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Heute schon so richtig gewütet?

Mann, wütend, Maske freegreatpictures.com

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Wut, Neid und Faulheit gelten als Karrierekiller. Dabei können die vermeintlich negativen Emotionen durchaus nützlich sein.

Manche Tage im Büro sind einfach Mist. Dann kommt der Chef kurz vor Feierabend mit einer zusätzlichen Aufgabe vorbeigeschneit, die natürlich mit den Worten "Na klar, sehr gerne" entgegengenommen wird. Oder der unbeliebte Kollege wird befördert und einem selbst bleibt nur, festzustellen: "Super, ich freue mich total für ihn." Und auch die zeitraubende, ergebnislose Besprechung lächeln wir mit einem "eigentlich schon alles ganz okay" weg. Das ist natürlich Quatsch. Für die Beförderung war man selbst zu faul, auf den unverdienten Karriereschritt des anderen ist man neidisch und über die verlorene Zeit wegen des ewig dauernden Meetings einfach nur wütend.

Doch diese Emotionen haben einen schlechten Ruf. Wut, Neid und Faulheit sind die Ausgestoßenen unter den Befindlichkeiten. Es heißt, sie vergiften die Unternehmenskultur, machen unglücklich und damit auch unproduktiv. In klinisch sauberen Bürotürmen gibt es keinen Platz für sie. Wer sie dort auslebt, kann gleich einpacken. Kein Wunder also, dass wir unsere wahren Gefühle im Berufsleben häufig verstecken. Das ist auf der einen Seite auch gut so: Eine gewisse Form der Impulskontrolle ist nun mal eine wichtige Grundlage für zivilisiertes Zusammenleben. Doch die vermeintlich negativen Emotionen gänzlich zu ignorieren ist auch falsch. Dirk Lindebaum, Professor an der Cardiff Business School in Wales, hat zusammen mit Peter Jordan, einem Wissenschaftler an der australischen Griffith-Universität, eine Sonderausgabe des Fachjournals "Human Relations" zu dem Thema herausgegeben. Er sagt: "Labels wie negativ lenken davon ab, welche Funktionalität die Emotion eigentlich hat." Denn wer sich schlecht fühlt, dem signalisiert das Gehirn, dass etwas nicht richtig läuft und einer Änderung bedarf. Dahinter verbirgt sich eine gute Nachricht für alle Neidhammel, Faulpelze und Wutbürger: Wer diese Gefühle richtig deutet und kanalisiert, kann damit sich und auch seinem Arbeitgeber nutzen.

Wut

Mit dem weichen, österreichischen Akzent von Gabriel Diakowski ausgesprochen, klingen auch provokante Sätze freundlich. "Höflichkeit ist oft ein Korsett", sagt der Gründer der PR-Agentur D wie Denken, "Man formuliert Dinge zu vorsichtig, nur um nett zu sein." Für ihn ist diese Form der Diplomatie das Todesurteil für jegliche Kreativität. Sein Gegenmittel ist einfach: "Wut ist ein toller Motor." Ein Beispiel: Diakowski und seine Kollegen brüten etwa über einer neuen Kampagne, kommen aber nicht weiter. Dann kann es passieren, dass der Agenturchef die anderen absichtlich zur Weißglut treibt. "Ich will wütende Reaktionen. Daraus entstehen oft die besten Ideen", sagt er.

Selten hört man Entscheider in der Wirtschaft so offen über Wut sprechen, denn kaum ein Gefühl hat mehr negative Konnotationen. Denkt man an Wut, denkt man auch an Feindseligkeit, Boshaftigkeit und Zerstörung. Und das hat gerade im Job nichts zu suchen. Ein Manager wie der Ex-Lehman-Brothers-Chef Richard Fuld, der aufgrund seiner häufigen Wutausbrüche und der schroffen Art von seinen Mitarbeitern "Gorilla" genannt wurde, oder der Ausraster von Werber André Kemper, der auf dem Wiener Opernball vor laufender Kamera einen Gast mit einem Faustschlag niederstreckte, wirken wenig kompetent. "Manche weisen Männer haben den Zorn als eine vorübergehende Geisteskrankheit bezeichnet", schrieb der römische Philosoph Seneca.

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