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5G als Treiber für eine digitale Stadt?

Frau Handy [Quelle: unsplash.com, Autor: rawpixel.com]

Quelle: unsplash.com, Autor: rawpixel.com

Die Bürgermeisterin einer mitteleuropäischen Stadt stellt Überlegungen in Bezug auf den Ausbau des 5G-Netzes an. Sie bittet dich um eine Beratung. Kannst du ihr dabei helfen, wichtige Entscheidungsrechnungen durchzuführen?

Aufgabenstellung

Die Bürgermeisterin einer mitteleuropäischen Stadt mit drei Millionen Einwohner:innen legt großen Wert darauf, dass die Stadt international in verschiedensten Städterankings, wie zum Beispiel dem Global Liveability Ranking oder dem Smart City Index eine Vorreiterposition einnimmt und dementsprechend auch technologisch stets am Puls der Zeit ist.
In den letzten 15 Jahren rangierte die Stadt in verschiedenen Rankings stets unter den Top 10. Durch die Verbreitung des 5G-Mobilfunkstandards denkt die Bürgermeisterin über den Mehrwert eines frühzeitigen 5G-Ausbaus für Bürger:innen und Unternehmen nach. Die Regierung des Landes hat bereits vor einigen Monaten eine 5G-Strategie entwickelt, Handlungsfelder für den Ausbau in den kommenden Jahren identifiziert und grobe Rahmenbedingungen festgelegt. Insgesamt sind die zeitlichen Ambitionen des Landes nicht so hoch wie die der Bürgermeisterin. Daher stellt sich unter anderem die Frage, ob die Stadt innerhalb des Landes einen schnelleren Ausbau sicherstellen könnte.

HINWEIS: Bitte lies und bearbeite die Aufgabenstellungen nacheinander. Die Aufgabenstellungen bauen aufeinander auf und enthalten Antworten auf die vorangegangenen Fragestellungen

Fragestellung 1 

Welche Faktoren müssen in der Konzeptstudie für die Stadt berücksichtigt werden, um herauszufinden, ob ein frühzeitiger Ausbau von 5G für die Stadt wertstiftend ist? Würdest du auf Basis der identifizierten Faktoren einen frühzeitigen Ausbau empfehlen? 

Lösungsweg 1

Für die Bürgermeisterin der Stadt ist es essenziell, ihren Bürger:innen sowie ihren Unternehmer:innen neuste technologische Möglichkeiten zu bieten. Zusätzlich möchte die Stadt auch international eine Vorreiterrolle einnehmen, weshalb internationale Rankings und Städtevergleiche relevant sind. In Einklang mit diesen Ambitionen der Bürgermeisterin kann es durchaus sinnvoll sein, über die Mindestziele der Landesregierung hinauszugehen, wenn die Analyse zeigt, dass ein frühzeitiger 5G-Ausbau wertstiftend ist. Zu den wichtigsten Faktoren der Analyse zählen:

  • Wettbewerbsfähigkeit des Standortes
  • Wahrung der internationalen Vorreiterposition
  • Zukünftige Bedürfnisse der Bürger:innen
  • Zukünftige Dienste der Stadt

Wettbewerbsfähigkeit des Standortes

Städte und Regionen sind einem immer stärker werdenden Wettbewerb untereinander ausgesetzt. Das Ziel ist die Ansiedlung neuer Unternehmen und eine Minimierung der Abwanderung etablierter Unternehmen. Diese tragen signifikant zum Wertbeitrag der Stadt bzw. dem Land bei. Abgesehen vom zusätzlich erzielbaren Bruttoinlandsbeitrag (BIP-Beitrag) sorgt ein wettbewerbsfähiger Standort für mehr Beschäftigung und verhindert das Abwandern von Unternehmen und Fachkräften sowie der Bevölkerung. Die herrschende Infrastruktur ist eine Grundvoraussetzung für die Gewährleistung eines wettbewerbsfähigen Standortes und sollte daher am Puls der Zeit sein.

