmitglied. Die Universität bietet jedoch auch eine gewisse Anzahl von Voll- und Teilstipendien für den LL.M. an.

Das LL.M.-Studium an sich

Die QMUL bietet 21 verschiedene LL.M.-Spezialisierungen an. Ich habe meinen LL.M. in International Business Law absolviert. Man belegt drei Kurse, die sich über das ganze Studienjahr erstrecken. Die Prüfungen finden dann im Zeitraum Anfang Mai bis Anfang Juni statt. Des Weiteren hat man eine Master Thesis mit einem Umfang von 15.000 Worten zu verfassen. Die Deadline hierfür ist im August. Das Kursangebot war für meine Spezialisierung wirklich sehr reichhaltig, und es war dadurch nicht einfach, sich auf nur drei Kurse festzulegen. Wie die Studenten des Programms ist auch der Lehrkörper sehr international: In meinen drei Kursen hatte ich einen irischen, einen argentinischen und einen griechischen Vortragenden.

Fazit

Einen LL.M. an der Queen Mary, University of London kann ich uneingeschränkt empfehlen. Der akademische Standard ist hoch, man lernt also auch wirklich etwas und bildet sich fachlich weiter. Aber das größte Highlight ist – neben der Möglichkeit, in einer Weltstadt wie London zu leben – ohne Zweifel die Möglichkeit, eine große Anzahl internationaler Freundschaften zu schließen. Dieser Aspekt machte mein Jahr an der Queen Mary zu einer der besten Erfahrungen meines Lebens.


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