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"Aufsteiger fallen oft mit überkorrektem Verhalten auf"

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Schaffen nur Kinder aus der Oberschicht den Aufstieg in die Top-Etagen der Wirtschaft? Ein Headhunter über die Bedeutung von Elternhaus, Knigge und Parkettsicherheit.

Den Aufstieg ins Spitzenmanagement schaffen fast nur Kinder aus der Oberschicht, haben Soziologen lange behauptet. Stimmt das noch, oder ist das Klassenkampfgerede?

Da ist immer noch viel dran. Es gibt kein "Vorstands-Gen", aber Kinder aus höheren sozialen Schichten tun sich beim Aufstieg auch heute noch viel leichter.

Was zeichnet steile Karrieren in der Wirtschaft aus?

Da gibt es natürlich große Unterschiede. Unternehmensgründer haben oft ganz andere Lebensläufe als Spitzenmanager. Gründer kommen aus den verschiedensten sozialen Schichten. Unter ihnen finden sich auch Studienabbrecher wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Die Posten im Spitzenmanagement besetzen aber meist andere Charaktere?

Ja. Gründer brauchen eine brillante Idee, für die sie kämpfen und sich vollkommen aufzehren. Sie können aber oft schlecht delegieren. Spitzenmanager großer Konzerne müssen das aber beherrschen. Zudem braucht man in Konzernen eine gewisse "Parkettsicherheit", die für Gründer zunächst einmal nicht von Belang ist. Und inwieweit man diese Souveränität besitzt oder mühsam erlernen muss, dafür spielt die Herkunft schon eine große Rolle.

Wieso? Macht ein wohlhabendes Elternhaus selbstbewusst?

Wer in eine Vorstandsfamilie hineingeboren wird, bewegt sich später in höheren Kreisen in der Regel souveräner. Wenn man schon als Kind mitbekommt, wie Spitzenmanager im Elternhaus ein und aus gehen, lernt man früh deren Sprache und Codes kennen. Und man verliert die Angst vor großen Tieren. Aufsteiger tun sich damit meist schwerer. Wenn man die ungeschriebenen Regeln nicht mit der Muttermilch aufgesogen hat, kann man sie später zwar noch erlernen, aber das braucht Blut, Schweiß und Tränen.

Dass der Habitus wichtig ist, sagen Soziologen auch.

Da haben sie auch recht. Wer nach oben will, dem hilft eine souveräne Ausstrahlung enorm. Dazu gehört, dass man sich auch bei förmlichen Anlässen unverkrampft bewegen kann – am besten mit einer weltmännischen Selbstverständlichkeit. Aufsteiger lassen sich schneller einschüchtern. Sie fallen da oft mit überkorrektem Verhalten nach Knigge auf. Das wirkt dann sehr bemüht. Aber es darf nicht eingeübt aussehen.

Wer sich sklavisch an alle Regeln hält, wirkt nicht besonders lässig, das mag sein. Aber ist Arroganz nicht viel schlimmer?

Arroganz ist natürlich ein Karrierekiller. Förderlich ist dagegen eine aristokratische Lässigkeit, die aber haarscharf an der Arroganz vorbeigehen muss. Das hilft in der ganzen Karriere. Wer mit Selbstverständlichkeit in der Mitte des Ganges läuft, statt sich verhuscht an die Wand zu drängen, wenn ein Chef entgegenkommt, signalisiert auch: Jetzt komme ich! Das wird vom Umfeld wahrgenommen.

Sie sind Headhunter und suchen für Unternehmen Spitzenmanager. Was für Manager suchen Ihre Kunden?

Kein Kunde sagt, er will jemand mit guten Tischsitten. Das läuft subtiler. Wir Personalberater brauchen dafür ein gutes Gespür, denn Habitus, Kleidung, Benehmen und souveränes Auftreten sind für die meisten Kunden sehr wichtig. Darüber wird aber selten explizit gesprochen, in Familienunternehmen zum Teil. Aufgrund der Vielzahl unserer Suchen wissen wir jedoch, wie in dieser Flughöhe agiert wird. Spitzenmanager brauchen Parkettsicherheit. Und das prüfen wir vorher auch.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Interessantes Interview. Ein Punkt: Mark Zuckerberg kann man weder als Aufsteiger noch als Studienabbrecher bezeichnen. Er stammt aus einer jüdischen Ärztefamilie, hat in Havard sein Studium begonnen und nur abgebrochen, weil er das Potential in Facebook gesehen hat (wie auch z.B. Bill Gates mit Microsoft).

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