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Wer Bachelor sagt, muss auch Master sagen

Hut, Graduation, Abschluss, Promotion [Quelle: freeimages.com, Autor: hhsara]

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Mehrere Studien haben in letzter Zeit den schlechten Ruf des Bachelor-Abschlusses Lügen gestraft ('Bachelor-Studenten geht es besser als gedacht', 'Bachelor besser als sein Ruf'). Demnach gehen die meisten Bachelor-Studenten während des Studiums ins Ausland und die wenigsten nach dem Studium zum Arbeitsamt. Eine Studie der Uni Saarbrücken schürt jedoch wieder Zweifel an den Erfolgsmeldungen. Denn wo Job draufsteht, ist meist nur Praktikum drin.

Zum dritten Mal seit 2004 haben führende Unternehmen nun schon die "Bachelor-Welcome"-Erklärung aufgefrischt und damit betont, dass Bachelor-Absolventen attraktive Arbeitnehmer sind. Und tatsächlich finden genauso viele Bachelor-Absolventen nach dem Studium Arbeit wie ihre Kommilitonen mit Diplom. Ist der Bachelor also endgültig in der Wirtschaft angekommen?

Bachelor willkommen – aber nur als Praktikant

Die Studie "Chancen für Bachelor: Eine Momentaufnahme" des Instituts für Management-Kompetenz (imk) an der Uni Saarbrücken hat die Jobs genauer unter die Lupe genommen, die den Bachelor-Absolventen angeboten werden. Dafür haben die Mitarbeiter des imk auf der Jobbörse monster.de Stellenanzeigen nach dem Suchbegriff "Bachelor" durchforstet. Die gute Nachricht: Es wurden stolze 1.023 Stellenangebote gefunden. Die schlechte Nachricht: Nur 6 Prozent der Angebote sind Direkteinstiege für "frischgebackene" Bachelor ohne Berufserfahrung. Der größte Teil sind Praktika. Und selbst von den 6 Prozent "echten Angeboten" richtet sich kein einziges ausschließlich an Bachelor-Absolventen.

Master muss sein?

Was bedeutet das für Bachelor-Absolventen? Selbst bei den wenigen Festanstellungen müssen sie noch mit den Master- und Diplom-Absolventen konkurrieren. Sonst winkt nur der Übergang von der "Generation Bologna" zur "Generation Praktikum". Dann also lieber gleich den Master miteinplanen oder ein Diplom machen?

Ihren "niedrigeren" Abschluss können die Bachelor-Absolventen nur durch Berufserfahrung ausgleichen. Das zeigt ein Blick auf die Websites der "Bachelor-Welcome"-Unterzeichner. Hier sind unter den Stellenangeboten nur 5 Prozent Direkteinstiege, 9 Prozent sind Trainee-Stellen und 86 Prozent sind Praktika! Bei nahezu allen Angeboten zum Direkteinstieg setzen die Unternehmen Berufserfahrung voraus – oder eben einen Master- oder Diplomabschluss. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Was nützt mir ein "berufsqualifizierender" Abschluss, wenn er mich nur in den Beruf bringt in Verbindung mit Berufserfahrung oder einem weiteren Abschluss?

Am besten dual studieren

Welche Möglichkeiten bleiben den Bachelor-Absolventen also? Sich mit einem Praktikum zufrieden geben? Oder eben – wie die meisten das ohnehin tun – einen Master draufsetzen, weil der Bachelor allein wenig wert ist?

Tatsächlich gibt es noch einen dritten Weg: Wer weder auf ein längeres Studium noch auf ein Praktikum scharf ist, plant die geforderte Berufserfahrung einfach von Anfang an in sein Studium ein: Viele Unternehmen bieten Abiturienten duale Studiengänge an, bilden also studienbegleitend aus und bieten dann einen Einstieg ins Unternehmen an. Das heißt, Bachelor-Absolventen sind durchaus willkommen – wenn sie schon während des Studiums Berufserfahrung im Unternehmen gesammelt haben.

Neues Bildungs-Bild

"Bachelor Welcome" erscheint in diesem Licht also nicht als bloßes Lippenbekenntnis. Unternehmen wollen durchaus Bachelor-Absolventen, wollen sie sich aber selbst heranziehen.

Dieses Ergebnis zeichnet ein neues Bild von Hochschule und Berufseinstieg: In der "alten Welt" machten Studenten ihre Ausbildung an der Uni und stiegen dann ins Berufsleben ein.
In der "neuen Welt" sind universitäre Ausbildung und Berufspraxis von Anfang an enger verzahnt. Damit hat sich auch die Rolle der Wirtschaft geändert: War sie zuerst nur Abnehmer des fertigen "Produkts" Student, beeinflusst sie jetzt selbst die Hochschulbildung.

Denkanstoß für Bologna

Studiengänge werden sich damit künftig stärker auf bestimmte Berufsbilder ausrichten, meint die Süddeutsche Zeitung zum Thema "Bachelor und Master" (11.11.2010). So sei zu befürchten "dass das Studium zur reinen Berufsausbildung verkommt." Auch die Leiter der imk-Studie sehen die Hochschulautonomie gefährdet. Gleichzeitig betonen sie aber, dass ihre "Momentaufnahme" vor allem ein Denkanstoß zur "Weiterentwicklung von Bologna" sein soll. Denn das Angebot an dualen Studiengängen zeigt ja, dass es durchaus "reformfreudige" Unternehmen gibt, die ein Interesse daran haben, Bologna in die Realität umzusetzen.

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Heute Bachelor-Student – und morgen? Wie es nach dem Abschluss weitergeht, findest du beim Master Day Business & Economics heraus.

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