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Die Zukunft der Telekommunikation im Buchformat

Smartphone digital mobil Telekommunikation [Quelle: Pixabay.com, Autor: edar]

Quelle: Pixabay.com, edar

Im Juli erscheint der dritte Band des Buchs "Future Telco" – ein Sammelband mit wegweisenden Aufsätzen zur Zukunft der Telekommunikationsunternehmen (Telko). Im Interview erklärt Dr. Peter Krüssel – Managing Partner bei Detecon und Herausgeber des Buchs –, wie es um den deutschen Telko-Markt bestellt ist, warum WhatsApp, Facebook und Co. die deutschen Netzbetreiber bedrohen und warum sich die Nutzer auf die Telekommunikation der Zukunft freuen dürfen.

Welche Herausforderungen stellen sich den deutschen Telekommunikations-Unternehmen derzeit?

Die Herausforderungen für Telko-Unternehmen sind vielfältig. Grundsätzlich kann man aber vier Hauptpunkte ausmachen: starkes Verkehrswachstum, ein ausgeprägter Preiswettbewerb zwischen den Telko-Unternehmen, ein zunehmender Dienstewettbewerb insbesondere mit den großen Internetplayern und der einengende regulatorische Rahmen.

Wie machen sich diese vier Faktoren bemerkbar?

Durch neue Technologien, steigende Nutzerzahlen und ein neues Nutzungsverhalten werden die Netze immer stärker ausgelastet. Das gilt vor allem für die Mobilfunknetze. In manchen Ländern ist dieses Wachstum sogar exponentiell. Die Carrier, also die Netzbetreiber, müssten ihre Netze deutlich stärker ausbauen, um dem Verkehrswachstum gerecht zu werden. Alleine in Deutschland müssten Milliarden investiert werden.

Aber?

Um das zu finanzieren, müssten Internet-, Festnetz- und Mobilfunkanbieter ihre Preise erhöhen oder zumindest stabilisieren. Das können sie aber nicht, weil sie untereinander stark konkurrieren. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Anbieter im Gegenteil immer günstigere Angebote machen. Dazu kommt noch der besagte Dienstewettbewerb, denn immer mehr OTT-Dienste drängen auf den Markt, belasten die Netze und machen den Telko-Firmen ihre Geschäftsfelder streitig.

Was genau versteht man unter OTT-Diensten?

OTT steht für Over-the-Top und bezeichnet Dienste, die typischerweise von Internetanbietern über das Netz der Telekommunikationsanbieter bereitgestellt werdem, ohne dass die Netzbetreiber eine Kontrolle über die Dienste haben. Zu diesen OTT-Diensten zählen zum Beispiel WhatsApp oder Skype, aber auch Facebook, Amazon, Netflix und viele weitere. Die Nutzer können etwa über Skype telefonieren oder WhatsApp-Nachrichten statt SMS verschicken. Das nimmt den Telekommunikationsunternehmen ihre Geschäftsgrundlage. Gleichzeitig laufen diese Dienste über die Netze der klassischen Telko-Unternehmen. Vor allem Streaming-Dienste wie Netflix können für  eine Überlastung sorgen, insbesondere in den sogenannten Peak-Zeiten. Investitionsintensive eigene Netze müssen OTT-Anbieter nicht betreiben, daher sind sie im Vorteil gegenüber den Telko-Unternehmen.

Sie haben noch den regulatorischen Rahmen angesprochen.

Richtig. Die Telekommunikationsunternehmen, die ihren Sitz in Deutschland haben, unterliegen deutschem Recht und werden stark reguliert. Die OTTs haben ihren Firmensitz dagegen meist im Ausland – oft in den USA – und sind daher nicht oder nur wenig reguliert, auch in den Dienstebereichen, die zu den klassischen Telko-Diensten gehören wie Telefonie. Es gibt aktuell Bestrebungen, chancengleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Das wird gerade durch die EU-Kommission geprüft.

