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Datenbanker mit Berufung

Studenten, Seminar, Hörsaal [© Fotolia.com]

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Dank Berufung zum Traumjob: Thomas Kudraß ist Professor für Datenbanken an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig. Im Interview erklärt er, was neben den Lehrveranstaltungen noch zu seinem Job gehört, warum er sich als netzwerkender Einzelkämpfer sieht und was für ihn den Reiz seines Berufs ausmacht.

Was genau machen Sie in Ihrem Job?

Viele Studierende, die uns nur im Hörsaal sehen, fragen sich vielleicht, was wir als Professoren machen, wenn wir gerade nicht an der Tafel oder am Beamer stehen. Die Lehrverpflichtung eines Professors an einer Fachhochschule kann bis zu 18 Stunden in der Woche betragen. Das hört sich nach wenig an – verglichen mit Arbeitszeiten in der Wirtschaft. Und dann gibt es da noch die Semesterferien ... Allerdings gilt hier das Motto: Freiheit ist nicht Freizeit!

Was sind Ihre Aufgaben?

Die Hauptaufgabe eines Professors an der Fachhochschule ist die Lehre. Wenn man ein Fachgebiet der Informatik wie Datenbanken vertritt, gehört dazu auch, dass man den technologischen Wandel in der Lehre berücksichtigen muss. Das, was wir vor zehn oder fünf Jahren als den aktuellen Wissensstand vermittelt haben, würde heutzutage nicht mehr ausreichen, so schnell geht die Entwicklung auch bei der Datenbanktechnologie.

Beispielhaft seien ein paar Stichworte genannt: Social Media, Internet der Dinge, Big Data und maschinelles Lernen. Neben diesen Bereichen, die durch die Digitalisierung an Bedeutung gewonnen haben, gibt es überall betriebliche Informations- und Anwendungssysteme, in denen die Daten eines Unternehmens operativ verwaltet werden. Diese Aufzählung macht deutlich, dass Datenbanken quasi das Rückgrat von Informationssystemen in allen Bereichen bilden. Überall fallen Daten an, die kurz- oder längerfristig aufbewahrt werden müssen. Aus den Daten lässt sich viel Wissen gewinnen, wenn man diese noch mit Technologien der künstlichen Intelligenz kombiniert.

Wie gehen Sie bei der Vorbereitung der Lehrveranstaltungen vor?

Dazu zählen die Auswahl geeigneter Lehrinhalte, die Entwicklung von Übungs- und Projektaufgaben, aber auch die Vorbereitung von Praktika, die bei uns eine große Rolle spielen und in fast jedem Modul integraler Bestandteil sind. Da kommt es zum Beispiel darauf an, dass unsere hochschuleigenen Server die Lasten verkraften, die bei praktischen Übungen mit größeren Studentengruppen entstehen können. Nichts ist ärgerlicher, als wenn ein Abgabetermin dadurch in Gefahr gerät, dass kurz vor Ablauf der Frist der Server schlappmacht, auf dem gerade zu viele datenintensive studentische Projekte laufen.

Aber Lehrveranstaltungen müssen nicht nur vorbereitet, sondern auch nachbereitet werden. Dazu gehört, dass man selbstkritisch einschätzt, welche Lehrinhalte schlecht "rübergekommen" sind und warum das so ist. Ein Gespür dafür bekommt man oft bei der Besprechung der Vorlesungsinhalte in den Seminaren. Dann führt dies in der Regel dazu, dass die Lehrmaterialien im Folgejahr angepasst werden. Dazu gehört natürlich auch das Abklopfen der Inhalte auf Aktualität. Mitunter ist es notwendig, Kürzungen bei Themen vorzunehmen, die im Laufe der Jahre an Bedeutung verloren haben. Dies gilt vor allem für technologiegetriebene Lehrinhalte. Grundlagen und Konzepte sind oft wesentlich langlebiger, insbesondere, wenn ein Stück Mathematik drinsteckt.

