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Erfolgreich aus der Spezialisierungsfalle

Mausefalle [Quelle: freeimages.com, Autor: Krzysztof Szkurlatowski; 12frames.eu]

Quelle: freeimages.com, Krzysztof Szkurlatowski (12frames.eu)

Der Analytiker kümmert sich um die Strategie, der akribische Buchhalter wacht über die Zahlen und der Jurist umschifft sämtliche rechtliche Klippen: Wenn jeder tut, was er am besten kann, ist das gut für alle. Arbeitsteilung erhöht die Produktivität und ermöglicht es Unternehmen, ihre Gewinne zu steigern. Was aber, wenn man plötzlich merkt, dass der eingeschlagene Weg nicht mehr der richtige ist? Wenn die Spezialisierung in die Sackgasse führt, hilft nur eins: handeln.

Die Studienwahl ist eine wichtige Entscheidung. Damit gibt man die grobe Richtung vor, legt fest, welchen Beruf man ergreifen möchte. Je mehr Zeit man in die Ausbildung investiert hat, desto schwieriger wird es, den Kurs zu korrigieren - denn mit jedem Modul, mit jedem Praktikum und jedem Job nimmt die Spezialisierung zu. Nach und nach wird man zum Experten auf einem bestimmten Gebiet. Das ist gut für Unternehmen, die sich durch Spezialisierung und Arbeitsteilung komparative Kostenvorteile verschaffen, was insgesamt für mehr Wohlstand sorgt.

Der Bedarf in der Wirtschaft und die persönlichen Präferenzen ändern sich

Allerdings hat die Spezialisierung in einem Fachgebiet auch ihre Tücken. Verändern sich beispielsweise Technologien, kann es passieren, dass Experten dafür nicht mehr in diesem Ausmaß gebraucht werden, und plötzlich ganz anderes Spezialwissen gefragt ist. Auch kommt es vor, dass Personen, die sich einmal auf einen Bereich festgelegt und entsprechendes Know-how erworben haben, plötzlich den Spaß an ihrer Arbeit verlieren und eine neue, vielleicht ganz andere Herausforderung suchen. Was nun? Kann man sein Spezialgebiet einfach ändern? Ist das überhaupt sinnvoll und wie gelingt es, sich auch nach längerer Berufstätigkeit neu zu orientieren?

Die entscheidende Frage lautet: Wo soll es hingehen?

"In Veränderungssituationen muss man sich vor allem die Frage stellen, wo es hingehen soll", sagt Dr. Gerhard Helm, Psychologe und Leiter der Münchner Akademie für Business Coaching. "Denn nur wer die Richtung kennt, kann die für sich richtigen Entscheidungen treffen." Hierbei sollte man möglichst nicht aus einer Emotion heraus handeln. "Viele machen den Fehler, in der Kategorie 'alles oder nichts' zu denken. Sie fühlen sich in einer Situation unwohl und suchen den schnellen Ausweg - zum Beispiel durch eine Kündigung."

Personalabteilung und Mentoren helfen, neue Betätigungsfelder zu finden

Dabei ist ein derart radikaler Schritt oft gar nicht nötig. In vielen Fällen gelingt es, im Unternehmen das Betätigungsfeld zu wechseln und sich neue Herausforderungen zu suchen. Hierbei rät Gerhard Helm, die Personalabteilung oder einen Mentor mit ins Boot zu holen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. "In der Regel freuen sich Unternehmen, wenn ihre Mitarbeiter sich weiterentwickeln und mehr Verantwortung übernehmen wollen. Deshalb sind sie meist offen und unterstützen dabei, neue Aufgaben zu finden. Das ist auch Teil der Führungskräfteentwicklung."

Zusätzliche Qualifikationen erwerben, um die Karriere weiterzuentwickeln

Der Wunsch, Neues zu lernen, kommt bei Mitarbeitern vor allem auf, wenn sie in ihrem Fachgebiet schon sehr weit fortgeschritten sind und die Lernkurve entsprechend verflacht. In der täglichen Arbeit stellen sie dann oft fest, dass ihnen bestimmte Qualifikationen fehlen, um die Karriere weiter voranzutreiben. Ein klassisches Beispiel sind Vertrieb und Marketing. Diese Disziplinen zumindest in Grundzügen zu verstehen ist für viele Führungspositionen unerlässlich.

Wenn der Job nicht passt, ist unabhängiger Rat wertvoll

Wer an seinem Job überhaupt keinen Spaß mehr hat oder vielleicht sogar etwas ganz anderes machen möchte, sollte seine Situation genau analysieren und die Optionen sorgfältig prüfen. Schließlich kann die Entscheidung, einen neuen Weg zu gehen, gravierende Auswirkungen auf das bisherige Leben haben. "Da kommen oft ganz praktische Überlegungen ins Spiel", sagt Helm. "Welche finanziellen oder familiären Verpflichtungen habe ich? Welche Opfer bin ich bereit für die Veränderung zu bringen? Welches Ziel verfolge ich? All das sind Punkte, über die man sich klar sein sollte." Hier rät der Psychologe zu einem unabhängigen Gesprächspartner. Mit ihm könne man die Optionen erörtern und neue Wege diskutieren. Dieser Austausch könne sowohl im Coaching stattfinden, aber auch mit einem guten Freund und Vertrauten. "Wichtig ist aber, dass die Person keine Karten im Spiel hat. Wer selbst von der Entscheidung betroffen ist, wird nur schwer einen unabhängigen Rat geben können."

Probleme eingestehen schadet nicht dem Lebenslauf

Der Wunsch nach Veränderung entsteht oft schon lange bevor man mit anderen Personen darüber spricht. Manchmal werden belastende Situationen auch ausgehalten, um vermeintlich negative Konsequenzen zu vermeiden. So sorgen sich beispielsweise gerade Berufseinsteiger, dass ein früher Jobwechsel ihrem Lebenslauf schaden könnte. Von allzu viel Durchhaltewille rät Gerhard Helm ab: "Natürlich kann es sinnvoll sein, einmal eine Durststrecke zu überwinden. Wer jedoch mit seiner Situation anhaltend unzufrieden ist, der sollte etwas tun, denn auf Dauer unglücklich zu sein, das ist alles Geld der Welt nicht wert. Wir sind nur wirklich gut, wenn wir das tun, was unser Herzblut ist."

Wenn sich die berufliche Situation nicht kurzfristig ändern lässt, kann es auch helfen, andere Betätigungsfelder zu entdecken. Viele Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit im Verein oder finden innerhalb des Unternehmens eine Tätigkeit, die ihre persönlichen Bedürfnisse befriedigt. Das schafft Zufriedenheit, die sich auch positiv auf die Atmosphäre im Job auswirkt - egal ob man hochspezialisiert ist oder sich breiter aufgestellt hat.

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