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Ist dein Auto schon online?

Quelle: freeimages, craitza

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Verkehrsdaten im Auto abrufen, automatische Parkplatzsuche und Car Sharing - möglich wird all das durch das 'Connected Car', das auch jetzt schon für viele Neuerungen und Geschäftsmodelle in der Automobil-Branche sorgt. Detecon-Berater Timo Bolse verrät, wie der Stand der Technik momentan ist.

Was versteht man unter "Connected Car"?

"Connected Car" ist ein großer Trend, der die Automobil-Industrie langfristig verändern wird: Gemeint sind damit Fahrzeuge, die mit dem Internet und mit anderer Fahrzeugen oder der Infrastruktur vernetzt sind. Das bedeutet auch, dass die Fahrzeuge mit Consumer-Elektronik wie zum Beispiel dem Smartphone vernetzt sind und für ganz neue Funktionen genutzt werden können. Momentan wird diese Technik hauptsächlich bei Oberklasse-Fahrzeugen angewendet und spielt bei diversen Geschäftsmodellen eine Rolle, zum Beispiel beim Car Sharing. Jedes Leihauto hat eine Verbindung mit dem Internet – darauf ist der ganze Service aufgebaut. In Zukunft wird die Technologie des vernetzten Autos noch viele neue Geschäftsmodelle hervorbringen.

Wie kommt das?

Die Vernetzung ermöglicht eine Vielzahl von Innovationen - einige davon kennt man aus dem Alltag, aber man macht sich nicht sofort bewusst, dass sie etwas mit "Connected Car" zu tun haben. Abgesehen vom Car Sharing kann man die Vernetzung zum Beispiel nutzen, um Verkehrsdaten, Musik oder Karteninformationen direkt aus dem Internet zu beziehen. Außerdem unterstützt einen das System bei der Parkplatzsuche. Und man kann Apps anwenden, die man sonst vom Handy kennt. Vernetzung macht auch die Nutzung von Elektro-Autos deutlich angenehmer, denn man muss eine Routenplanung machen, um sicher zu wissen, wann man wieder Elektro-Tankstellen ansteuern muss.

Was bedeuten diese Entwicklungen für den Fahrzeughersteller?

Ein Fahrzeughersteller konnte in der Vergangenheit nur "über Umwege" mit seinen Kunden kommunizieren - über Händlerorganisationen und mittels Marketing. Durch die neue Technik rückt er viel näher an den Kunden heran. Er hat endlich einen direkten Kanal zu ihm, über den er auch viel genauere Informationen bekommen kann. Dabei spielt natürlich auch der Datenschutz eine große Rolle – der Automobilhersteller muss sich gut überlegen, wie er die Daten seiner Kunden schützt. Außerdem muss sich das Unternehmen damit befassen, was es mit diesem neuen Kanal zum Kunden tun will, wie es die Daten verwenden kann und welchen Handlungen wirklich sinnvoll sind.

Was macht das vernetzte Auto erfolgreich?

Wichtig ist, dass ein tragfähiges Geschäftsmodell existiert. In bestimmten Bereichen gibt es das schon, zum Beispiel beim Car Sharing und beim Flottenmanagement, also wenn man eine große Menge an Fahrzeugen mittels Vernetzung von der Zentrale aus steuert. Im Privatkundenbereich sind die Hersteller noch auf der Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen. Man muss ein passendes Produkt für den Markt entwickeln, das einen echten Kundennutzen hat. Außerdem muss das Thema Vernetzung in die Organisationsstruktur und in die Prozesse der Hersteller eingebunden sein. Die Digitaltechnik hat nun mal einen deutlich schnelleren Lebenszyklus als ein Fahrzeug. Daher müssen die Fahrzeughersteller einen guten Weg finden, wie sie mit Partnern aus der Technologie- und der Mobilfunkbranche zusammenarbeiten. Auch die rechtlichen Fragen und den Datenschutz darf man nicht außer Acht lassen. Im Fahrzeug ist oberste Priorität, dass man den Fahrer nicht ablenkt – darauf muss die Entwicklung ausgerichtet sein. Und schließlich muss das Management im Unternehmen verstehen, was das Connected Car für seine Produkte und seine Strategie bedeutet.