Und dann gibt es da noch die Lehrevaluation, die alle drei Jahre für jede Lehrveranstaltung durchgeführt wird und wertvolles Feedback für die inhaltliche und methodische Weiterentwicklung liefert. Nicht zu vergessen auch das E-Learning, d. h. die Entwicklung von Angeboten zum häuslichen Lernen, was in Zeiten von Corona zunehmend wichtig geworden ist. Kurz zusammengefasst: Die Vor- und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen ist eigentlich eine unendliche Geschichte.

Wie wählen Sie die Themen Ihrer Vorlesungen und Seminare aus?

Dafür ist es wichtig, jederzeit fachlich am Ball zu bleiben. Das vermittelte Wissen soll anwendungsbereit und nützlich für den Arbeitsmarkt sein. Andererseits besteht die Herausforderung darin, dass Inhalte behandelt werden, die über einige Jahre Bestand haben, also wichtige Konzepte und Grundlagen mit längerfristiger Relevanz. Eine gewisse Vorsicht gegenüber kurzzeitigen Hypes oder Buzzwords ist dabei also immer angebracht. Aber es gibt natürlich auch "Spielwiesen", wie zum Beispiel Oberseminare im Master-Studium, in denen man sich kritisch mit aktuellen Themen und Entwicklungen auseinandersetzen kann und bei denen die Studierenden eigene Beiträge einbringen.

Die regelmäßige persönliche Weiterbildung liegt in meiner eigenen Verantwortung. Dazu gehört der Besuch wissenschaftlicher Konferenzen, aber auch die Teilnahme an Workshops der IT-Industrie. So erfahre ich aus erster Hand etwas über die aktuellen Forschungsschwerpunkte oder neue Produkte auf dem Markt. Auch die Kontakte zu Firmenvertretern bei der Betreuung externer studentischer Arbeiten bilden eine wertvolle Informationsquelle. Da bekommt man gute Impulse für die Lehre.

Arbeiten Sie eng mit Kollegen zusammen?

Jeder Professor ist zunächst einmal ein "Einzelkämpfer", denn er trägt allein die Verantwortung für sein Lehr- und Forschungsgebiet, auf das er berufen wurde. Damit bringt man sich dann ein, denn die Entscheidungen über die Ausgestaltung der Studiengänge werden im Kollegium getroffen. Da gibt es immer wieder notwendige Änderungen, wenn es z. B. um eine Prüfungsleistung geht.

Es gibt aber auch einen inhaltlichen Austausch mit Fachkollegen anderer Hochschulen, zum Beispiel in der Fachgruppe Datenbanken der Gesellschaft für Informatik.

Bleibt neben der Lehre auch Zeit für Forschung?

Neben der Lehre sollte auch etwas Zeit für die Forschung bleiben, denn nur die Einheit von Lehre und Forschung im humboldtschen Sinne kann befruchtend für beides sein. Bei mir sind das befristete Drittmittelprojekte oder die Betreuung von wissenschaftlichem Nachwuchs.

Welche Aufgaben fallen neben der Betreuung von Seminar- und Abschlussarbeiten und der Lehrtätigkeit an?

Zu den Aufgaben an der Hochschule gehört die Mitwirkung an der akademischen Selbstverwaltung. Dies bedeutet, dass Hochschullehrer ihre akademischen Angelegenheiten selbst regeln und diese in entsprechenden Gremien abstimmen. Diese Gremien gibt es für einzelne Studiengänge und die Fakultät, an der man tätig ist. Ein anderes Beispiel: Wenn eine neue Professur ausgeschrieben wird, kümmert sich eine Berufungskommission um die Bewerbungen und schlägt geeignete Kandidaten zur Berufung vor.

Haben Sie neben der Professur auch noch eine Verwaltungsfunktion?

Seit vielen Jahren leite ich das Praktikantenamt für die Informatik-Studiengänge und bin somit verantwortlich für die administrativen Abläufe des Praxissemesters.

