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Anwälte und Berater gehen ohne große Euphorie ins neue Jahr.

Im abgelaufenen Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft mit knapp zwei Prozent wohl so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr gewachsen sein. Und auch für die Berater und Wirtschaftsprüfer war 2016 ein ziemlich gutes Jahr. Dennoch hält sich für 2017 die Euphorie in Grenzen. Das exklusiv für das Handelsblatt berechnete Ifo-Beraterklima rutschte zum Jahresende kräftig ab und notiert jetzt nur noch knapp über dem langjährigen Mittelwert für die Branche.

"Dem Bereich Rechts- und Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung geht es weiterhin gut", sagt Klaus Wohlrabe, Ökonom am Münchener Ifo-Institut. Wohlrabe betreut die repräsentative Umfrage. Große Zuwächse im Beratungsgeschäft seien aber im Moment kaum zu erwarten, meint der Experte. Grund zum Pessimismus bestehe jedoch nicht, betont Wohlrabe. Vielmehr befinde sich die Beraterbranche in einer Phase der Normalisierung. Knapp ein Viertel der befragten Unternehmen ging derzeit davon aus, dass sich seine Geschäftslage verbessert; 75 Prozent erwarteten weiterhin konstant gute Geschäfte. "Mit einer Verschlechterung rechnet aber so gut wie niemand aus der Branche", so der Ifo-Experte.

Neue Erbschaftsteuer

Der Präsident des Deutschen Steuerberaterverbandes (DStV), Harald Elster, bestätigt diesen Trend. Die Auftragslage der Wirtschaft sei gegenwärtig stabil. Entsprechend gut stehe es um die Geschäftslage der steuerberatenden und prüfenden Berufe. Allerdings gebe es auch erhebliche Risiken für die Gesamtwirtschaft. Gegenwärtig geht der Steuerberaterpräsident daher davon aus, "dass 2017 zwar kein überwältigendes, aber ein durchaus solides Jahr wird".

Vor allem das Gerangel um eine Erbschaftsteuerreform hatte vielen Steuerberatern in den vergangenen Jahren eine echte Sonderkonjunktur beschert. Viele Unternehmer wollten noch rasch von den günstigen bisherigen Regeln profitieren und übertrugen daher ihre Unternehmen auf die nächste Generation. Seit Juli 2016 gilt das neue Gesetz.

Ähnlich äußerte sich der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Anwaltverein (DAV), Cord Brügmann. Angesichts des guten gesamtwirtschaftlichen Umfelds blickten die Anwälte mit Zuversicht in die Zukunft: "Eine prosperierende Wirtschaft verspricht auch immer eine Nachfrage an guter anwaltlicher Beratung." Allerdings bestehe auch Grund zur Sorge. "Wenn in der Türkei – und damit geradewegs vor unserer Haustür – rechtsstaatliche Grundsätze wie das Prinzip der freien Advokatur verletzt werden, dürfen und werden wir dies nicht ignorieren", sagte Brügmann.

Die Ifo-Umfrage zeigt, dass vor allem die Zufriedenheit mit dem aktuellen Auftragsbestand zu wünschen übriglässt. Hier rutschte die Beurteilung unter den langjährigen Mittelwert. Nur noch 20 Prozent beurteilten den Auftragsbestand im Dezember als "verhältnismäßig groß", im Dezember 2015 gaben noch 30 Prozent der Berater ein entsprechendes Urteil ab. Und so erwarten immerhin elf Prozent eine schlechtere Entwicklung ihrer Umsätze; vor einem Jahr hatten lediglich zwei Prozent der Rechts- und Steuerberater pessimistisch auf den Start ins neue Jahr geblickt.

Die Preise ziehen an

"Umsatzsteigerungen scheinen eher über Preiserhöhungen als über zusätzliche Aufträge realisiert werden zu können", meint Ifo-Experte Wohlrabe. Immerhin ein Viertel der Beraterfirmen plante im Verlauf des neuen Jahres seine Preise anzuheben. Jeder sechste Consultant beabsichtigt, in den kommenden Monaten neues Personal einzustellen – doch gutes und erfahrenes Fachpersonal ist knapp.

Das neue Erbschaftsteuergesetz ist "komplizierter denn je", betont Steuerberaterpräsident Elster. Rechtliche Unsicherheiten erschwerten die Nachfolgegestaltung der Unternehmen erheblich; außerdem müssten die Berater mit vermehrten Anfragen aus dem Mittelstand rechnen. "Gleichzeitig müssen meine Berufskollegen nach wie vor eigene Herausforderungen, wie die Nachwuchs- und Mitarbeitergewinnung oder die Digitalisierung, stemmen", erklärte Elster. Die jüngsten politischen Ideen von Bund und Ländern rund um eine Anzeigepflicht von Steuergestaltungen erstaunten und verärgerten den Berufsstand zusätzlich.

Grundlegende Veränderungen für die Branche erwartet Klaus-Peter Naumann, Sprecher des Vorstands des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW): "Wie schon in den Vorjahren erwartet, führten 2016 in Kraft getretenen Gesetzesänderungen bereits zu Verschiebungen innerhalb des Marktes, weitere Anpassungen werden noch 2017 erfolgen." Die Digitalisierung verändere "disruptiv ganze Geschäftsmodelle". Viele Wirtschaftsprüfer hätten sich bereits darauf eingestellt und böten etwa zusätzliche IT-Beratung an, "die für die Mandanten einen echten Mehrwert darstellt". Das werde sich günstig auf das Umsatzwachstum in der Branche auswirken, zeigt sich Naumann überzeugt.

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