Wahrung der internationalen Vorreiterposition

Vorreiterposition Städtevergleiche und Rankings haben große PR-Wirkung für Städte und Regionen. Eine gute Positionierung in Rankings wirkt sich positiv auf den Tourismus, Zuwanderung und Unternehmensgründungen aus. Insofern die Stadt ihre bisherigen Top-Platzierungen und die damit einhergehende internationale Vorreiterrolle auch in Zukunft beibehalten möchte, ist ein frühzeitiger 5G-Ausbau durchaus zu berücksichtigen.

Zukünftige Bedürfnisse der Bürger:innen

Die Bevölkerung wird durch Werbung zu neuen 5G-Mobiltelefonen sowie zu 5G-Anwendungen bei Ambulanzdrohnen, intelligenten Verkehrswegen oder Smart Stadion bereits auf den neuen Mobilfunkstandard 5G aufmerksam gemacht. Wenn, wie von der Bürgermeisterin beschrieben, die Bevölkerung schon daran gewöhnt ist, dass die Stadt die neusten technologischen Standards meist zügig umsetzt, wird 5G in dieser Stadt schneller an Bedeutung gewinnen als in anderen Städten oder Regionen. Ein späterer 5G-Ausbau könnte daher zu einer Nichterfüllung der Erwartungen der Bürger:innen führen.

Zukünftige Dienste der Stadt

Um zu den lebenswertesten Städten zu gehören, ist es erforderlich, Bürger:innen und Unternehmen neuartige Services zu bieten. Die Stadt sowie Leitbetriebe öffentlicher Hand könnten daher als wesentliche Nachfrager von 5G-Diensten fungieren und mithilfe dieser Technologie neue Dienste, wie zum Beispiel Echtzeit-Verkehrssteuerung, selbstfahrende Busse und Katastrophenfallmanagement, für die Bevölkerung schaffen. Aus diesen vier beschriebenen Punkten geht klar hervor, dass das Ausbleiben eines frühzeitigen 5G-Ausbaus für die Stadt mit signifikanten Werteinbußen einhergehen würde. Ein frühzeitiger 5G-Ausbau ist daher empfehlenswert.

Fragestellung 2

Welche Hebel stehen der Stadt zur Verfügung, um den 5G-Ausbau zu fördern?

HINWEIS: Wichtig ist hier vor allem, dass 5G nicht nur frühzeitig ausgebaut wird, sondern auch im gesamten Stadtgebiet verfügbar ist. Das heißt, Randbereiche der Stadt sollen ebenso mit 5G versorgt werden, obwohl sie für Telekommunikationsunternehmen teilweise eine weniger lukrative Einnahmequelle darstellen und somit nicht in ihrem primären Ausbaufokus stehen.

Lösungsweg 2

Bei der Beantwortung von Fragestellung 2 ist die Komplexität des Eigentums der Telekommunikationsinfrastruktur zu bedenken. Diese ist in Besitz der Telekommunikationsunternehmen. Diese Unternehmen werden im Normalfall gewinnmaximierend betrieben und haben daher wenig Anreiz, nicht lukrative Bereiche von Städten frühzeitig mit neuesten Technologien auszustatten. Möglichkeiten der Stadt, um dieser Dynamik entgegenzuwirken, sind unter anderem:

  • Anreize/Förderungen
    • Bereitstellung öffentlicher Gebäude sowie Infrastruktur für Antennenstandorte
    • Förderungszahlungen für die 5G-Abdeckung auch in städtischen Randbereichen
  • Strafen
    • Strafzahlungen bei Verzögerung oder Nichteinhaltung vereinbarter Ausbaupläne
    • Strafzahlungen für Nichtabdeckung städtischer Randbereiche
  • Vereinfachung der Genehmigungsverfahren für den Ausbau der Antennen

Im Vergleich zu Strafzahlungen sind Förderungen ein kooperativer Ansatz für die Zusammenarbeit der Stadt mit den Telekommunikationsunternehmen. Strafen sind meist an Ausbauziele geknüpft. Zum einen können Ausbauziele Teil der Lizenzvergabe im Rahmen der 5G-Frequenzauktion sein. Zum anderen können Ausbauvereinbarungen bilateral mit Telekommunikationsunternehmen ausverhandelt werden, wenn keine Ausbauziele innerhalb der Frequenzauktion festgelegt wurden. Es obliegt den Interviewkandidat:innen, für welche Option sie argumentieren möchten. In diesem Lösungsvorschlag wird ein Anreizsystem gewählt, welches durch Strafen ergänzt werden kann. Zu den Anreizen gehören:

Bereitstellung öffentlicher Gebäude sowie Infrastruktur

Städte besitzen Grundstücke sowie Liegenschaften, die für das Anbringen von Makro- und Mikroantennen zur Verfügung gestellt werden können. Die Stadt kann durch niedrigere Standortmieten einen Anreiz schaffen, städtische Randbereiche mit 5G auszustatten. Zusätzlich kann die Stadt Telekommunikationsunternehmen Infrastruktur wie Straßenlaternen oder Busstationen zur Verfügung stellen oder den Ausbau zum Beispiel durch eine Glasfaseranbindung fördern.

Förderungszahlungen für die 5G-Abdeckung städtischer Randbereiche

Alternativ oder zusätzlich können direkte Förderzahlungen für die Abdeckung ausgewählter Stadtviertel bzw. Randbereiche angeboten werden. Ein Beispiel hierfür wäre eine Förderzahlung für jeden zehnten ausgebauten Standort.
Des Weiteren ist die Vereinfachung der Genehmigungsverfahren für einen raschen Antennenausbau essenziell.

Fragestellung 3

Welche 5G-Ausbauförderungen soll die Stadt den Telekommunikationsunternehmen anbieten? Es stehen zwei Optionen zur Verfügung. Bitte berechne, welche Option für die Stadt günstiger ist.

Option 1: Bereitstellung von Standorten auf öffentlichen Gebäuden zu geringeren Standortmieten für neue Antennenstandorte.

Option 2: Förderung der Glasfaseranbindung aller bestehenden und neuen Antennenstandorte durch Einmalzahlung pro Standort.

Lösungsweg 3

Option 1: Zuerst ist zu berechnen, wie viele Antennenstandorte es gibt.

Für die Berechnung der Förderung werden die 300 neuen Antennenstandorte mit den verringerten Mietkosten je Antennenstandort von 500 Euro pro Monat über 20 Jahre multipliziert.

▶ 300 Antennenstandorte × 500 Euro/Monat × 12 Monate × 20 Jahre = 36.000.000 Euro

Für die Stadt ergibt Option 1 eine Förderung in Höhe von 36.000.000 Euro.

Option 2: Die Förderung des Glasfaserausbaus aller bestehenden und neuen Antennenstandorte errechnet sich durch die Gesamtzahl an Antennenstandorten ohne Glasfaseranbindung multipliziert mit der Einmalzahlung pro Standort.

▶ 1.200 Antennenstandorte × 30.000 Euro/Antennenstandort = 36.000.000 Euro

Für die Stadt ergibt Option 2 eine Förderung in Höhe von 36.000.000 Euro.

Schlussfolgerung

Option 1 stellt für die Stadt aus zwei Gründen die günstigere Option dar: Erstens stellen die gesenkten Mieteinnahmen lediglich Opportunitätskosten dar, die politisch leichter zu argumentieren sind als die echten Zahlungsmittelabflüsse in Option 2.
Zweitens sind die Kapitalwerte der beiden Optionen ein wichtiges Entscheidungsmerkmal. Option 1 beinhaltet geringere monatliche Mieteinnahmen über eine Laufzeit von 20 Jahren. Das heißt, die finanzielle Auswirkung ist für die Stadt zum heutigen Zeitpunkt geringer und der Effekt verteilt sich über 20 Jahre. Option 2 hingegen bedarf großer Einmalkosten zu Beginn des Projekts, um den Glasfaserausbau zu ermöglichen. Die Stadt hat infolgedessen im kurzen Zeithorizont große Ausgaben und dadurch weniger Kapital für andere Projekte zur Verfügung. Unter Anbetracht von positiven Kapitalkosten liegt der Kapitalwert von Option 1 folglich unter jenem von Option 2. 

Aufgabenstellung 4

Identifiziere die Stakeholder, die strategisch in den 5G-Ausbauprozess einzubinden sind oder ein Informationsinteresse zu diesem Thema haben.

