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Start-up, Arbeitsgruppe, Diskussion [Quelle: pexels.com]

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Viele Absolventen träumen heute davon ein eigenes Start-up zu gründen. Um Erfolg zu haben braucht es aber mehr als eine gute Idee. Vier unterschiedliche Start-up-Erfahrungen.

Früher wollte man Popstar oder Germany’s next Topmodel werden, heute träumen Absolventen davon, bei einem Start-up zu arbeiten oder selbst eins zu gründen. Der Sender Vox zeigt eine Gründer-Show, Promis wie Moderator Joko Winterscheidt oder Ex-Fußballprofi Hans Sarpei stecken ihr Geld in neue Firmen, Unis unterstützen Studenten beim Start ins Unternehmerleben. Obwohl die Deutschen als Risikovermeider gelten, hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr so viele Stipendien für Gründer vergeben wie nie zuvor. Doch man braucht nicht nur eine Idee und Geld, sondern auch das richtige Umfeld, um erfolgreich zu sein: Ein Trainer, ein Investor, ein Seriengründer und zwei Hoffnungsträgerinnen erzählen.

Der Trainer

Christoph Hienerth, 41, Management-Professor

"Gründen ist keine große Wissenschaft wie etwa Mathematik oder Physik", sagt Christoph Hienerth, und er muss es wissen: Hienerth leitet den Lehrstuhl für "Entrepreneurship and New Business Development" an der privaten Wirtschaftshochschule Otto Beisheim School of Management (WHU) in Vallendar bei Koblenz. Die Uni gilt als Kaderschmiede für Unternehmer in Deutschland.

In Hienerths Kursen lernen die Studenten, wie man eine Geschäftsidee entwickelt und nach welchen Konzepten man daraus ein funktionierendes Unternehmen aufbauen kann. "Das Schwierigste ist, dass man immer wieder Entscheidungen treffen muss, obwohl man nicht genügend Informationen hat", sagt Hienerth. Statt dass in jedem Semester im gleichen Seminar neue Studenten dieselben Folien an die Wand werfen, sollen die Studenten in seinen Kursen schon Marketingkampagnen, Businesspläne oder Geschäftsideen vorstellen.

Als Hienerth vor vier Jahren den Lehrauftrag annahm, sei er überrascht gewesen, sagt er. "Es hat mich wahnsinnig beeindruckt, zu sehen, welche Unternehmen 18- oder 19-Jährige gründen – und wie sie dafür Finanzierungen von mehreren Millionen Euro bekommen." Wenn der hagere Professor mit dem österreichischen Dialekt von den jüngsten Absolventen seiner Hochschule erzählt, schwärmt er besonders von der Koch-App Kitchen Stories. Die Idee, einfache Rezepte mit schönen Bildern zu zeigen, begeisterte Apple sofort – das Unternehmen stellte die App im Store vor. Die Folge: 50.000 Downloads in den ersten zwei Wochen. "Es ist toll, zu beobachten, wenn Studenten ihren Weg gehen", sagt Hienerth.

Bevor er nach Rheinland-Pfalz kam, hat er sich an der Uni Wien und an der Copenhagen Business School damit beschäftigt, wie Firmen innovativ sein können. Dieses Wissen war bloß theoretisch: "Ich möchte in der Praxis dabei helfen, Unternehmen aufzubauen", sagt er.

In Start-up-Magazinen wie Tech Crunch oder Berlin Valley informieren er und seine Studenten sich täglich über die neusten Investitionen der Kapitalgeber. Mehr als die Hälfte der Studenten absolviert während des Studiums ein Praktikum bei einem Start-up. Nach dem Abschluss fangen viele auch in einem Start-up an. Dafür macht Hienerth den sogenannten Samwer-Effekt verantwortlich. Oliver Samwer und seine zwei Brüder gehören mit ihrem Unternehmen Rocket Internet zu den erfolgreichsten Absolventen der WHU. Heute spricht Samwer manchmal vor den Studenten. "Da er auch hier studierte, vermittelt er das Gefühl: Das ist einer von uns, vielleicht können wir etwas Ähnliches erreichen", sagt Hienerth.

