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"Das Eckbüro hat ausgedient"

Big Techday von TNG (Autor: Nmedia, Quelle: Fotolia.com)

© Nmedia - Fotolia.com

Die Digitalisierung krempelt die Arbeitswelt um. Die Siemens-Personalchefin Janina Kugel verrät, wie sie 350.000 Mitarbeiter fit für den Wandel macht und was sich moderne Führungskräfte alles anhören müssen.

Frau Kugel, ist Ihr Büro schon komplett digital organisiert, oder greifen Sie noch zu Stift und Papier?

Wie Sie an den Stapeln auf meinem Schreibtisch sehen können, lebe ich noch in beiden Welten. Ich habe meine Diplomarbeit an der Universität noch in der Bibliothek geschrieben und mit Karteikarten gearbeitet. Nun lerne ich wie viele andere den Umgang mit digitaler Kommunikation. In manchen Fällen ist mir Papier deutlich lieber, aber häufig arbeite ich natürlich digital, schon weil ich viel unterwegs bin. Zudem ist es deutlich schneller.

Da sind Ihre Mitarbeiter in der digitalen Fabrik in Amberg weiter. Dort gibt es keine Kommunikation auf Papier mehr. Was macht den Standort noch aus?

Drei Viertel der Arbeit dort bewältigen Maschinen und Computer eigenständig, um das restliche Viertel kümmern sich die Mitarbeiter. In Amberg läuft ein Schichtleiter nicht mehr durch die Halle und setzt die Leute nach dem gefühlten Bedarf ein. Dort läuft das über eine zentrale Steuerung - die sieht genau, wo Engpässe entstehen und Personal umgeschichtet werden muss. Und obwohl sich die Mitarbeiterzahl kaum verändert hat, konnten wir das Produktionsvolumen dort verachtfachen. Wir haben aber auch immer noch viele mechanische Abläufe, und ich bin davon überzeugt, dass das so bleiben wird.

Wer gibt in der digitalen Fabrik den Takt vor: Mensch oder Maschine?

Der Mensch.

Warum?

Weil auch das, was eine Maschine tut, letztlich von uns entschieden wird. Denn es bleibt der Mensch, der Vorgänge und Abläufe antizipiert und den Maschinen sagt, was sie tun sollen. Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine ist aber eine andere als die zwischen Menschen. Einem Roboter können sie nicht einfach zurufen, wenn sie etwas ändern in den Abläufen, wie sie das mit einem Kollegen tun würden.

Noch nicht, aber moderne Algorithmen lernen dazu. Gibt es künftig ein paar Privilegierte, die die Maschinen programmieren, und der Rest der Belegschaft wird zu Befehlsempfängern?

Das wurde ich nicht so schwarzweiß sehen. In der Vergangenheit wurden bei großen Umwälzungen immer auch Untergangsszenarien an die Wand gemalt, die dann aber nie eingetreten sind. Aber ich glaube, dass für die digitale Arbeitswelt andere Fähigkeiten nötig sein werden.

Und die besitzen alle Ihre 350.000 Mitarbeiter schon heute?

Sicher noch nicht alle. Deshalb greifen wir ihnen unter die Arme. Wir sind alle unsere Berufsausbildungen durchgegangen und haben uns gefragt: Was macht etwa ein Mechatroniker heute, was wird er künftig können müssen und auf welche Kompetenzfelder wird sich Digitalisierung auswirken? Dementsprechend haben wir Abläufe und Lerninhalte verändert.

Wo besteht denn Nachholbedarf?

Wir haben fast 30 Berufe identifiziert, bei denen wir etwas tun müssen. Ein Beispiel ist der Zerspanungsmechaniker. Der bekam bislang seine Vorgaben aus dem Entwicklungsbereich und musste dann an den entsprechenden Stellen bohren und fräsen. Mit dem 3D-Drucker können sie nun aber Teile schon mit den entsprechenden Löchern produzieren. Deshalb sollten Zerspanungsmechaniker künftig auch diese Technologie beherrschen. Heute lässt sich vieles schon im Vorfeld mit Simulationen üben, so dass weniger Fehler mit Prototypen gemacht werden.

Unter Wissenschaftlern gibt es lebhafte Debatten, ob durch die digitale Revolution unter dem Strich Arbeitsplätze wegfallen oder entstehen. Wie sieht die Bilanz in Amberg aus?

Gut. Im Elektronikwerk Amberg ist die Mitarbeiterzahl in den letzten Jahren mit etwa 1.200 weitgehend stabil geblieben, die Produktivität hat sich aber deutlich verbessert. Allerdings haben sich natürlich die Tätigkeiten verändert. Wir brauchen mehr qualifizierte Leute. Für Deutschland sehe ich eine große Chance, denn wir müssen uns wegen des demographischen Wandels in den kommenden Jahrzehnten auf einen erheblichen Fachkräftemangel einstellen. Wir spüren das heute schon bei Softwareingenieuren.

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