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Unternehmen werben für individuelle Arbeitszeiten

Familie (Quelle: freeimages.com, Autor: suzula)

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Seit Januar können Beschäftigte ihre Arbeitszeit für die Pflege von Angehörigen reduzieren. Nun preschen erste Unternehmen mit weiteren neuen Arbeitszeitmodellen vor.

Seit Jahresbeginn haben Arbeitnehmer in Deutschland die Möglichkeit, für die Pflege von Angehörigen ihre Arbeitszeit zu reduzieren – ohne dass sie dabei große Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müssen. Das Gesetz für die Familienpflegezeit macht das möglich.

Auf bis zu 15 Wochenstunden können Beschäftigte künftig ihre Arbeitszeit herunterfahren – maximal zwei Jahre lang. Das Gehalt aber reduziert sich nur auf 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Wer bislang über 50 war und für die Pflege seiner Eltern im Job aussetzte, hatte es anschließend oft schwer, einen neuen Job zu finden. Das neue Gesetz sieht vor, dass jeder pflegende Angehörige in seine alte Stelle zurückkehren kann – und zwar in Vollzeit.

Eine gute Idee, in der Theorie. Doch bislang beruht die Familienpflegezeit auf einer freiwilligen und individuellen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter. Nur wenige Unternehmen bieten sie ihren Mitarbeitern bislang an – darunter das Pharmaunternehmen Roche Diagnostics GmbH. Das Unternehmen hat die Pflegezeit im vergangenen Jahr eingeführt. Von einer "sinnvollen Ergänzung zu anderen Programmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf" spricht Edgar Vieth, Geschäftsführer Personal des Konzerns. Das Angebot würde vor allem von älteren Mitarbeitern genutzt. Mit der Regel binde man Fachkräfte an das Unternehmen und stärke die Motivation.

Auch Airbus Deutschland hat zu Jahresbeginn die Pflegezeit eingeführt. Außerdem plant der Konzern ein Bündel weiterer Maßnahmen für befristete Auszeiten, sagt Geschäftsführer Joachim Sauer. In Zukunft käme es darauf an, innovative Arbeitszeitmodelle zu etablieren.

"Nicht nur Mitarbeiter mit Familie wollen Zeitsouveränität", sagt Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger. Ihm geht das Gesetz zur Familienpflegezeit nicht weit genug. Und selbst die bereits etablierte Eltern- und Teilzeitarbeit könnte etwas mehr Innovation nicht schaden, findet der Personalmanager. "Wir wollen Mitarbeiter in allen Lebenslagen individuell unterstützen." Telekom-Mitarbeiter, die Angehörige pflegen, sich sozial engagieren, sich nebenberuflich weiterbilden oder aus sonstigen familiären oder gesundheitlichen Gründen eine Auszeit brauchen, sollen künftig befristete Auszeiten nehmen können – ohne dabei auf einen Großteil ihres Einkommens verzichten zu müssen.

Freistellung für Engagement und Weiterbildung

Das Programm ist bundesweit einmalig: Für Weiterbildungen und soziales Engagement gewährt die Telekom ihren Mitarbeitern künftig, ähnlich wie bei der Pflegezeit, die Möglichkeit, die Arbeitszeit flexibel zu reduzieren. Das Gehalt wird dabei auf einen bestimmten Betrag abgesenkt, aber nicht komplett auf die reduzierte Arbeitszeit. Arbeitet der Mitarbeiter wieder voll, wird das monatliche Gehalt um den zuvor gewährten Aufstockungsbeitrag angepasst.

Wer ein Studium beginnt, kann bis zu vier Jahre Bildungsauszeit bekommen – ein unbezahlter Sonderurlaub mit nahtloser Wiederaufnahme des Arbeitsvertrags. Mitarbeitern, die Boni erhalten, bietet die Telekom bis zu sechs Monate Auszeit, die vom Unternehmen vorfinanziert wird und über die nächsten Jahre mit den Bonuszahlungen verrechnet werden. Führungskräfte haben überdies die Möglichkeit, ein Zeitguthaben anzulegen: Sie können ihre Boni oder einen Teil ihrer Grundvergütung ansparen und sich das Guthaben dann als Freistellungszeit auszahlen lassen.

Mit den innovativen Arbeitszeitmodellen will die Telekom besonders ihre Fachkräfte halten, die sonst aus persönlichen oder familiären Gründen ihren Job kündigen würden. Auch will das Unternehmen mit dem Programm für sich als attraktiven Arbeitgeber werben. "Mitarbeiter wollen heute selbstbestimmt und selbstbewusst mit Auszeit, Freizeit und Arbeitszeit umgehen. Wer das seinen Beschäftigten bieten kann, hat einen Vorteil beim Wettbewerb um Talente", sagt Sattelberger.

Die neuen Arbeitszeitmodelle sollen auch für die rund 39.000 Beamte bei der Telekom gelten und in den kommenden Monaten in entsprechende Betriebsvereinbarungen gegossen werden. Das Unternehmen geht davon aus, dass etwa ein Prozent der 125.000 Mitarbeiter die befristete Auszeit in Anspruch nehmen wird. Die Personalkosten dürften sich auf einen siebenstelligen Betrag erhöhen.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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