Der Aufbauhelfer

Florian Heinemann, 40, Investor

Die Zukunft liegt im Internethandel, davon ist Florian Heinemann überzeugt. Deshalb richtete er gemeinsam mit dem Verlagshaus Axel Springer, dem Otto-Konzern und drei weiteren Mitgründern einen 80-Millionen-Euro-Fonds namens Project A ein. Damit ein Start-up Erfolg hat, reiche eine gute Idee meistens nicht aus, sagt Heinemann. Ein verbreiteter Fehler unter Gründern sei beispielsweise, dass sie am Anfang die Ressourcen nutzten, die ihnen zur Verfügung stünden. Wenn plötzlich ein Angebot viel gefragter sei als erwartet, könne schon mal die Website zusammenbrechen, weil der Server nicht groß genug sei. "Erfolg wird dann zum Problem", sagt Heinemann. Der Fonds investiert bis zu drei Millionen Euro in junge Unternehmen. Damit das Geld an die vielversprechendsten Gründer verteilt wird und diese gut betreut werden, arbeiten 100 Leute bei Project A in Berlin und São Paulo. "Gründer bekommen Geld von uns, damit sie sich am Anfang besser aufstellen können", sagt Heinemann, weist aber darauf hin, dass die finanzielle nicht die einzige Unterstützung bleiben soll. "Wir helfen den Firmen bei gängigen Problemen wie der Suche nach den richtigen Mitarbeitern oder dem Aufbau einer IT-Infrastruktur." Das klingt erst einmal einfach, aber Gründer neigen oft dazu, in der Anfangsphase ihre Freunde anzustellen und den technischen Aufwand eines Online-Auftritts zu unterschätzen. Mit seinem Kapital und Know-how unterstützt Heinemann als sogenannter Business-Angel heute über 80 Firmen. Trotz aller fürsorglichen Förderung bleibe das oberste Ziel der Start-ups die Wertmaximierung, sagt Heinemann.

Damit kennt er sich aus, weil er 1999 nach seinem Diplom als Kaufmann an der WHU gemeinsam mit Uni-Kollegen einen Online-Marktplatz für antiquarische Bücher namens JustBooks gründete. Ein Jahr später platzte die Dotcom-Blase, und die boomende Internetbranche brach zusammen. Heinemann hatte sich rechtzeitig als Geschäftsführer zurückgezogen und verlor deshalb kein Geld. Danach ging er zurück an die Uni und begann damit, eine Doktorarbeit in Entrepreneurship zu schreiben. "Mir war es wichtig, inhaltlich und selbstbestimmt zu arbeiten. Das konnte ich an der Uni und beim Start-up", sagt er. Seinen Lebensunterhalt habe er damals bereits freiberuflich mit der Entwicklung von Internet- und Digitalprojekten für verschiedene Firmen bestritten.

Der Ausflug in die Lehre dauerte nicht lange. 2003 ließ sich Heinemann von Rocket Internet einkaufen, um die Kontaktbörse für Singles iLove groß zu machen. Anschließend kümmerte er sich beim Klingelton-Anbieter Jamba um das Online-Marketing. 2007 gehörte Heinemann zu den führenden Mitarbeitern. Fünf Jahre lang baute er dann als Geschäftsführer im Bereich Online-Marketing Firmen wie den Internet-Modehändler Zalando oder die Dating-Seite eDarling auf. Doch vier Jahre später kam das Ende, der offizielle Grund: Heinemann sucht neue Herausforderungen. Heinemanns Biografie liest sich so, als habe er genau gewusst, wann er an welchem Ort sein musste. Bei Project A profitieren Start-ups wie der Online-Weinhändler Wine in Black von seiner Erfahrung. "Die neuen Gründer haben sehr viel Energie", sagt Heinemann.

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