Lösungsweg 4

Für die Bürgermeisterin sind unter anderem folgende Stakeholder von Relevanz:

Bei Infrastrukturprojekten ist es von besonderer Bedeutung, relevante Stakeholdergruppen in den Prozess einzubinden, ihre Erwartungen zu verstehen und durch Informationsbereitstellung Bedenken zu mildern. Hierfür eignen sich Stakeholder-Management-Modelle, um den Handlungsbedarf zur Steuerung der unterschiedlichen Stakeholdergruppen abzuleiten. Darauf soll in dieser Case Study allerdings nicht weiter eingegangen werden.

Fragestellung 5 

Die Bürgermeisterin steht kurz vor der Wiederwahl und möchte daher den Bürger:innen und Unternehmen neuartige 5G-Dienste anbieten. Ideal wäre laut Bürgermeisterin ein Pilotprojekt, welches noch vor der Wahl in einem Jahr implementiert werden kann. Welche 5G-Anwendungsbeispiele fallen dir ein? Welches Anwendungsbeispiel aus dem Gesundheitswesen würdest du der Bürgermeisterin als Pilotprojekt empfehlen und warum?

HINWEIS: Wenn du mit dem Thema bis dato nicht in Berührung gekommen bist, hilft es, mit deiner Interviewpartnerin oder deinem Interviewpartner an dieser Stelle in den Dialog zu treten, gemeinsam Ideen zu sammeln und der Kreativität freien Lauf zu lassen. Vor allem in Partnerinterviews kommt dies in verschiedenen Beratungen vor. Bitte beachte auch die Hintergrundinformationen zu 5G-Eigenschaften, die du zu Beginn erhalten hast.

Lösungsweg 5

Im Gesundheitswesen gibt es eine Vielzahl von 5G-Anwendungsbeispielen:

Aus den vier 5G-Anwendungsbeispielen soll eines als Pilotprojekt priorisiert werden. Das Pilotprojekt sollte in kurzer Zeit den größtmöglichen Nutzen erzielen. Zusätzlich sollte es eine starke Medienwirksamkeit ermöglichen. Die Priorisierung kann durch die Interviewkandidat:innen unterschiedlich argumentiert werden. Ein Beispiel für eine solche Argumentation wird im Folgenden kurz erläutert.

Beispiel

Zu Zeiten von Covid-19 ist die Patienten-Fernüberwachung ein effektives Pilotprojekt, um Bürger:innen Sicherheit zu bieten. Der Gesundheitszustand und die Vitalfunktionen von Patient:innen können bei Zustimmung 24 Stunden am Tag in Echtzeit überwacht werden, um eine bestmögliche Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Bei Verschlechterung des Gesundheitszustands werden alle entsprechenden Institutionen automatisch verständigt und zum Einsatz gerufen. Dies erfordert eine Vernetzung der IT-Systeme und enge Zusammenarbeit zwischen Stakeholdern. In der aktuellen Ausnahmesituation der Pandemie ist dies schnell implementierbar.

Der Bürgermeisterin wird daher empfohlen, Patienten-Fernüberwachung als Pilotprojekt umzusetzen und dafür eine Task Force einzuführen, die sich mit der Ausschreibung, Projektplanung und Implementierung beschäftigt und das Projekt medienwirksam begleitet.

HINWEIS: Interviewer:innen setzen je nach Vorkenntnissen der Kandidat:innen verschiedene Schwerpunkte; der Gesprächsverlauf kann stark variieren. Während des Interviews ist es sehr wichtig, Aussagen der Interviewer:innen aufzunehmen und im Dialog strukturiert Lösungen zu erarbeiten. Ich empfehle, sich zwei bis drei Minuten Zeit zu nehmen, um Antworten zu strukturieren, bevor man in den Ideenaustausch einsteigt. Dies ermöglicht einen klar strukturierten Gesprächsverlauf. Behalte im Hinterkopf, dass Interviewer:innen am Erfolg deines Interviews interessiert sind. Ein selbstbewusstes Mindset trägt signifikant zum Erfolg bei. Es gilt nicht die "perfekte" Lösung zu suchen – in vielen Fällen gibt es diese auch gar nicht. Glaube stattdessen an deine Lösung! 

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