Können Sie ein Beispiel für die Regulierung nennen?

Netzbetreiber müssen zum Beispiel gewährleisten, dass alle Daten gleich schnell in ihrem Netz übertragen werden, egal von welchem Anbieter. Diese sogenannte Netzneutralität soll verhindern, dass beispielsweise ein Skype-Telefonat mit geringerer Geschwindigkeit übertragen wird als ein Telefonat, das über einen Mobilfunk- oder Festnetzanbieter läuft.

Wie können die Telko-Unternehmen diesen Herausforderungen begegnen?

Indem sie sich auf ihre Stärken besinnen, das heißt vor allem: auf die Qualität der Netze. Integrierte Carrier – also Anbieter, die sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknetze betreiben – haben dabei eine besonders gute Ausgangsposition. Denn nur sie können eine nahtlose Konnektivität sicherstellen und mit dem enormen Verkehrswachstum umgehen. Ein Schlüssel besteht auch in Unternehmenspartnerschaften. Die Telkos müssen ja nicht alles selbst erfinden und machen, sie können zum Beispiel mit ausgewählten OTTs kooperieren, um ihr Serviceportfolio abzurunden. Eine Stärke der Telko-Anbieter ist aber auch das Ansehen beim Endkunden: Aspekte wie Sicherheit, Datenschutz und Vertrauenswürdigkeit spielen eine große Rolle – und da haben die Telko-Unternehmen einen besseren Ausgangspunkt als die OTT-Anbieter. Sie müssen diese Stärke nur geschickt ausspielen. Gleichzeitig müssen Telko-Unternehmen intern die Effizienz steigern, neue Technologien entwickeln und eigene Strukturen und Prozesse optimieren.

Wie weit sind die Telekommunikations-Anbieter diesem Weg?

Alle Telko-Firmen haben Programme aufgelegt und wandeln sich, aber die externen Veränderungen sind überraschend schnell und vehement eingetreten: Wenn man sich in der Rückschau die Prognosen zur Mobilfunk- und Internetnutzung anschaut, stellt man fest, dass sie alle viel zu vorsichtig waren und immer wieder nach oben korrigiert werden mussten. Bedenken Sie, das erste iPhone kam 2007 auf den Markt. Was sich seither alles verändert hat!

Können Sie ein Beispiel nennen, inwiefern Telko-Unternehmen auf die Veränderungen reagiert haben?

Zum Beispiel haben die meisten Telko-Anbieter inzwischen integrierte Produkte, also ein Paket aus Internet, Mobilfunk und Festnetz sowie Fernsehen. Als Beispiele fallen mir Magenta Eins der Deutschen Telekom oder Vodafone Red One ein. Ferner erweitern einige Telkos ihr Portfolio um Smart Home Services. Auch das Kundenmanagement ist an vielen Stellen digitalisierter und besser geworden. Das wird sich in Zukunft noch verstärken.

"Keine andere Branche hat sich in den vergangenen 20 Jahren so stark verändert"

Wie sieht die Zukunft der Telekommunikation für die Nutzer aus?

Die Kundenschnittstelle wird in jedem Fall besser und einfacher werden. Aktuell informieren sich Kunden auf einem Kanal, bevor sie etwas kaufen, nutzen einen anderen zum eigentlichen Shoppen und wiederum andere, um Probleme mit oder Fragen zu dem Produkt zu klären. Das wird in Zukunft gebündelt werden.

Gleichzeitig werden Benutzeroberflächen zukünftig intuitiver und besser bedienbar sein. Nehmen wir an, Sie sind unterwegs und informieren sich über ein Produkt. Sie werden abgelenkt und brechen den Vorgang ab. Dann wird es problemlos möglich sein, den Prozess zu einem späteren Zeitpunkt genau da weiterzuführen, wo Sie vorher aufhören mussten. Außerdem werden Produktempfehlungen und die persönliche Ansprache genauer. Wenn Sie beispielsweise durch die Kölner Schildergasse laufen, kann Ihr Smartphone Sie auf ein Angebot eines nahegelegenen Geschäfts aufmerksam machen, das zu Ihrem bisherigen Nutzerverhalten passt.

