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Ich fühle mich diskriminiert – was tun?

Kritik, Kritisieren [© Fotolia.com]

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Wer am Arbeitsplatz ungerecht behandelt wird, findet sich viel zu oft damit ab. Dabei gibt es Möglichkeiten, sich zu wehren.

Wenn Ninas Wecker morgens um sieben klingelte, wollte sie in der Regel nicht aufstehen. Nicht, weil sie noch so müde war, sondern vor allem, weil sie nicht zur Arbeit wollte. Fast dreieinhalb Jahre ging es ihr so. Damals arbeitete sie als Vertriebsassistentin in einem Bauunternehmen der Geschäftsleitung zu. Die Baubranche sei eine Männerdomäne, sagt Nina. Dort herrsche ein anderer Grundton.

Eigentlich kann sie das gut wegstecken. Nina ist schlagfertig. Aber selbst ihre Schlagfertigkeit stieß an ihre Grenzen. Etwa in ihrer ersten Gehaltsverhandlung. Sie hatte ihren Fachwirt absolviert und übernahm im Betrieb immer mehr Aufgaben. Sie bereitete sich auf das Gespräch vor und dokumentierte ihre Mehrarbeit. Was dann folgte, hatte aber mit einer Verhandlung nichts mehr zu tun, sagt die junge Frau. "Ich habe anderthalb Stunden gehört, was ich nicht konnte. Was ich für Fehler mache. Ich wurde aufs Übelste beleidigt, runtergemacht." Das Gespräch endete mit der Aussage des Chefs, dass er froh sei, wenn Nina sich selbständig anziehen könne. Sie fragte ihn daraufhin, warum er ihre Probezeit auf drei Monate verkürzt hatte, wenn sie so einen schlechten Job mache. Darauf wusste er keine Antwort.

Irgendwann fiel eine Bemerkung, die sie nicht mehr so hinnehmen konnte und wollte. Ihr Chef sagte ihr, dass sie besser arbeiten würde, wenn sie noch mehr Ausschnitt tragen würde und dass es unterhaltsamer wäre, wenn sie mal auf dem Tisch tanzen würde. Solche sexistischen Äußerungen fielen auch vor anderen Kolleginnen. "Die meisten haben versucht, es mit einem Lächeln zu kaschieren", erzählt Nina. Auch sie habe sich oft gedacht: Das ist doch mein Chef, da kann ich nicht einfach Widerworte geben.

"Du sitzt zu Hause und denkst an nichts anderes mehr. Du fühlst dich so kleingemacht", sagt sie. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) definiert sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz als eine Form der Benachteiligung und damit Diskriminierung. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes schreibt in ihrem Jahresbericht von 2018, dass sich mit 36 Prozent aller Beratungsanfragen die meisten auf den Arbeitsmarkt bezogen. Zur Benachteiligung am Arbeitsplatz gehören aber nicht nur sexuelle Belästigung, sondern auch rassistische Benachteiligung und Diskriminierung aufgrund der Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität.

Auch Serhan hat mit Diskriminierung am Arbeitsplatz Erfahrungen gemacht. Er ist Deutschtürke und Muslim. In die Zeit seines Praktikums in einer französischen Investmentbank fiel der Fastenmonat Ramadan – und das Sommerfest der Bank. "Ich habe gefastet, wollte aber auch an dem Fest teilnehmen", erzählt Serhan. Auf diesem wurde dann schon gegen 17 Uhr gegessen, Serhan musste dagegen bis zum Sonnenuntergang warten. Die ersten Leute begannen ihn zu fragen, warum er nichts esse. Und dann fielen "doofe Anmerkungen, was für eine beschissene Religion" das sei, wenn man nicht entscheiden könne, was man essen dürfe. Serhan sagt, er habe früher nicht an solche Geschichten geglaubt. Lange habe er gedacht, vieles werde dramatisiert und Muslime schlüpften einfach gerne in die Opferrolle – bis er seine eigenen Erfahrungen machen musste.

Auch Anna hat schlechte Erfahrungen während eines Praktikums in einem großen deutschen Unternehmen gemacht. Inhaltlich sei alles "top" gewesen. Ihre Einheit saß direkt unter dem Vorstand. Schon in der zweiten Woche bemerkte ein Kollege in einer Konferenz, dass sie doch dem Vorstand die Unterlagen vorbeibringen und sich auf seinen Schoß setzen könne. "Ich war so schockiert", sagt Anna, die ebenso wie Nina und Serhan in Wirklichkeit anders heißt. Auch wurde gefühlt jeden zweiten Tag ihr Outfit kommentiert. Anna wollte sich weder alles gefallen lassen, noch zu viel an die große Glocke hängen. Schließlich wollte sie eine gute Bewertung für ihr Praktikum. Ein Kollege, mit dem sie auch jetzt noch befreundet ist, ermutigte sie, mit ihrem Abteilungsleiter zu sprechen. Der sagte, dass er es "super" finde, dass sie das anspräche. Dass er so etwas nicht toleriere und das Gespräch mit den Kollegen suchen werde. Anna nannte bewusst keinen Namen. Sie hätte das unfair gefunden, weil sie es dem Kollegen selbst nicht sagen konnte. Seitdem – das weiß sie von ihrem befreundeten Kollegen aus der Abteilung – ist aber nichts passiert. Der Abteilungsleiter habe bis heute nichts angesprochen.

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