LL.M. am King's College 2014

Erfahrungsbericht von Mark Orthmann, Doktorand, 2014

King’s College London: King’s Creates Legends

Ein LL.M.-Studium am King’s College London ist fester Bestandteil der „European Law School“. Das ist eine integrierte europäische Juristenausbildung der Humboldt-Universität zu Berlin, der Université Panthéon-Assas, des King’s College London und neuerdings auch der Sapienza (Rom 1). Aktiv habe ich mich also nicht für das King’s College entschieden. Warum der LL.M. am King’s College trotzdem eine gute Wahl ist und einem Maîtrise-Studium in Paris vorzuziehen ist, werde ich im Folgenden erklären.

Das College und seine LL.M.-Schwerpunkte

Das King’s College London hat einen sehr guten Ruf. Bei Bewerbungsgesprächen wurde ich oft auf Professor Richard Whish angesprochen, der in meinem Schwerpunkt Competition Law die Vorlesung „EU Competition Law“ hielt. Auch wenn Richard Whish zum kommenden Semester das King’s College verlässt, wird der Schwerpunkt Competition Law wohl nur wenig an Anerkennung verlieren, da David Bailey in dessen Fußstapfen tritt – Co- Autor eines wichtigen Standardwerks und ebenfalls bestens bekannt in den Kartellrechtsabteilungen deutscher Großkanzleien.

Auch andere Schwerpunktbereiche genießen ein hervorragendes Renommee. Hiervon sollte man profitieren und den Weg der Spezialisierung im LL.M. gehen. Wählt man nämlich eine bestimmte Mindestanzahl von Kursen aus einem Schwerpunkt, schlägt sich dies auch im späteren Titel nieder, z. B. LL.M. in Competition Law.

Sollte man sich also schon für London als Studienort entschieden haben, ist es meiner Meinung nach fast wichtiger, sich zuerst zu überlegen, in welche Richtung man sich spezialisieren will und dann die Universität auszuwählen, die für den Fachbereich einen guten Ruf genießt. Denn was das Gesamtrenommee angeht, steht beispielsweise die London School of Economics dem King’s College in nichts nach.

Hohe Studiengebühren, aber bester Service

Wer zwischen einem Studium in London und Paris schwankt, dem kann ich nur London ans Herz legen. Sicher, Paris hat als Stadt ihren ganz eigenen Charme, und die Lebenshaltungskosten liegen unter denen in London. Denn in der britischen Metropole bleibt für Wohnung, Nahverkehr und Pub-Besuche viel Geld auf der Strecke. Deshalb wird auch die Finanzierung ein wesentlicher Knackpunkt sein und muss frühzeitig in Angriff genommen werden. Ich selbst kam in den Genuss des LL.M.-Reisestipendiums von Freshfields Bruckhaus Deringer, auf das ich über den e-fellows.net-Newsletter aufmerksam wurde. Auch der DAAD bietet ein Stipendium fürs LL.M.-Studium an. Ein Kommilitone fand in der Dependance einer deutschen Kanzlei in London eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter, wo er zwei Tage pro Woche arbeitete. Angesichts der mäßigen Arbeitsbelastung an der Fakultät ist dies auch durchaus machbar.

Trotz der anfänglichen Finanzierungssorgen halte ich London für lohnenswert. Die Stadt hat viel zu bieten und ist unglaublich offen; als Ausländer fühlt man sich selten. Vor allem aber gestaltet sich das Studium viel angenehmer. Für die doch recht happigen Studiengebühren erhält man einen guten Service: Sprech- und Öffnungszeiten von Bibliotheken und anderen Service-Einrichtungen sind großzügig bemessen, und auf E-Mail-Anfragen erhielt ich immer rasch Antwort. Sogar ein NHS Centre zur hausärztlichen Versorgung befindet sich auf dem Campus. Mit dem Wohnheimprogramm des King’s College bin ich ebenfalls sehr bequem gefahren. Online lässt sich eine Präferenzliste der verschiedenen Wohnheime erstellen, und frühzeitig, etwa im August, bekommt man ein Angebot von einem der Wohnheime.

Konzentration aufs Wesentliche im Pflichtprogramm

Ein Master-Studium sollte meines Erachtens spezialisiert und selbstbestimmt sein. Beide Attribute kann ich dem LL.M. am King’s College guten Gewissens anheften. Anders als bei meinem Master-Studium in Paris gibt es keine Nebenfächer, die in jedem Fall zu belegen sind. Auch eine Anwesenheitspflicht im Tutorial, mit dem selbst der gereifte Student in Frankreich noch gegängelt wird, ist dem King’s College fremd. Durchschnittlich zehn Wochenstunden Vorlesungen und Tutorien hielt ich für eine angemessene Arbeitsbelastung.

Vielseitige Zusatzangebote

Dank der überschaubaren Arbeitsbelastung blieb mir genügend Zeit, Zusatzangebote wahrzunehmen. Dazu zählten Kurse zum Verfassen wissenschaftlicher Texte und eine wöchentlich stattfindende Abendvorlesung. Letztgenannte wartete mit wechselnden Gästen aus der Europäischen Kommission, den nationalen Wettbewerbsbehörden und im Kartellrecht spezialisierten Anwaltskanzleien auf, die nicht nur aus ihrer Praxis berichteten, sondern auch Licht auf Querschnittsmaterien wie etwa „Patentschutz und Wettbewerbsrecht“ oder „technische Standardisierung und Wettbewerbsrecht“ warfen.

Das Angebot ist insgesamt vielfältig, und die Kurse sind von guter Qualität. Das Career Center informiert regelmäßig über Veranstaltungen deutscher Kanzleien in London, die mit fast schon pompösen Abendprogrammen um die zukünftigen LL.M.-Absolventen buhlen. Die Postgraduate Law Society organisierte zudem fast jede Woche einen Pub-, Baroder Club-Abend, wo man wunderbar Kontakte zu den anderen LL.M.-Studenten knüpfen konnte. Einziges Manko ist das Sportangebot, welches sich in studentischer Hand befindet und an Auswahl, Preis-Leistungs-Verhältnis und Professionalität nicht mit dem einer deutschen Universität mithalten kann.


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