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Wie sag ich's meinem Chef?

Klein gegen Groß [Quelle: fotolia.com]

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Ständige Überstunden und keine Aussicht auf den nächsten Karriereschritt – wer unzufrieden im Job ist, sollte mit seinem Vorgesetzten darüber sprechen. Karriereberaterin Carmen Schön sagt, wie man diese heiklen Gespräche erfolgreich führt. 

Was sind die häufigsten Gründe, wenn Anwälte in ihrem Beruf unzufrieden sind?

Zu viel Arbeit – das ist der Klassiker. Oft sind Anwälte auch verärgert darüber, dass die Mandate, auf denen sie arbeiten, nicht zu ihrem eigentlichen Schwerpunkt gehören und dass sie zu wenig Mandantenkontakt haben. Associates leiden auch unter einer schlechten Kommunikation. Sie bekommen beispielsweise zu wenig Feedback vom Partner, etwa, was ihre Karriereoptionen angeht. Im Grunde entzündet sich die Kritik meistens an dem Gefühl, dass der Partner in seinem Associate nur die reine Arbeitskraft sieht und sich zu wenig um den Menschen kümmert.

Wie geht ein Associate am besten vor, wenn er seine Unzufriedenheit gegenüber dem Partner adressieren will?

Grundsätzlich gilt, dass er nicht zu viel auf einmal ansprechen sollte. Wen zum Beispiel fünf Punkte stören, der sollte nicht zwei Jahre lang zähneknirschend schweigen und dann in einem Krisengespräch alles auf einmal loswerden. Das würde den Partner überfordern.

Wie geht es besser?

In einem ersten Gespräch sollte man ein bis zwei Kritikpunkte ansprechen und im Anschluss daran an diesen Themen arbeiten. Ein halbes Jahr später bietet es sich an, ein weiteres Problem zu adressieren. So wird der Partner nicht von der geballten Kritik erschlagen.

Ein Associate sollte auch nicht zu lange warten, um einen Missstand anzusprechen. Sonst kommt irgendwann das Tröpflein, das das Fass zum Überlaufen bringt. Wenn das Bauchgefühl bei der Arbeit nicht passt, dann sollte man zunächst überlegen, woran das liegt, und das Problem möglichst schnell ansprechen.

Gibt es einen idealen Zeitpunkt für ein Konfliktgespräch?

Solche Gespräche sollten immer unter vier Augen geführt werden, nicht etwa im Team-Meeting oder Jour fixe. Und der Partner sollte den Kopf dafür frei haben. Ein Partner, der in einer laufenden Transaktion die Nächte durcharbeitet, wird vermutlich wenig Sinn für Kritik an mangelnder Kommunikation haben. Er wird das Problem womöglich kurzerhand als Lappalie abtun.

Auch innerhalb eines Tages sollte man sich überlegen, wann ein guter Zeitpunkt ist. In den meisten Fällen dürften Krisengespräche frühmorgens, vor dem ersten Kaffee, oder abends nach 20 Uhr nicht ideal sein. Es kann aber auch sein, dass der Partner gerade dann besonders gut greifbar und aufgeschlossen ist.

Sollte man formell einen Termin vereinbaren?

Wenn einem das Thema wirklich wichtig ist, dann ja. Ansonsten wäre es womöglich besser, zu überlegen, ob man damit nicht zu viel Wirbel macht.

Den Partner auch mal loben

Der richtige Zeitpunkt ist gefunden – wie geht man jetzt im Gespräch taktisch am besten vor?

Am Anfang und am Ende etwas Positives sagen! Damit beeinflussen Sie, mit welchem Gefühl Sie und der Partner das Gespräch verlassen und wie sie sich an das Gespräch erinnern. Wer sich etwa über zu viel Arbeit beschweren will, kann zum Einstieg dafür danken, dass er viel lernen darf und in viele Mandate einbezogen wird. Das ist ja nun auch nicht selbstverständlich.

Ein zweiter Punkt ist, direkt Lösungen anzubieten. Partner haben oft wenig Raum und Sinn für diese – in ihren Augen – Lappalien und schätzen es daher, wenn sie mit dem Problem gleich eine Lösung präsentiert bekommen. Man sollte sich also in der Vorbereitung des Gesprächs fragen, welche Lösung man anbieten kann. Das könnte etwa bedeuten, Arbeit an einen wissenschaftlichen Mitarbeiter zu delegieren, um entlastet zu werden. Wer andere Mandate bearbeiten will, sollte genau wissen, welche das wären.

Im Nachgang zum Gespräch sollte der Associate die Ergebnisse nachhalten – und sich auch dafür bedanken, wenn sich die Dinge zum Besseren verändert haben und erkennbar ist, dass der Partner sich um Verbesserung bemüht.

Klingt nach sehr viel Aufwand, nur um in Ruhe arbeiten zu können…

Richtig, es ist eine Holschuld. Das Bild des Associates, der in den Lehrjahren einer Großkanzlei alles ertragen muss, hat sich geändert. Heute darf und muss er Forderungen stellen. Auch wenn damit der eine oder andere Partner immer noch überfordert ist, da diese Art von Umgang mit Konflikten nicht gelernt ist, können Associates nicht erwarten, dass der Partner alles regelt und ihnen die Wünsche von den Augen abliest. Wer Manager sein oder eine verantwortungsvolle Position besetzen will, der muss auch Konflikte ansprechen.

Und wenn man nicht der Typ dafür ist?

Dann muss man es lernen. Viele sagen von sich, dass sie es lieber harmonisch haben und nicht der Typ sind, um Konflikte anzusprechen. Aber jeder kann es üben, ohne die Beziehungsebene zu zerstören.

Was sollte ein Associate tun, wenn der Partner ihn abblitzen lässt?

Man sollte es schon drei- bis viermal probieren. Wenn man immer wieder abblitzt, liegt der Verdacht nahe, dass der Partner den Konflikt aussitzen will. Im ersten Schritt gilt es zu reflektieren, woran es liegt: Der Associate sollte sich selbstkritisch fragen, ob er wirklich den richtigen Zeitpunkt und die richtige Ansprache gewählt hat. Vielleicht klang er zu vorwurfsvoll?

Notfalls sollte man über die Bande spielen und zum Beispiel die Personalabteilung einbeziehen: Die hat oft besseren Zugriff auf die Partner. Wenn das alles nicht hilft, ist wohl der Zeitpunkt gekommen, um über einen Wechsel des Arbeitgebers nachzudenken.

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