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Warum Server gerne in Schweden stehen

Ventilatoren [Quelle: freeimages.com, Autor: deafstar]

Quelle: freeimages.com, deafstar

Facebook plant ein Daten-Center in Schweden - warum gerade dort, erklärt Rechenzentren-Spezialist Bernhard Bock von TNG Technology Consulting im Interview. Außerdem verrät er, ob sich grüne Technik in Rechenzentren schon durchgesetzt hat. Und warum man nie Eins-zu-Eins das alte Rechenzentrum nachbaut.

Ein Rechenzentrum aus dem Nichts aufbauen - worauf muss man dabei achten?

Es gibt verschiedene Teile, um die man sich kümmern muss, wenn man Rechenzentren baut. Besonders wichtig sind Energieversorgung und Kühlung. In den Geräten wird die ganze Energie in Hitze umgesetzt - daher würde es in einem Rechenzentrum sehr heiß werden, wenn man nicht kühlen würde. Außerdem zu beachten: der physikalische Schutz des Rechenzentrums, also die Zugriffskontrolle. Wer darf ins Rechenzentrum hinein und wer nicht? Wenn man ein Rechenzentrum einrichtet, muss man außerdem den Brandschutz im Blick haben. Und man muss sich Gedanken um das Netzwerk und die sogenannte "Connectivity" machen, also Verbindung ins Internet und zu anderen Rechenzentren.

Worauf achten Sie bei der Energieversorgung besonders?

Das Hauptproblem ist, die Größe eines Rechenzentrums richtig abzuschätzen und zu berechnen, wie viel Energie und Kühlung man braucht. Denn es ist nicht effizient, die Klimatisierung im Nachhinein noch aufzustocken. Dann muss man sich überlegen: Wie leite ich die kalte Luft von Klimageräten oder die Außenluft gut zu den Geräten hin.

Heutzutage baut man meistens "Kaltgang-Warmgang-Rechenzentren", in denen vor den Geräten die kalte Luft eingeleitet wird und dahinter die warme abgeleitet. Denn wenn sich die warme Luft einfach so mit der kalten Luft vermischt, dann verschwendet man viel Energie. Früher ist man da noch anders vorgegangen und hat einfach den ganzen Raum gekühlt, ohne sich um die Ableitung der warmen Luft zu kümmern - das ist nicht so effizient.

Man hört ja sogar, dass Rechenzentren in kühle Regionen wie Skandinavien verlegt werden, um das kältere Klima dort gut auszunutzen - wie bei Facebook.

Ja, das trifft aber nur auf sehr große Rechenzentren zu wie zum Beispiel die von Google und Facebook. Die werden mittlerweile dort gebaut, wo die Kühlungsleistung effizient erbracht werden kann und nicht wie früher noch dort, wo die Internet-Anbindungen günstig sind. Es ist im Endeffekt billiger, neue Verbindungen zu legen, als in warmen Ländern viel zu kühlen.

Welche Vorkehrungen müssen zum Brandschutz getroffen werden?

In Rechenzentren lagern viele brennbare Materialien wie zum Beispiel Kabel. Deswegen kümmert man sich um Brandschutzdämme, Löschsysteme und unterteilt das Zentrum in Brandschutzabschnitte. Was die Löschanlagen angeht: Man möchte nicht, dass im Fall der Fälle alles unter Wasser gesetzt wird. Deswegen werden Stickstoff oder Argon-Gas eingesetzt, mit denen das Feuer erstickt wird.

Worum geht es bei den Themen "Netzwerk-Infrastruktur" und "Connectivity"?

Auch hier möchten wir vor allem vermeiden, dass das Rechenzentrum ausfällt. Deswegen ist ein Rechenzentrum meist an verschiedene Internet-Provider angebunden. Wenn einer mal Schwierigkeiten hat, dann kann man über einen anderen Provider gehen. Auch die Kabel werden nicht alle nebeneinander verlegt, sondern gehen unterschiedliche Wege für den Fall, dass Bauarbeiten oder ähnliches mal ein Kabel zerstören. Insgesamt wird die Verkabelung eher einfacher als früher, das ist ein neuer Trend. Früher hat man viele verschiedene Kabeltypen gebraucht, jetzt versucht man, das zu vereinheitlichen.

