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Wo die Unzufriedenheit mit Chefs am größten ist

Chef, Führungskraft, Zusammenarbeit [Quelle: unsplash.com, Autor: rawpixel]

Quelle: unsplash.com, rawpixel

Viele Mitarbeiter sind nicht zufrieden mit ihren Vorgesetzten – so zumindest das Ergebnis eines Führungskräftereports der vergangenen drei Jahre. Doch in manchen Branchen gibt es Hoffnung.

Fast jeder schimpft über seinen Chef – das ist nichts Neues. Aus Sicht der Mitarbeiter haben viele Vorgesetzte deutscher Unternehmen ihren Führungsstil im vergangenen jedoch verbessert. Das legt zumindest der Führungskräfte-Report 2018 der Arbeitgeberbewertungsplatttform Kununu nahe.

Für die Analyse wurden gut 330.000 Bewertungen deutscher Arbeitnehmer aus der Kategorie "Vorgesetztenverhalten" ausgewertet. In dieser Kategorie können die Mitarbeiter bewerten, ob ihre Vorgesetzten realistische Ziele setzen, sie bei Entscheidungen einbinde, diese klar und nachvollziehbar sind und wie sich ihre Chefs in Konfliktfällen verhalten. Dabei können Punkte von 1 (sehr unzufrieden) –bis 5 (sehr zufrieden) vergeben werden.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Wert für das Vorgesetztenverhalten von 3,15 auf 3,39 verbessert. Das ist ein Anstieg um immerhin fast acht Prozent. Zum ersten Mal in den vergangenen drei Jahren fiel das Resümee positiver aus als in den Jahren zuvor, in denen der Wert stets rückläufig war.

Immer noch viel Luft nach oben

Die Autoren der Studie vermuten, dass sich das anhaltende Wirtschaftswachstum in Deutschland auf die Stimmung in den Unternehmen positiv ausgewirkt haben dürfte. Auch legten die Daten nahe, dass sich deutsche Arbeitgeber den Erwartungshaltungen der nachrückenden Generationen immer mehr anpassen.

"Mitarbeiter fordern ein hohes Maß an Flexibilität und genügend Freiräume und lehnen starre Prozesse und hierarchische Strukturen zunehmend ab. Der Fachkräftemangel in Teilen der Wirtschaft und die in einigen Regionen erreichte Vollbeschäftigung zwingt Unternehmen zum Umdenken und Handeln", heißt es dazu in der Analyse.

Dennoch bleibt die Kategorie "Vorgesetztenverhalten" mit einem Durchschnittswert von 3,39 einer der Punkte, der auf dem Bewertungsportal am schlechtesten wegkommt. Von den 13 Kategorien, die auf Kununu zur Mitarbeiterzufriedenheit abgefragt werden, bekamen im vergangenen Jahr lediglich "Kommunikation"  mit 3,28 sowie "Karrieremöglichkeiten" mit 3,31 eine schlechtere Bewertung.

Am besten im Berliner Multimediasektor

Am zufriedensten mit ihren Chefs waren 2018 Mitarbeiter aus den Branchen Internet/Multimedia (4,03), Personalwesen (3,99) und Seminar-/Messeanbieter (3,95). Das deutsche Bankwesen (3,66) kommt über den elften Rang nicht hinaus. Deutsche Vorzeigebranchen wie der Automobilsektor (3,44; Platz 25) und die Industrie (3,41; Platz 31) liegen hinten. Mit Abstand am schlechtesten schneidet die Textilbranche ab (3,14). Sie wird auf Platz 42 zum Schlusslicht der Skala.

Bewertungen zum Vorgesetzenverhalten
Platz Branche Bewertung
1 Internet/Multimedia 4,03
2 Personalwesen 3,99
3 Seminar/Messeanbieter 3,95
4 Steuerberatung/Wirtschaftsprüfung 3,94
5 EDV/IT 3,94
6 Beratung/Consulting 3,92
7 Versicherung 3,80
8 Energiewirtschaft 3,76
9 Marketing/Werbung/PR 3,72
10 Rechtsberatung 3,68

Quelle: kununu | Grafik: nach F.A.Z.
Zeitraum: 01.12.2017 - 30.11.2018, Bewertung: 1=sehr schlecht bis 5=sehr gut, n=331.597

Im Bundesländer-Ranking liegt wie schon im Vorjahr Berlin (3,55) vorne, dahinter kommen Hamburg (3,54) und Baden-Württemberg (3,52). Auffällig ist, dass vor allem die östlichen Bundesländer schlecht abschneiden. Sachsen-Anhalt belegt wie im Vorjahr den letzten Platz.

Bewertungen zum Vorgesetzenverhalten
Platz Bundesland Bewertunng
1 Berlin 3,55
2 Hamburg 3,54
3 Baden-Württemberg 3,52
4 Bremen 3,51
5 Bayern 3,50
6 Saarland 3,48
7 Nordrhein-Westfalen 3,47
8 Hessen 3,45
9 Mecklenburg-Vorpommern 3,43
10 Niedersachsen 3,39
11 Brandenburg 3,37
12 Rheinland-Pfalz 3,36
13 Schleswig-Holstein 3,36
14 Sachsen 3,36
15 Thüringen 3,26
16 Sachsen-Anhalt 3,21

Die bestbewertetste Kategorie war in disem Jahr erstmals der "Umgang mit Kollegen 45+" mit einem Wert von 3,93, dicht gefolgt vom Vorjahressieger, der Kategorie "Kollegenzusammenhalt" mit 3,91. Für die Autoren legt das nahe, dass Unternehmen auf dem hart umkämpften Bewerbermarkt – neben jungen Talenten – vermehrt auch um ältere Arbeitnehmer buhlten. "Einerseits weil sie so die Lücke auf dem Arbeitsmarkt füllen können, andererseits weil sie von der Erfahrung älterer Generationen enorm profitieren", so die Studie.

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