Und am Ende der Entwicklung könnten dann autonome Fahrzeuge stehen, also Autos, die ohne Fahrer fahren?

Ja, auch dazu trägt das vernetzte Auto einen beträchtlichen Teil bei. Aber bei diesem Thema gibt es noch viele Fragen. Der Abstands- und Einparkassistent sowie der Spurhalteassistent sind allerdings ein erster Schritt in diese Richtung.

Welche Projekte gibt es bei Detecon, die sich mit vernetzten Autos beschäftigen?

Wir beraten verschiedene Branchen: Einerseits die Mobilfunk- und Content-Provider, andererseits die Autohersteller und -zulieferer. Dabei geht es um verschiedene Themen, zum Beispiel um die Ausarbeitung von tragfähigen Geschäftsmodellen, die Konzeption und Entwicklung von Produkten und Marktangangsstrategien. Wir entwerfen außerdem Einkaufs- und Verkaufsstrategien und kümmern uns dabei natürlich auch um die Details, also um die prozessuale und organisatorische Entwicklung und Implementierung von Ideen, um die Auswahl von geeigneten Partnerunternehmen. Zusätzlich beraten wir auch zum Thema Sicherheit – sowohl der Systeme als auch der Daten.

Wie geht man in so einem Projekt vor?

Wenn wir Geschäftsmodelle entwickeln, versetzen wir uns in die Denkweise des Kunden hinein und versuchen, ganz genau zu verstehen, was er will und was seine Kunden wiederum möchten. Alle Ideen beziehungsweise Use Cases sammeln und bewerten wir anhand verschiedener für die Zielerreichung wichtiger Dimensionen. Anschließend simulieren wir in einem Business Case, welche Auswirkungen unsere Ideen haben könnten. Wir modellieren dabei den Markt und die Marktsegmente, auf die wir abzielen, außerdem die Take- und Conversion-Rate, also die Anzahl derjenigen, die das Produkt auch wirklich einkaufen. Mit diesen Modellen können wir in einer ersten Annäherung abschätzen, wie viel der Kunde mit der Idee verdienen kann beziehungsweise welchen Einfluss sie auf sein Geschäft hat. Diese Evaluierung der Uses Cases hilft dabei, sachgerechte Entscheidungen zu treffen und kein Geld in die falschen Entwicklungen zu investieren.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit?

Ich arbeite an der Schnittstelle zwischen Technologie und Wirtschaft, das ist sehr spannend. Man sollte dafür allerdings eine Leidenschaft für Technologie haben, damit man mit den Kunden auf Augenhöhe kommunizieren kann. Durch meine Spezialisierung auf "Connected Car" bewege ich mich am Puls der Zeit. In den Projekten habe ich eine sehr steile Lernkurve, lerne immer wieder ein neues Umfeld kennen und bin mit neuen Fragen aus verschiedenen Perspektiven konfrontiert. An der Entwicklung von Innovationen beteiligt zu sein, empfinde ich als sehr bereichernd. Außerdem ist das Thema sehr interdisziplinär, es gibt Bezüge zu Software-und Hardware-Entwicklung, Telekommunikation und zur Smartphone-Technologie. Das macht meine Arbeit sehr vielfältig.

Wie kamen Sie zu Detecon?

Ich habe im Bachelor Informations- und Kommunikationstechnik studiert und im Master Wirtschaftsingenieurwesen. Anschließend habe ich nach einem Job gesucht, der diese Themen verbinden kann. Ich habe vorher in der Forschung und Entwicklung im Bereich Software bei einem Automobilhersteller gearbeitet, hatte aber auch immer schon Interesse an wirtschaftlichen Themen. Über einen Kommilitonen wurde ich auf Detecon aufmerksam – er hat dort seine Abschlussarbeit geschrieben. Und in der Tat kann ich bei meiner Arbeit nun sowohl meine Interesse für Wirtschaft als auch für Technik ausleben.

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