Ist das nicht der Alptraum eines jeden Datenschützers?

Nicht, wenn man bedenkt, wie viele Daten heutzutage bei OTT-Anbietern landen, deren Datenschutz-richtlinien nicht mit den deutschen Standards vergleichbar sind. Die Telko-Anbieter müssen dagegen deutsche bzw. europäische Richtlinien befolgen. Außerdem kann es gut sein, dass Sie in Zukunft jeweils kontextbezogen den Datenschutzbestimmungen zustimmen müssen – oder sie auch ablehnen können.

Sie verantworten den Bereich Telekommunikation bei der Unternehmensberatung Detecon und sind für die Publikation "Future Telco" verantwortlich. Was genau machen Sie dabei?

Seit 2014 veröffentlichen wir im Jahresrhythmus Bücher unter dem Reihentitel "Future Telco". Ich bin dafür verantwortlich, Themen zu identifizieren, Autoren zu suchen, den übergeordneten Rahmen festzustecken und dadurch einen Rundumblick über die Zukunft der Telekommunikationsbranche zu geben.

Wie wählen Sie die Autoren aus?

Nach ihrer Expertise. Es handelt sich dabei um Experten aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Berater der Detecon, aber auch Wissenschaftler und Branchenspezialisten aus der Industrie. Jeder Autor beleuchtet eine Facette des Themas. So geben die Bücher einzeln, vor allem aber als Gesamtreihe, einen umfassenden Überblick über die Telekommunikation der Zukunft, die Probleme und die Lösungen – und das nicht nur für die Technik und IT, sondern auch für andere Bereiche wie Marketing oder Sales.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit so vielen Autoren?

Natürlich ist es eine Menge Aufwand, ein Herausgeberwerk so zusammenzustellen und alles zu koordinieren, dass am Ende ein einheitliches und hochwertiges Gesamtprodukt entsteht, aber grundsätzlich ist die Zusammenarbeit mit den Autoren gut und viele freuen sich, einen Beitrag schreiben zu dürfen.

Wer ist denn die Zielgruppe der Buchreihe?

Das Buch richtet sich an Vertreter aller Branchen: Netzwerkausrüster, Mitarbeiter von Telko-Firmen, andere Berater. Als Partner der Detecon im Bereich Telekommunikation bin ich auch dafür zuständig, Themen aktiv bei bestehenden Kunden und potenziellen Kunden zu platzieren. Auch dafür ist die Fachbuchreihe "Future Telco" gut geeignet. Sie zeigt, welch breite Expertise wir auf diesem Gebiet haben.

Welche Aufgaben gehören sonst noch zu Ihrem Job?

Die Aufgaben orientieren sich an vier Dimensionen, die auch durch unser Zielsystem abgebildet werden: Project, Client, Knowledge und People. Ich pflege bestehende Kundenbeziehungen und akquiriere neue Kunden, begleite Kundenprojekte, treibe die Knowledge-Entwicklung der Detecon, coache Mitarbeiter und Projektleiter und nehme natürlich auch administrative Aufgaben wahr. Außerdem unterstütze ich stark die Rekrutierung neuer Mitarbeiter für die Detecon.

Was schätzen Sie an Ihrem Job und was ist herausfordernd daran?

Wir haben ein tolles und inspirierendes Betriebsklima, welches viele Freiräume bereithält. Das ist mir unglaublich wichtig. Inhaltlich finde ich es sehr reizvoll, mich mit der Telekommunikationsbranche auseinanderzusetzen. Ich kenne keine Branche, die sich in den vergangenen 20 Jahren so stark verändert hat. Aber natürlich bedeutet das auch, dass man ständig mit neuen Technologien und Entwicklungen konfrontiert wird. Man muss immer up to date bleiben.

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