Dabei besteht eine meiner Aufgaben darin, Mittler zwischen der regionalen IT-Industrie und den Studierenden zu sein. Dafür habe ich eine eigene Plattform entwickelt, um unseren Studierenden geeignete Angebote von Kooperationspartnern und Unternehmen aus der Region zugänglich zu machen.

Wie sieht eine typische Arbeitswoche für Sie aus?

Es gibt bei uns zwei "Jahreszeiten": Während des Semesters wird der Ablauf der Arbeitswoche vorrangig durch den jeweils gültigen Stundenplan bestimmt. Der Unterrichtszeitraum kann bei uns grundsätzlich zwischen 7:30 Uhr und 20:30 Uhr liegen. Ein guter Stundenplan ist nicht zu stark fragmentiert. Keiner möchte gern an einem Tag ganz früh und ganz spät unterrichten bzw. Lehrveranstaltungen besuchen. Die Schwierigkeit liegt aber eben darin, dass wir ein großes Angebot an Wahlmodulen haben und wir möglichst vielen Interessierten die Teilnahme daran ermöglichen wollen.

Außerhalb des Semesters ist man wieder Herr seines Terminkalenders und kann sich verstärkt anderen Aktivitäten widmen und an längerfristigen Projekten arbeiten. Ein solches ist bei mir derzeit ein Lehrbuch zum Thema NoSQL-Datenbanken in Zusammenarbeit mit dem Carl Hanser Verlag.

Welche Voraussetzungen sollten Menschen mitbringen, die eine Professur in der IT anstreben?

Dazu würde ich gern etwas über meine eigene Motivation sagen. Bei mir war die Informatik-Professur nicht unbedingt ein Berufsziel. Stattdessen stand zunächst einmal die Freude an der wissenschaftlichen Arbeit im Vordergrund, die ich auch nach der Beendigung des Studiums fortsetzen wollte. Somit rückte als Ziel die Promotion in den Vordergrund. Während meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Darmstadt war ich für die Durchführung von Seminaren und Praktika verantwortlich. Dabei wurde mein Interesse an der Lehre geweckt, die mir große Freude bereitete.

Allerdings war es für mich ganz wichtig, nach der Promotion selbst ein paar Jahre in der Wirtschaft tätig zu sein. Dabei konnte ich sogar meinem Fachgebiet treu bleiben und meinen fachlichen Horizont erweitern. Anders als an der Uni ging es hier um große und komplexe Modelle, mit denen die Daten- und Prozesslandschaft einer Großbank beschrieben wurde. Von diesen Erfahrungen habe ich auch später als Hochschullehrer immer noch profitiert.

Der Ruf auf die Professur an die HTWK Leipzig ergab sich dann irgendwie folgerichtig, denn ich konnte eine mehrjährige Arbeit in meinem Fachgebiet, dem ich immer treu geblieben war, zusammen mit den nötigen Lehrerfahrungen und der geforderten Berufspraxis vorweisen.

Die Motivation war für mich, wie für viele andere Kollegen, die Freiheit von Forschung und Lehre, die man als Professor besitzt. Das heißt, man hat allein die Verantwortung für sein Lehrgebiet und kann ebenso eigenständig Forschung betreiben. Entscheidend ist dabei nicht, was man im Einzelnen macht, sondern wie man etwas macht. Wenn man dabei die notwendige Begeisterung behält, wird es im Ergebnis auch ordentlich. Wichtig für den Erfolg sind auf jeden Fall gute Netzwerke: Da sind zum einen die eigenen Absolventen, die man ein Stück weit in den Berufsstart begleitet hat, zum anderen zählen Partner aus Industrie und Forschung dazu. Insoweit ist mein Arbeitsalltag nicht nur fachlich geprägt, sondern wird auch durch viele interessante Kontakte zu anderen Menschen bereichert.

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