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"Ah, da steht ein Mensch!"

Ein roter Spielzeugroboter [Quelle: freeimages.com, Sasan Saidi]

Quelle: freeimages.com, Sasan Saidi

Früher waren Industrieroboter dumm – und eine Gefahr für ihre menschlichen Kollegen. Das ändert sich gerade, sagt Dieter Westerkamp vom Verein Deutscher Ingenieure.

ZEIT Campus: Herr Westerkamp, was ist in der Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen in Zukunft möglich?

Dieter Westerkamp: Der Trend geht dahin, dass Maschinen und Menschen digital miteinander vernetzt sind und enger kooperieren. Dazu gehört auch, dass die Bedienung von Arbeitsgeräten in der Industrie einfacher wird.

ZEIT Campus: Haben Sie ein Beispiel?

Westerkamp: Nehmen wir Stanzmaschinen. Früher mussten Arbeiter mit dem Fuß auf ein fest installiertes Pedal treten, um die Maschine auszulösen. In Zukunft werden sie dazu nur noch ihre Zehen bewegen. Ein Sensor nimmt die Bewegung auf und leitet das Signal weiter. So kann man Abläufe effizienter und weniger anstrengend machen. In einer Gesellschaft, in der die Menschen immer länger arbeiten, ist das wichtig.

ZEIT Campus: Heute gibt es diese enge Vernetzung noch nicht?

Westerkamp: Nein. Die vollständig digital vernetzte Produktion ist ein Thema der Zukunft. Außerdem beschäftigt sich die Industrie damit, die Einsatzbereiche von Robotern zu erweitern. Früher konnten sie nur einfache Tätigkeiten verrichten, etwa Teile in der Montage von A nach B bringen.

ZEIT Campus: Das ändert sich erst jetzt?

Westerkamp: Ja. Lange Zeit waren Roboter in Montagekäfige eingesperrt, um die Menschen vor ihnen zu schützen. Heute werden Roboter kleiner und leichter. Sie können sich flexibler bewegen, denn sie merken dank ihrer Sensoren: "Ah, da steht ein Mensch! Jetzt darf ich nicht weiter, um ihn nicht zu gefährden." Zukünftig werden Mensch und Maschine Hand in Hand arbeiten.

ZEIT Campus: Wie meinen Sie das?

Westerkamp: Früher musste man den Roboter so programmieren, dass er genau wusste, wie er sich bewegen soll. In Zukunft wird der Arbeiter den Roboterarm einfach an die Hand nehmen und ihm zeigen, was er zu tun hat – und der Roboter macht das dann nach.

ZEIT Campus: Wie nah werden sich Menschen und Maschinen kommen?

Westerkamp: Sehr nah! Exoskelette sind da zum Beispiel ein Forschungsthema: Das sind künstliche Skelette, die von außen um den Körper gelegt werden und dessen Muskelkraft unterstützen. Exoskelette sollen Menschen mit Behinderung das Gehen ermöglichen. Arbeitern, die schwer heben müssen, können sie auch helfen. Oder nehmen wir Datenbrillen. Sie können dem Mitarbeiter in der Industrie zeigen, wie er eine Maschine reparieren kann – und zwar live, während er gerade mit der Reparatur beschäftigt ist.

ZEIT Campus: Welche Rolle spielen solche Forschungen in der Praxis?

Westerkamp: Noch ist mir kein Fall bekannt, in dem Exoskelette und Datenbrillen von der Industrie in großem Maße genutzt werden – diese Technik ist noch nicht reif. Grundsätzlich ist die Vernetzung von Maschinen und Menschen aber eines der wichtigsten Themen in der Mess- und Automatisierungsindustrie. Das hat eine Umfrage gezeigt, die unser Verband im Jahr 2012 in dieser Branche durchgeführt hat.

ZEIT Campus: Wie können sich Studenten auf diesen Trend vorbereiten?

Westerkamp: Es ist grundsätzlich sinnvoll, sein Studium breit anzulegen. Zusätzliche IT-, Ergonomie- und Fremdsprachenkenntnisse können nicht schaden. Von einer zu engen Spezialisierung rate ich Studenten ab.

ZEIT Campus: Warum?

Westerkamp: Die Spezialisierung kommt nach dem Studium. Nach sechs oder zehn Semestern ist man immer noch jung genug dafür. Ich kenne keinen, der zum Berufsstart nicht dazulernen musste. Man bleibt als Ingenieur sowieso nur durch lebenslanges Lernen technologisch auf dem Laufenden und interessant für seinen Arbeitgeber.

© ZEIT Online (Zur Original-Version des Artikels)

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