Und dann muss man sich noch überlegen, wie man alles im Rechenzentrum unterbringt...

Ja, das ist die sogenannte Kapazitätsplanung: Wie viele Server brauche ich und wie viel Platz brauche ich für die Geräte? In letzter Zeit wird die Packungsdichte immer größer, also die Menge der Serverleistung auf einem bestimmten Raum. Das ist für den Betreiber des Rechenzentrums zwar angenehm, weil man mehr Serverleistung auf weniger Raum unterbringt, gleichzeitig führt das aber zu neuen Problemen, weil die Energiedichte so hoch wird. Dann kann es zum Beispiel sein, dass man teilweise Wasserkühlung braucht, weil die Luftkühlung nicht mehr ausreicht.

Was muss man bei der Migration von Rechenzentren beachten?

Migrationen finden öfter statt als Neubauten. Allerdings sind Migrationsprojekte selten Standardprojekte, man muss immer auf den konkreten Einzelfall eingehen. Bei der Migration möchte man immer einen Fallback-Plan haben: Das alte System sollte noch funktionieren, wenn man auf das neue umschaltet, falls beim Umschalten etwas schief geht. Je kürzer der Umschaltzeitpunkt sein soll, also die Zeitspanne, in der das alte Rechenzentrum nicht mehr und das neue noch nicht läuft, desto teurer und komplexer wird es. Das ist ja auch verständlich - wenn die Dienste, die in dem Rechenzentrum betrieben werden, nur ein paar Sekunden offline sein dürfen, dann wird es eben kompliziert.

Schwierig ist auch, dass man meistens keine Eins-zu-Eins-Migration macht. Denn natürlich versucht man, das Rechenzentrum bei einer Migration an die neuen Standards anzupassen und mit der neuesten Technologie auszurüsten. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass man Aufgaben zwischen Servern neu verteilt. Diese Neuorganisation ist komplex.

Welche Projekte machen am meisten Spaß?

Migrationsprojekte - diese Art von Projekten ist recht häufig und macht einen Großteil unserer Arbeit aus. Es ist schön, wenn man die Rechenzentren in eine gute Struktur bringen kann. Es kommt bei uns in der Beratung nur selten vor, dass wir existierende Rechenzentren weiterbetreiben - eigentlich nur dann, wenn beim Kunden Arbeitskräfte ausfallen. Hauptsächlich sind wir mit Migration und Neubau von Rechenzentren beschäftigt, da braucht man mehr und erfahreneres Personal.

Wie geht man vor, wenn man die Infrastruktur und die betriebsnahe Software in Rechenzentren erneuert?

Der Standardfall einer Migration ist, dass man im vorhandenen Rechenzentrum neue Hardware aufbaut. Das Vorgehen ist bei TNG Technology Consulting auch in diesem Fall idealerweise agil, denn das agile Vorgehen hat viele Vorteile. Meistens weiß der Kunde zu Beginn des Projekts noch nicht so genau, was er am Ende braucht.

Aber es ist nicht so einfach, bei Rechenzentrumsprojekten agil vorzugehen. Der Grund ist der Hardware-Kauf ganz am Anfang des Projekts - man kann nicht Serverschränke kaufen und dann im Laufe des Projekts noch mal neu planen, wie viele Server man eigentlich braucht. Deswegen ist in Projekten, bei denen man viel mit Hardware arbeitet, eher klassisches Projektmanagement angesagt. Man muss vorher überlegen, welche und wie viel Hardware man braucht und muss dann dementsprechend einkaufen. Die Software-Themen in Migrationsprojekten sind dann aber wieder nach agilem Vorgehen aufgebaut.

Inwieweit spielen Nachhaltigkeit und "Grüne Technik" beim Aufbau und Unterhalt von Rechenzentren mittlerweile eine Rolle?

Bei uns in der täglichen Arbeit ist das Problem zwar angekommen, aber es gibt noch nicht viele Lösungen dafür. Es existieren aber einige Leuchtturm-Projekte, Konzerne wie Google und Facebook sind da Vorreiter. Energiekosten machen mehr als die Hälfte der Kosten eines Rechenzentrums aus, insofern ist Energiesparen auch wirtschaftlich ein relevanter Punkt. Aber gerade für kleinere Unternehmen ist es schwer, beim Energiesparen viel zu machen.

Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, dass man die warme Luft der Kühlung weiterverwertet. Das Leibniz Rechenzentrum zum Beispiel heizt mit der Abwärme aus Rechenzentren Bürogebäude. Man versucht auch, Energie zu sparen, indem man die Server abschaltet, wenn sie nicht gebraucht werden. Man kann zum Beispiel einen Teil der Server nachts abschalten, wenn auf Websites nicht so viel Traffic ist und man die Kapazitäten des Servers nicht benötigt. Auch die Serverhersteller achten darauf, dass neue Server sehr energiesparend gebaut werden. Es kann also auch vorkommen, dass ein Kunde einen noch funktionierenden Server ersetzt, weil der neue mehr Energie spart.

Wie schützt man Rechenzentren vor Ausfällen beziehungsweise wie fängt man Ausfall-Zeiten ab?

Bei diesem Thema werden wir auf zwei Ebenen aktiv: technisch und organisatorisch. Wir beraten unsere Kunden zu Notfallplänen, die eingeübt werden, damit alles optimal läuft, wenn etwas passiert. Die technische Seite ist unser Kerngeschäft. In jedem Rechenzentrum gibt es große Batterie-Anlagen oder Dieselgeneratoren, die bei einem Ausfall die Energieversorgung übernehmen.

Auch Redundanzen sind sehr wichtig. Es gibt in einem Rechenzentrum alles, was man sich vorstellen kann, zweimal: Dieselgeneratoren, Kabel, Server, Netzwerk. Wenn also ein Gerät ausfällt, springt der "Doppelgänger" ein. Auch über die Software kann man Ausfälle abfangen, indem man sie so ausrichtet, dass sie in einem leicht reduzierten Umfang weiterfunktioniert, wenn der Server nicht erreichbar ist. Auch bei der Datenspeicherung ist es wichtig, Vorkehrungen zu treffen: Die Daten werden mehrfach gespeichert, auch offsite. Das Backup sollte an einem ganz anderen als dem normalen Speicherort liegen.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit bei TNG Technology Consulting?

Mir macht viel Spaß, dass die Aufgaben so breit gefächert sind. Wir bei TNG Technology Consulting sind keine Fachidioten, die sich nur um ein Thema kümmern, sondern haben sehr viele unterschiedliche Projekte. Außerdem gefällt mir, dass ich viele Kollegen habe, die die gleiche Einstellung wie ich haben und den gleichen Anspruch an die Arbeit. Wir wollen unsere Projekte gut machen und dem Kunden etwas liefern, das gut funktioniert. Außerdem ist das Unternehmen sehr "leichtgewichtig", alles läuft unkompliziert, man kann auf jeden zugehen. Es gibt wenig, wo einem die Organisation im Weg steht.

Was war Ihr spannendstes Projekt?

Ein interessantes Projekt war, als wir für einen Kunden, der eine umfangreiche Infrastruktur in einem Rechenzentrum hatte, ein zweites Rechenzentrum aufgebaut haben. Ziel war, dass alles noch funktioniert, wenn das erste Rechenzentrum ausfällt. Spannende Fragen dabei waren: Wie schalte ich im Zweifelsfall um? Wie bekomme ich die Daten synchron? Wer entscheidet, wann umgeschaltet wird? Da sich im alten Rechenzentrum ein paar "Altlasten" ergeben hatten, haben wir beim Backup-Rechenzentrum natürlich versucht, alles schöner und kostengünstiger zu gestalten. Trotzdem sollte das neue Rechenzentrum funktionieren wie das alte - das war technisch eine Herausforderung. Wir konnten nicht Eins-zu-Eins nachbauen - schon allein, weil es die alten Geräte oft nicht mehr gab.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Fachidiot

    "Wir bei TNG Technology Consulting sind keine Fachidioten, die sich nur um ein Thema kümmern, sondern haben sehr viele unterschiedliche Projekte." Interessant, wie der Begriff des Spezialisten manchmal gewertet wird ;)

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