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Akademiker wollen nicht nach unten heiraten

Heiratsantrag Verlobung Paar Heiraten Partnersuche (Quelle: sxc.hu/ahylton)

Heiratsantrag Verlobung Paar Heiraten Partnersuche (Quelle: sxc.hu/ahylton)

Die Deutschen suchen sich ihre Partner weiterhin in der gleichen Bildungsschicht, zeigen Bevölkerungsforscher.

 In Trivialromanen verliebt sich oft der junge Arzt in die hübsche Krankenschwester, und am Ende läuten die Hochzeitsglocken. In der Wirklichkeit sind solche Romanzen seltener. Die Deutschen sind nämlich nach wie vor ziemlich "bildungs-
 homogam": Sie heiraten bevorzugt Partner mit gleichem Bildungshintergrund. 2007 entsprachen knapp zwei Drittel aller Ehen diesem Kriterium und etwas mehr als die Hälfte der unehelichen Lebensgemeinschaften.
 
 Dass sich hinter diesem Befund mannigfaltige Entwicklungen verbergen, belegen jetzt Corinna Heuzeroth und Jürgen Dorbritz in einem Aufsatz für das Mitteilungsblatt des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden. Sie analysierten entsprechende Datensätze aus dem Mikrozensus der Jahre 1996 und 2007, also jener Bevölkerungs- und Arbeitsmarktstatistik, bei der jährlich ein Prozent der Haushalte in Deutschland repräsentativ befragt wird.
 
 Dieser Vergleich zeigt, dass die gewachsene soziale Mobilität auch bei der Wahl der Lebenspartner bemerkbar wird. Denn die Homogamie ist in diesem Längsschnittvergleich gesunken - von knapp 70 Prozent in den 90er-Jahren auf jetzt 62 Prozent bei den Ehen und von 61 auf gut 54 Prozent bei den nichtehelichen Lebensgemeinschaften.
 
 Dabei stellten die Bevölkerungswissenschaftler unterschiedliche Bewegungen zwischen den einzelnen Bildungsschichten fest. Die erste: Menschen mit niedrigem oder keinem Schulabschluss folgten dem abnehmenden Trend, allerdings von einem vergleichsweise hohen Niveau aus. Denn noch 1996 belief sich die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau mit Hauptschulzeugnis auch mit einem Hauptschüler verheiratet war, auf 83 Prozent. 2007 waren es noch gut 75 Prozent. Von einem Aufbrechen der Bildungshomogamie kann man also hier nicht sprechen. In den meisten anderen Bildungsgruppen sehen Heuzeroth und Dobritz aber Indizien dafür, dass es einen grundsätzlichen Willen gibt, "sich in der Partnerschaft nach oben zu orientieren, also mit einem höherqualifizierten Partner zusammenzuleben".
 
 Dagegen, so scheint es, schotten sich Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen zunehmend ab. Denn bei den formal Höchstqualifizierten ist eine gegenläufige Tendenz zu beobachten: Akademiker wollen bei der Wahl ihrer Partner zunehmend unter sich bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Abiturient auch mit einer Abiturientin verheiratet ist, kletterte in den beiden Vergleichsjahren von knapp 47 auf 52 Prozent. Die Bevölkerungswissenschaftler sehen hierin einen Beleg für eine "zunehmende Abschließungstendenz der Höherqualifizierten."
 
 Bestätigt wird dies auch bei einem Blick auf die nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften - allerdings in anderen Größenordnungen. Denn solche kurz- oder längerfristigen Beziehungen sind ohnehin die bevorzugte Lebensform von Höherqualifizierten - von jungen Akademikern im Studium oder, mit zunehmender Bedeutung, von berufstätigen Frauen in leitenden Funktionen. Auf entsprechend hohem Niveau, bei rund 63 Prozent, pendelte sich hier im Jahr 2007 die Homogamie-Quote ein.

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